Derby-Niederlage: Löwen-Trainer Strobl beklagt taktische Fehler

Braunschweig.  Beim Krimi in Göttingen kostet eine schwache Schlussphase Braunschweigs Basketballer den Sieg. Trotz langer Führung verlieren sie 76:79 (45:40).

Darf man Kampfschwein sagen? Karim Jallow spielte jedenfalls so, warf sich immer ins Getümmel. Hier schnappt sich der Löwen-Kapitän den Rebound gegen die Göttinger Tai Odiase (links) und Aubrey Dawkins

Darf man Kampfschwein sagen? Karim Jallow spielte jedenfalls so, warf sich immer ins Getümmel. Hier schnappt sich der Löwen-Kapitän den Rebound gegen die Göttinger Tai Odiase (links) und Aubrey Dawkins

Foto: Jonas Brockmann/ / imago images/Eibner

Wenn es ganz spannend ist im Basketball, hört man auch bei vollen Rängen die berühmte Stecknadel fallen. Ohne Fans am Samstag im Derby in Göttingen war die Nervenqual zu Beginn der letzten Spielminute noch spürbarer. Auf der Tribüne blickten Löwen-Boss Dennis Schröder und Geschäftsführer Nils Mittmann auch ein bisschen bange aufs Parkett. Ihre Braunschweiger Mannschaft führte dank eines Kraftakts des herausragenden Karim Jallow mit 76:75, doch die Göttinger wappneten sich in einer Auszeit für den Gegenschlag. Schröder rief noch irgendwelche Ratschläge oder Aufmunterungen aufs Feld, bevor der Showdown begann.

Löwen sind nun Letzter

In diesen Sekunden ging den Verantwortlichen vielleicht erneut durch den Kopf, was im Südniedersachsenduell neben dem Prestige noch auf dem Spiel stand. Der Sieger würde die Auftaktpleite vergessen machen und auf halbwegs angenehmen Weg in die Saison kommen, der Verlierer vorerst im Tabellenkeller stecken und sein Spiel hinterfragen müssen.

Es traf die Braunschweiger, die am Ende dieses Derbykrimis enttäuscht dem Gegner gratulieren mussten. Mit dem letzten Wurf entschieden die Göttinger die hoch intensiv umkämpfte Partie mit 79:76 (40:45) für sich. Dabei hatten die Löwen die meiste Zeit geführt, zwischenzeitlich sogar mal mit zehn Punkten (57:47, 24.) und vier Minuten vor dem Ende immerhin noch mit fünf (71:66).

Strobl: „Bin sehr frustriert“

Gefühlt also ein Spiel, das man hätte gewinnen müssen. „Das finde ich auch. Und ich bin sehr frustriert, dass es nicht geklappt hat“, sagte Trainer Pete Strobl. Seine Spieler hätten am Ende klare und mehrfach wiederholte Anweisungen zu taktischen Fouls nicht befolgt. „Dazu sind sie leider wohl noch nicht erfahren genug“, klagte er. „Und so haben wir am Ende genau die Würfe reinbekommen, die wir verhindern wollten.“ Nämlich drei Dreier und zwei Würfe von Center Tai Odiase, mit denen die BG das Spiel noch drehte.

Pech: Allens Siegwurf springt raus

Trotzdem war es am Ende einfach auch Pech. Drei Sekunden vor der Schlusssirene hatte Bryon Allen den Siegdreier auf der Hand. Doch der Wurf des Löwen-Topscorers sprang wieder vom Ring herunter. So hatte das 78:76 bestand, das Göttingens herausragender Scorer Luke Nelson vier Sekunden zuvor per Dreier erzielt hatte und das sein Teamkollege Jorge Gutierrez per Freiwurf noch zum Endstand aufstocken durfte.

Eine bittere Niederlage für die Braunschweiger, die sich stabiler präsentierten als zuletzt bei der klaren Heimniederlage gegen Oldenburg. Nationalspieler Jallow warf sich so entschlossen in die Reboundschlacht und kämpfte um jeden Ballbesitz, als dürfte sein Team diesmal keinen Zweifel lassen, wer als Sieger vom Feld geht.

Braunschweiger Punkt-Serientäter

Lange Zeit lief es auch gut. Die Offensive teilten sich die Löwen als Serientäter auf. Zunächst ging Allen mit zehn schnellen Punkten voran, dann übernahm Kostja Mushidi. Er war die Schlüsselfigur in einer 11:0-Serie, mit der die Löwen ein Göttinger Überholmanöver konterten. Jallow, nach seinem Nasenbruch immer noch mit Maske, kämpfte das Team mit einer Führung in die Halbzeit, ehe nach dem Seitentausch Bryon Allen mit einer kleinen Serie den Zehnpunktevorsprung initiierte.

Gegner legt zu, Löwen bauen ab

Aber die Göttinger brauchten nicht lange, bis sie wieder auf Tuchfühlung waren. Zum herausstechenden BG-Duo Nelson/Odiase kamen nun noch weitere Akteure mit Schlüsselaktionen hinzu. Harper Kemp führte sein Team kurz vor Viertelende zum 59:59-Ausgleich. Und später war es Aubrey Dawkins, der die Veilchen mit zwei Dreiern erstmals seit der 13. Minute wieder in Führung (72:71) brachte.

Teamspiel kommt zum Erliegen

Während der Gegner zum Ende hin also neue Optionen fand, baute das Strobl-Team in der entscheidenden Phase erneut ab. Allen fiel der Ball beim Einwurf aus der Hand, Center Gavin Schilling kassierte sein fünftes Foul und schied aus. Das Teamspiel war nahezu zum Erliegen gekommen, Soli von Allen, Robinson oder Jallow mit seiner bärenstarken Schlussaktion bestimmten die Löwen-Offensive.

Jallow kritisiert Verteidigungspatzer

„Aber das Problem war ganz klar wieder die Verteidigung im vierten Viertel “, klagte der Kapitän bei Magentasport und fühlte sich an die Oldenburg-Niederlage erinnert, obwohl der Gegner diesmal nur 79 und nicht 111 Punkte erzielt hatte. „Wir haben am Ende keine Stopps mehr geschafft.“

Ganz schwache Trefferquote

Es haperte aber auch bei der Trefferquote der Löwen, die mit 39 Prozent deutlich schwächer ausfiel als die der Gastgeber (50 Prozent). Lange Zeit konnte das Strobl-Team dies mit sehr starker Arbeit beim Offensivrebound wettmachen, Jallow und Co. schnappten 17 Mal zu und erkämpften sich 21 zweite Chancen. Doch ganz am Ende, als es darauf ankam, schlossen die Göttinger ihre Lücke unter ihrem Korb. Und so ging das Schlussviertel für die Löwen mit 13:20 verloren.

Zu schwach am Brett

Unter dem Strich kam zu wenig von den Leistungsträgern auf den großen Positionen. Dort war Martin Peterka gar nicht präsent, und Gavin Schilling sowie Lukas Meisner versemmelten 13 ihrer 17 Würfe – ganz schwach. Auch fehlten Impulse des punktlosen Bank-Trios Bazou Koné, Lukas Wank und Luc van Slooten, das immerhin zusammen 25 Minuten spielte. Von der beim Pokalsieg gegen Oldenburg gezeigten Kadertiefe ist bei den Löwen aktuell nichts zu sehen.

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