Pech: Löwen verlieren in Göttingen mit dem letzten Wurf

Braunschweig.  Im extrem spannenden Derby können Braunschweigs Basketballer zehn Punkte Führung nicht ins Ziel bringen und unterliegen 76:79. Jallow ragt heraus.

Was für ein Frust für James Robinson (von links), Luc van Slooten, Lukas Meisner und die Löwen. Bis kurz vor Schluss hatten sie in Göttingen geführt, doch die Gastgeber feierten doch noch den Sieg.

Was für ein Frust für James Robinson (von links), Luc van Slooten, Lukas Meisner und die Löwen. Bis kurz vor Schluss hatten sie in Göttingen geführt, doch die Gastgeber feierten doch noch den Sieg.

Foto: Swen Pförtner / imago images/spfimages

Beinahe hätte es geklappt mit dem nächsten Prestigeerfolg im Südniedersachsenduell in Göttingen. Doch Braunschweigs Basketballer fuhren am Samstagabend nach einem echten Krimi dann doch als Verlierer nach Hause, weil der letzte Dreier von Bryon Allen drei Sekunden vor Schluss wieder aus dem Ring sprang.

Löwen führen die meiste Zeit

Es wäre der Siegkorb zum 79:78 für die Löwen gewesen, die die meiste Zeit des Spiels vorne gelegen hatten. Doch sieben Sekunden vor dem Ende erzielte Göttingens herausragender britischer Nationalspieler Luke Nelson per Dreier die entscheidende 78:76-Führung für sein Team, ehe sein Teamkollege Jorge Gutierrez nach Allens Fehlwurf noch per Freiwurf zum Endstand erhöhte.

Jallow kämpft voran

Eine bittere Niederlage für die Braunschweiger, die sich, umsichtig gelenkt von Spielmacher James Robinson, stabiler präsentierten als zuletzt bei der klaren Heimniederlage gegen Oldenburg. Nationalspieler Karim Jallow (19 Punkte, 8 Rebounds) führte das Team mit seinem herausragenden Kampfgeist an.

Braunschweigs Serientäter

Die Offensive teilten sich die Löwen als Serientäter auf. Zunächst ging Bryon Allen voran und führte seine Mannschaft - sichtlich um Wiedergutmachung für die schwache Oldenburg-Leistung bemüht - mit zehn Punkten gut ins Spiel. Dann übernahm zu Beginn des zweiten Viertels Kostja Mushidi mit viel Initiative und neun Zählern. Er war die Schlüsselfigur in einer 11:0-Serie, mit der die Löwen ein Göttinger Überholmanöver konterten und wieder mit sechs Punkten in Führung gingen.

Beim Rebound dominant

Dann übernahm Karim Jallow, nach seinem Nasenbruch immer noch mit Maske, auch beim Punkten, zunächst war er vor allem durch tolle Reboundarbeit aufgefallen. Dank ihm dominierten die Löwen beim Kampf um den abspringenden Ball lange Zeit und gingen mit fünf Punkten Vorsprung in die Halbzeit.

Nach dem Seitentausch legte wieder Bryon Allen los, der mit 22 Punkten auch Topscorer der Löwen wurde. Nach 24 Minuten hatte er bereits 19 Zähler gesammelt, und sein Team ging mit 57:47 erstmals zweistellig in Führung. Aber die Göttinger brauchten nicht lange, bis sie wieder auf Tuchfühlung waren. Zu dem herausstechenden Duo aus Guard Luke Nelson (21 Punkte, 5/9 Dreier, 9 Vorlagen) und Center Taj Odiase (19 Punkte), kam nun noch Routinier Harper Kemp hinzu und führte die Veilchen kurz vor Viertelende zum 59:59-Ausgleich.

Verhängnisvolle Patzer

Die Partie lebte auch ohne Zuschauer von Intensität, Kampfgeist und Spannung wie ein echtes Derby und spitzte sich im Schlussabschnitt zu. Es war ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen, lange Zeit mit Vorteilen für die Braunschweiger, die sich durch Robinson vier Minuten vor Schluss nochmal auf 71:66 absetzten. Der Göttinger Dawkins drehte den Spieß mit zwei Dreiern zum 72:71 für die BG um.

Dann patzten die Löwen. Allen fiel der Ball beim Einwurf aus der Hand, Center Gavin Schilling kassierte daraus resultierend sein fünftes Foul und schied aus. Aber Karim Jallow zog mit einer starken Energieleistung zum Korb und brachte sein Team wieder hauchdünn 76:75 in Führung.

Schröder ruft noch rein

Eine Minute war noch zu spielen, Göttingen nahm eine Auszeit, und auf der Tribüne tänzelten Löwen-Gesellschafter Dennis Schröder und Geschäftsführer Nils Mittmann nervös hin und her. Schröder schrie noch irgendwelche Ratschläge oder Aufmunterungen aufs Feld, Robinson verwarf einen Dreier, Allen wurde auf dem Weg zurück umgestoßen, was die Schiedsrichter aber nicht sahen, dann traf Nelson seinen Schlüsselwurf und Allen eben nicht mehr.

Jallow kritisiert Verteidigung

„Wir haben es wieder nicht geschafft, nach zwei, drei guten Vierteln im vierten eine gute Defense zu spielen“, klagte Kapitän Jallow bei Magentasport und fühlte sich doch an die Oldenburg-Niederlage erinnert, obwohl der Gegner nur 79 und nicht 111 Punkte erzielt hatte. „Die Verteidigung war ganz klar wieder das Problem“, analysierte er. „Wir haben am Ende keine Stopps mehr geschafft.“

Trefferquote deutlich schlechter

Ein zweites Problem war aber auch die Trefferquote der Löwen, die mit 39 Prozent deutlich schwächer ausfiel als die der Gastgeber (50 Prozent). Lange Zeit konnte das Strobl-Team dies mit sehr starker Arbeit beim Offensivrebound wettmachen, Jallow und Co. schnappten 17 Mal zu und erkämpften sich 21 zweite Chancen. Doch ganz am Ende, als es darauf ankam, schlossen die Göttinger die Lücke unter ihrem Korb. So ging das Schlussviertel für die Löwen mit 13:20 verloren. Sie reihen sich mit zwei Niederlagen zunächst einmal auf den unteren Rängen der BBL ein.

Unter dem Strich kamen zu wenig Impulse vom punktlosen Trio Bazou Koné, Luc van Slooten und Lukas Wank, das immerhin zusammen 25 Minuten spielte, aber auch von den Leistungsträgern auf den großen Positionen, wo Martin Peterka gar nicht gefährlich war und Gavin Schilling sowie Lukas Meisner viel zu viele Würfe versemmelten.

Löwen: Allen 22 (47%, 3 Rebounds, 3 Ballverluste), Jallow 19 Punkte (50%, 7/ 8 Freiwürfe, 8 Rebounds, 3 Vorlagen, 3 Ballverluste, 1 Ballgewinn, 1 Block), Mushidi 11 (50%), Robinson 10 (40%, 5 Vorlagen, 4 Rebounds, 1 Ballgewinn), Schilling 5 (22%, 6 Rebounds, 1 Vorlage, 1 Ballgewinn, 1 Block), Meisner 5 (25%, 6 Rebounds, 1 Block), Peterka 4 (40%, 4 Rebounds), Koné, Wank, van Slooten.

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