Stecker gezogen: Löwen verpatzen Saisonstart gegen Oldenburg

Braunschweig.  Braunschweigs Basketballer lassen sich nach guter erster Hälfte von Favorit Oldenburg unerklärlich passiv überrollen und verlieren 83:111 (50:50).

Was für eine Bauchlandung für Lukas Meisner und die Löwen: Die Braunschweiger ließen sich in Hälfte zwei gegen Oldenburg in unerklärlicher Weise überrollen.

Was für eine Bauchlandung für Lukas Meisner und die Löwen: Die Braunschweiger ließen sich in Hälfte zwei gegen Oldenburg in unerklärlicher Weise überrollen.

Foto: Peter Sierigk

Bis zum bitteren Ende wollte sich Dennis Schröder den Niedergang seiner Mannschaft in der trostlos leeren Halle offensichtlich nicht mehr antun. Als der NBA-Profi und Alleingesellschafter der Löwen am Sonntag 5:37 Minuten vor Schluss die VW-Halle verließ, war sein Team gerade innerhalb einer knappen Viertelstunde mit 20 Punkten gegen Oldenburg in Rückstand geraten. Braunschweigs Basketballer erlebten einen richtig verpatzten Saisonauftakt, weil sie sich völlig unverständlich nach der Halbzeit irgendwie selbst den Stecker gezogen hatten.

Kompletter Filmriss führt zum 33:61

Klar, Gegner Oldenburg ist ein Spitzenteam, das nach dem Seitentausch auch mal richtig demonstrierte, was das bedeutet. Aber dass eine Mannschaft, die den Gegner im Pokalspiel geschlagen hat und die erste Spielhälfte gleichwertig gestaltet, dann derart komplett auseinanderfällt und 33:61 unter die Räder kommt, war schon eine böse Überraschung. Diese 83:111 (50:50)-Niederlage dürfte nur schwer zu verdauen sein, auch weil die Löwen alle Tugenden vermissen ließen, die sie bislang ausgezeichnet hatten.

Jallow: „Nicht so deutlich angefühlt“

„Im vierten Viertel sind wir total eingebrochen, das darf uns nicht passieren“, kommentierte Kapitän Karim Jallow, der zusammen mit Spielmacher James Robinson noch der beste Löwe war. Eine Erklärung hatte der Nationalspieler aber auch nicht, warum sein Team den Oldenburgern plötzlich so wenig Gegenwehr leistete, dass deren Pokalrevanche mit fast 30 Punkten so klar ausfiel. „Es hat sich nicht so deutlich angefühlt“, fand Jallow.

Das Privatcoaching, das der Kapitän in der Pause an der Bande von Schröder bekommen hatte, war jedenfalls verpufft. „Er hat genau das gesagt, was wir nicht gemacht haben“, gab Jallow zu: „dass wir besser verteidigen müssen.“

Zunächst guter Teambasketball

Das war zur Halbzeit eigentlich allen auf beiden Seiten klar bei der hohen Punktzahl von 50:50. Die Löwen hatten sehr konzentriert begonnen und mit gutem Teambasketball und hoher Trefferquote (54%:52%) mit dem Favoriten auf Augenhöhe gespielt. Lediglich einige Reboundschwächen konnte man bemängeln und eine Steigerung in der Defensive für die zweiten 20 Minuten anmahnen.

Fans schmerzlich vermisst

Als es dann nach der Halbzeit abwärts ging, weil nur die Oldenburger in der Verteidigung eine Schippe drauflegten und vorne ins Kombinieren kamen, fehlte den Löwen auch ihre Kulisse. Die Anfeuerung der Fans, die eine Heimmannschaft sonst durch schwere Phasen trägt, blieb angesichts des coronabedingten Zuschauerverbots bei diesem Geisterspiel eben aus.

Zu wenig Eigen-Anfeuerung

Aber man kann sich ja auch selbst in Stimmung bringen, sich gegenseitig aufbauen, die Muskeln selbstbewusst spielen lassen, leidenschaftlich fighten und dies von der Bank aus enthusiastisch bejubeln. Und normalerweise ist das Team von Trainer Pete Strobl auch gut darin. Aber diesmal kam nur bei den Oldenburgern positiver Input von der Bank, während die Braunschweiger Gesichter dort immer missmutiger wurden.

Offensive bricht zusammen

Es haperte nicht nur defensiv. Gegen die sich nun aggressiv in die Passwege hechtenden Gegner brach Mitte des dritten Viertels zunächst die Offensive der Löwen zusammen. Der Ball wurde nicht mehr bewegt, die Dynamik fehlte, Einzelaktionen misslangen. Und die Löwen ließen sich von ihren Misserfolgen im Angriff, wo sich neben Fehlwürfen nun auch noch die Ballverluste mehrten, auch defensiv runterziehen. Die Schultern hingen, der Elan erlahmte.

Wo ist Bryon Allen?

Und jener Mann, der in ähnlichen Phasen zuletzt die Mannschaft geschultert und das Spiel an sich gerissen hatte, US-Profi Bryon Allen, stellte sich merkwürdig passiv ins Geschehen. Er forderte den Ball nicht mehr, lief nur so mit und machte in Hälfte zwei keinen einzigen Punkt. „Das hat uns auch überrascht, ich weiß nicht was mit Bryon war“, sagte Strobl später. „Jedenfalls war er nicht er selbst und hat einen ganz schlechten Tag gehabt.“

Wo bleibt der Widerstand?

Das galt im Schlussviertel für sein gesamtes Team. Nach bis zu 13 Punkten Rückstand in Durchgang drei, gaben die Löwen danach ihren Widersand nahezu auf, ehe die anfangs so gute Partie auch in ein zähes, unerquickliches Freiwurf-Wettwerfen zerfaserte , das nichts mehr an den Kraftverhältnissen änderte.

Warum konnten die Braunschweiger in ihrem lange herbeigesehnten ersten Saison-Heimspiel nicht wenigstens bis zum Schluss Widerstand leisten?

Strobl ändert die Rollenverteilung

Vielleicht lag es auch an der ungewöhnlichen Rollenverteilung, die Strobl überraschend eingeführt hatte. All die über Wochen eingeübten Rotationen, wer wann für wen aufs Feld kommt, waren plötzlich hinfällig. So spielten Lukas Wank und Garai Zeeb fast gar nicht mehr, die sonst immer zweistellige Spielminuten gesehen und auch mit Leistung gedankt hatten. „Wir haben uns vergangene Woche alle zusammengesetzt und entschieden, dass die Leistungsträger ein bisschen mehr Spielzeit bekommen sollen, um uns nach vorne zu pushen“, erläuterte der Trainer.

Eine Maßnahme, die zumindest am Sonntag nicht überzeugte. Die einen wirkten müde, die anderen frustriert. Dabei war es doch noch beim Pokal-Triumph das Erfolgsrezept der Löwen gewesen, dass alle Spieler etwas Produktives beitragen konnten.

Löwen: Jallow 21 (67%, 4/8 Freiwürfe, 5 Rebounds, 1 Ballgewinn), Robinson 13, (67%, 8 Vorlagen, 3 Rebounds), Schilling 13 (63%, 3 Rebounds), Peterka 10 (50%, 2/3 Dreier, 6 Rebounds), Meisner 9 (50%, 3 Vorlagen), Mushidi 6 (0/8 Feldwürfe, 8/8 Freiwürfe, 3 Vorlagen), van Slooten 6, Allen 5 (17%, 4 Rebounds, 3 Ballverluste), Koné, Wank, Zeeb, Göttsche. 5. Foul: Mushidi (36.)

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