Ex-Eintracht-Ass Vrancic wird immer noch auf dem Feld gejagt

Braunschweig.  Ex-Profi Damir Vrancic gibt für die Freien Turner mit 35 Jahren Gas und will noch ein paar Jahre spielen – parallel zum Lehramtsstudium.

Damir Vrancic (rechts), hier am vergangenen Wochenende gegen SVG Göttingen, zieht im Spiel der Freien Turner auch mit jetzt 35 Jahren noch immer die Fäden.

Damir Vrancic (rechts), hier am vergangenen Wochenende gegen SVG Göttingen, zieht im Spiel der Freien Turner auch mit jetzt 35 Jahren noch immer die Fäden.

Foto: Stefan Lohmann / regios24

Am vergangenen Sonntag feierte Damir Vrancic seinen 35. Geburtstag. Für Profifußballer bedeutet das in der Regel: Die Karriere neigt sich dem Ende, es wird Zeit für etwas Neues. Anders bei Vrancic. Er war erst 31 Jahre alt, als er sich für einen neuen Weg entschied. Der langjährige Eintracht-Akteur wechselte in den Amateurbereich, spielt seitdem für die Freien Turner und denkt nicht daran, die Schuhe an den Nagel zu hängen.

„Ich brauche einfach meine Bewegung“, sagt der Bosnier, der selbst zu den Trainingseinheiten mit dem Fahrrad kommt und auch sonst gerne auf zwei Rädern unterwegs ist. Natürlich, sagt Vrancic, zwicke es mit den Jahren immer mehr im Körper. „Früher habe ich immer gelacht, wenn die älteren Spieler das erzählt haben. Aber es ist wirklich so“, sagt er. Die nötige Regenerationszeit nach Training oder Spiel werde länger. Die Adduktoren machten hier und da Probleme, ebenso die Knie, berichtet der Mittelfeldspieler. Vor allem in der kälteren Jahreszeit mit den zunehmenden Einheiten auf Kunstrasen wachse die Belastung. Aber: Alles egal. Vrancic macht weiter.

„Der Trainer will nicht, dass ich zu offensiv werde“

Beim BSC Acosta in der Landesliga hat Nedeljko Subotic zuletzt noch mit 40 Jahren auf dem Platz gestanden. Vrancic kennt ihn gut, auch mit dessen Bruder Branko ist er gut befreundet. „Ich weiß nicht, ob ich es so lange schaffe, auf dem Platz zu stehen. Aber warum nicht, wenn es Spaß macht“, meint der Routinier, der bei den Turnern meist im zentralen Mittelfeld spielt. Manchmal lässt er sich nach hinten in die Kette fallen und baut das Spiel mit auf. Zuletzt zog es ihn immer öfter nach vorne. „Da sind wir noch zu harmlos. Aber eigentlich will der Trainer nicht, dass ich zu offensiv werde“, sagt Vrancic lachend. Trotzdem: Zweimal schnupperte der 35-Jährige am Samstag gegen Göttingen am Torerfolg und hätte sich damit beinahe selbst ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk gemacht.

Allerdings wissen auch die gegnerischen Teams, dass der Rechtsfuß der Dreh- und Angelpunkt im Spiel des Oberligisten ist. Einige versuchen, ihn auszuschalten, indem sie eigens einen Spieler auf Vrancic abstellen. „Damit muss ich leben“, sagt der gelassen.

Vrancic schoss Eintracht in die Bundesliga

Nur bei Freistößen müssen die Spezialbewacher auf Distanz gehen und mindestens neun Meter Abstand halten. Der frühere Nationalspieler gilt als Standardspezialist, nicht erst seit seinem legendären Freistoß-Tor im April 2013 in Ingolstadt, mit dem er Eintrachts Bundesliga-Aufstieg perfekt machte. Zuletzt allerdings wollte die Kugel kaum mehr im gegnerischen Tor einschlagen. Die Zeiten, in denen Vrancic als Profi immer noch private Extra-Einheiten im Zielschießen dranhängte, sind lange vorbei.

Heute geht das Flutlicht auf dem Platz im Prinzenpark aus, wenn das Mannschaftstraining beendet ist. Und Vrancic ist auch nicht mehr scharf auf Sonderschichten. Seit fast einem Jahr ist er verheiratet, lebt mit seiner Frau in der Braunschweiger Innenstadt. Irgendwann, so klingt es an, soll aus der Zweisamkeit einmal mehr werden. Die Familienplanung läuft.

Uni-Klausur im VIP-Raum mit Vrancic-Bildern an der Wand

Und dann ist da schließlich noch die Berufslaufbahn. Der Bosnier studiert an der TU Braunschweig Mathe und Sport auf Lehramt. In eineinhalb Jahren will er fertig sein und ins Referendariat wechseln. Manchen Kommilitonen ist erst kürzlich bewusst geworden, dass sie zusammen mit einem Ex-Fußballprofi lernen. Wegen Raumnot schrieben die angehenden Lehrer zuletzt eine Klausur im VIP-Raum des Stadions. Auf Fotos an der Wand ist auch der Techniker im blau-gelben Trikot zu sehen. „Da haben einige gesagt: Ach, den kenne ich doch“, erzählt Vrancic. Einige Dozenten, die Eintracht-Fans sind, hätten ihn schon vor Jahren erkannt und sogar mal nach Autogrammen gefragt. „Leider hatte ich alle Karten von früher weggeschmissen“, sagt der Mann, dem Starallüren stets fremd waren.

Eine beachtliche Karriere hat auch Vrancics Bruder Mario hingelegt, der seit 2017 bei Norwich City spielt. „Ich fliege ab und zu hin, um mir ein Spiel anzugucken“, sagt Damir Vrancic. Oft gehe es aber nicht, weil die Turner auch spielten. Was die Brüder verbindet: Sie sind beide Aufstiegshelden. Mario Vrancic schoss Norwich City 2018 mit seinem Tor endgültig in die Premier League.

Die wichtigsten Stationen in der Fußballer-Karriere des Damir Vrancic:

Am 9. Dezember 2006 gibt Damir Vrancic sein Fußball-Bundesliga-Debüt. Mit Mainz 05 tritt er in Mönchengladbach an und steht gut 20 Minuten auf dem Platz.

In der Saison 2008/09 steht Vrancic bei Borussia Dortmund unter Vertrag. 30 Partien absolviert er für die zweite Mannschaft des BVB. In einem Spiel gehört er dem Profikader an, kommt aber nicht zum Einsatz.

Zur Saison 2009/10 wechselt Vrancic zu Eintracht Braunschweig, damals in die 3. Liga. 135 Pflichtspiele absolviert er für die Löwen. Größter Erfolg: der Bundesliga-Aufstieg 2013.

Im Juni 2016 läuft der Vertrag bei Eintracht aus. Vrancic unterschreibt in Halle, macht den Deal aber rückgängig. Im Herbst geht er zu den Freien Turnern.

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