Braunschweiger Amateur-Fußballer zeigen Disziplin

Braunschweig.  Bei den Braunschweiger Kreis- und Bezirksligisten begann das Training unter strengen Corona-Regeln.

Volkmarodes Abteilungsleiter Uwe Scholz (rote Jacke) erklärt seiner Mannschaft die Verhaltensregeln.

Volkmarodes Abteilungsleiter Uwe Scholz (rote Jacke) erklärt seiner Mannschaft die Verhaltensregeln.

Foto: Ralf Krause

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter Braunschweigs Amateurfußballern. Die Rückkehr zum eingeschränkten Training ist seit einer Woche wieder möglich. Damit hat die lange Wartezeit endlich ein Ende. Allerdings haben es einige Vereine gar nicht so eilig mit einer raschen Rückkehr auf den Trainingsplatz. Weil noch immer keine Entscheidung über einen möglichen Saisonabbruch oder einer eventuellen Saisonfortsetzung gefallen ist, fehlt es an einer Perspektive. Aktive und Trainer wissen derzeit nicht, worauf sie auf dem Platz eigentlich hinarbeiten sollen.

Wer aber wieder Kontakt mit dem Ball sucht, muss zunächst abseits des grünen Rasens einige Hürden meistern. Trainiert werden darf erst, wenn sämtliche Hygieneauflagen erfüllt sind, und die sind nicht ohne. So mancher Vereins-Verantwortliche hat sich in den vergangenen Tagen den Kopf zerbrochen, um allem gerecht zu werden.

Beim Fußball-Bezirksligisten SC Rot-Weiß Volkmarode hat sich Abteilungsleiter Uwe Scholz intensiv mit dem Konzept befasst. Unterstützung fand er in den vom Niedersächsischen Fußballverband (NFV) verschickten vielseitigen Unterlagen. Scholz, der ein offenes Ohr für den Wunsch seiner Spieler nach schneller Trainingsaufnahme hatte, begann, die 20 Punkte des Hygienekonzepts zu studieren. Unter dem Motto „zurück auf den Platz“ versammelte er zunächst die erste Mannschaft auf dem Rasen, um die Abläufe zu erklären.

„Mir war wichtig, dass wir uns gemeinsam vor der ersten Trainingseinheit erst einmal besprechen. Wenn alles so funktioniert wie wir uns das vorstellen, werden weitere Mannschaften folgen.“ Im Laufe seiner Ausführungen betonte Scholz immer wieder die Freiwilligkeit an der Trainingsteilnahme. „Keiner soll sich dabei unter Zwang fühlen, jeder hat absolut Verständnis für eine Absage, aus welchen Gründen auch immer.“

Genauso penibel hat auch Klaus Sielaff als sportlicher Leiter des Kreisligisten BSV Ölper seine Vorbereitungen durchgeführt. Von ihm erhält jeder Spieler vor Trainingsbeginn zusätzlich eine nummerierte Tüte mit passenden Trainingsutensilien: „Solange wir die Kabinen nicht nutzen dürfen, soll das eine kleine Hilfestellung sein“, erklärt Sielaff. Ölpers Trainer Frank Dietrich ist sich sicher, dass auf absehbare Zeit kein Fußball mehr gespielt wird: „Meine Mannschaft und ich sehen diese Übungseinheiten augenblicklich mehr als Spaß an“, betont Dietrich.

Auch beim FC Wenden geht man mit den geforderten Maßnahmen gewissenhaft um. Fußballabteilungsleiter Torben Tran hat mit viel Aufwand ein Konzept für seinen Verein erstellt. „Die Trainingsgruppen sind an unterschiedlichen Tagen in verschiedenen Teams aufgeteilt. Dabei versucht unser Trainer Timo Welskop, seine Jungs mit Laufübungen, Gymnastik und Flankentraining zu motivieren. Die Freude, sich wieder einmal treffen zu können, ist allen anzumerken“, sagt Tran.

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Die Wiedersehensfreude unter den Kickern vom Kreisliga-Tabellenführer BSC Acosta II blieb ein wenig gedämpft. Die Auflagen, die der Verein akribisch erarbeitet hat, und erstmals am vergangenen Freitag umsetzte, ließ nicht viel Kommunikation untereinander aufkommen. Kontrollen am Eingang und zusätzliche, mit Warnwesten ausgestattete Helfer, verhinderten jegliche Abweichungen. Für Trainer Uwe Stucki bedeutet die Situation Neuland. „Das alles ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, wenn nur in Fünfergruppen gearbeitet werden darf. Um zum Beispiel eine Nachverfolgung von Infektionsketten zu ermöglichen, haben wir feste Gruppen gebildet, die Woche für Woche zusammenarbeiten. Ein Wechseln innerhalb dieser Formation ist danach nicht mehr möglich. Wir lassen es aber auch langsam angehen, denn nach einer so langen Unterbrechung muss ich die Einheiten kontrolliert dosieren, um Verletzungen auszuschließen“, erklärt Stucki.

Wie sehr mancher Kicker sein Hobby vermisste, beweist die Ankunft von gleich 19 Spielern zum Trainingsauftakt bei der Hondelager Reserve. MTV-Trainer Tommy Müller ahnte aber, was ihn erwartete: „Wir haben uns in fünf Gruppen aufgeteilt. Für die Vorbereitungen der jetzt etwas anderen Trainingseinheiten benötige ich mehr Zeit, man muss schon genau überlegen. Meine Spieler müssen sich jetzt neben Passübungen und Torschüssen auch mal mit ungewöhnlichen Kraftübungen anfreunden, und die können auch viel Spaß machen.“

Nicht ganz so schnell finden die Kreisliga-Kicker des TV Mascherode zurück in den Trainingsalltag. „Erst wenn alle die Hygieneregeln verinnerlicht haben und diese auch sicher beherrschen, werden wir uns zusammenfinden“, geht Trainer Sven Scholze auf Nummer sicher.

Die Disziplin unter Braunschweigs Vereinen scheint zu stimmen. Niemand möchte bei einer möglichen Kontrolle negativ auffallen. Denn bei Nichteinhaltung des Hygienekonzepts könnten satte Geldstrafen folgen.

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