Mit Kurz-Videos gegen Trainingseinsamkeit

Braunschweig.  Die Braunschweiger Hockey-Spitzenteams der Eintracht-Frauen und der BTHC-Männer müssen wegen der Corona-Krise ihre Saisonvorbereitung komplett neu ausrichten.

Undenkbar in den Tagen der Corona-Krise: Fünf Eintracht-Spielerinnen freuen sich nebeneinander über einen Zweitligatreffer.

Undenkbar in den Tagen der Corona-Krise: Fünf Eintracht-Spielerinnen freuen sich nebeneinander über einen Zweitligatreffer.

Foto: Florian Kleinschmidt / BestPixels.de

Alle Sportanlagen sind von der Stadt gesperrt, ebenso Hallen, Fitnessstudios und Krafträume – Zusammenkünfte im öffentlichen Raum sind in Niedersachsen auf zwei Personen beschränkt. Die Corona-Krise lähmt den Sportbetrieb auch in dieser Stadt. Diese Anordnungen treffen auch die Hockey-Spitzenteams der Stadt heftig. Die Zweitliga-Spielerinnen von Eintracht und die Drittliga-Männer des BTHC, aber auch alle anderen Teams bis hin zu den Kleinsten, den Wuseln, mussten ihre Saisonvorbereitung verschieben. Der Endspieltag der Schulhockey-Stadtmeisterschaften, es wäre die 30. Auflage gewesen, musste abgesagt werden.

Der Saisonstart -- geplant Mitte April – in allen Ligen und Altersklassen wurde vom Deutschen Hockey-Bund verschoben, zunächst bis Ende April.

„Sobald die Sportstätten wieder benutzt werden dürfen, sind wir bereit“, sagt Andreas Dolge. Der Trainer der Eintracht-Spielerinnen hatte sein Team nach Ende der Hallensaison in der Bundesliga (18. Januar) gerade einmal bei zwei Übungseinheiten im Freien zusammen. Die Vorbereitung, mit drei Turnieren in Braunschweig, Duisburg und Wien muss komplett neu geplant werden.

Derzeit halten sich die Spielerinnen individuell fit, nach Trainingsplänen von Athletikcoach Uli Bode. „Jede Spielerin soll sich Gedanken machen, was sie Zuhause machen kann“, fordert Dolge. Und die sind dabei kreativ. Täglich stellt das Team einen Beitrag bei Instagram (@hockeydamen.bs) ins Internet. Da zeigt dann eine Spielerin beim Treppenlauf Zuhause, oder bei Kraft- und Gymnastikübungen im Freien, wie sie sich mit viel Spaß fit halten. Gleiches bieten auch die Oberliga-Spielerinnen des BTHC (bthc_damen).

„Auch wir müssen daran denken, das Virus nicht weiter zu tragen“, betont der Eintracht-Trainer: „Wir müssen die Flügel still halten.“ Dabei hätte Dolge nur zu gerne die Zeit genutzt, um die sechs Juniorenspielerinnen aus der U18, die in der Rückrunde im Frauen-Team spielberechtigt sind, in sein Team weiter einzubinden. Eine Erkenntnis hat er bereits bei den zwei Trainingseinheiten gewonnen: „Die Mädels haben richtig Bock.“ Aber noch müssen sie warten.

„Für uns ist das wie eine verlängerte Trainingspause, aber wenn es losgeht, sind wir da“, stellt auch Trainer Carsten Alisch fest. Vor der vergangenen Saison habe er mit den BTHC-Männer fünfeinhalb Wochen zur Vorbereitung. „Jetzt wird es eine ganz kurze“, weiß er. Auch seine Spieler trainieren zurzeit nur individuell, halten sich vornehmlich mit Läufen in Form.

Alisch sieht jedoch durch die Zwangspause auch Chancen, neue Wege zu gehen. „Was früher nicht ging, geht in oder nach solch einer Krisensituation einfach mal“, erklärt der 42 Jahre alte hauptberufliche Hockey-Coach, der als BTHC- und Landestrainer arbeitet. So könne zum Beispiel über eine Saisonumstellung im Kinder- und Jugendbereich nachgedacht werden und deren Spielrunden denen der Erwachsenen angeglichen werden – mit Start im Spätsommer und Ende im darauffolgendem Jahr.

Daran, dass sein Team in der Regionalliga in dieser Saison noch einmal antreten wird – noch stehen acht Spieltage aus – mag Alisch nicht so recht glauben. „Wir werden uns an den Bundesligen orientieren. Und da spricht vieles dafür, dass die Saison abgebrochen und nicht gewertet wird“ , schildert er seine Eindrücke. Dabei liegt der BTHC als Aufsteiger nur einen Punkt (10) hinter dem Spitzentrio (je 11) noch aussichtsreich im Rennen. Für ihn persönlich sind die Pause und die damit verbundenen Einschränkungen nicht leicht zu ertragen. „Es ist extrem schwer. Ich bin ein Mensch, der immer viel unterwegs ist und sich viel draußen aufhält. Jetzt sitze ich Zuhause“, beschreibt Alisch.

Abgesagt wurde auch seine Reise mit der U16-Juniorinnenauswahl Niedersachsens nach Südafrika, die Ende März starten sollte. „Südafrika hat die Visa zurückgezogen“, sagt Alisch.

Einen großen Unterschied zu anderen Sportarten sehen Dolge und Alisch allerdings auch in der Krise. Die Hockey-Spieler – bis auf wenige Ausnahmen in der deutschen Spitze – sind lupenreine Amateure. „Wir müssen kein Geld durch den Spielbetrieb erwirtschaften“, betont Alisch.

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