Schock für Braunschweigs Basketballfans: Braun verlässt Löwen

Braunschweig.  Der Geschäftsführer und Sportchef kehrt nach nur vier Monaten zu Volkswagen zurück. Ehrenamtlich will er im Löwen-Aufsichtsrat mitmischen.

Oliver Braun war aus ganzem Herzen ein Löwe. Doch nun ist der Geschäftsführer und Sportdirektor der Braunschweiger Basketballer wieder zu Volkswagen zurückgekehrt.

Oliver Braun war aus ganzem Herzen ein Löwe. Doch nun ist der Geschäftsführer und Sportdirektor der Braunschweiger Basketballer wieder zu Volkswagen zurückgekehrt.

Foto: Christoph Matthies

Das Löwen-Pokalspiel am 1. November in Bonn hat Oliver Braun praktisch schon in seiner Freizeit besucht. Denn nach nur vier Monaten seiner zweiten Amtszeit als Gesicht des Braunschweiger Basketballs endete sein Engagement mit Ablauf des Oktobers, der 47-Jährige ist inzwischen zu seinem Arbeitgeber Volkswagen zurückgekehrt. Am Mittwochabend hat sich der Geschäftsführer und Sportdirektor schweren Herzens von seiner Mannschaft verabschiedet.

Braun war nur „ausgeliehen“

Was dahinter steckt, hatten Braun und die Löwen bislang so nicht kommuniziert: Der erfahrene Geschäftsführer, der den Standort bereits von 2007 bis 2014 geleitet hatte, war offensichtlich von VW nur befristet und in Teilzeit „ausgeliehen“, um den Erstligisten nach der im Frühjahr erfolgten Gesellschaftsübernahme durch NBA-Profi Dennis Schröder in die Spur zu bringen und die neuen Strukturen aufzubauen.

„Es war nicht das Ziel schon wieder auszuscheiden“

Der Abschied falle ihm sehr schwer, bekennt der Ex-Nationalspieler, dem man jederzeit abnimmt, dass die Löwen seine, wie er sagte, „Herzensangelegenheit“ sind. „Ich habe es sehr genossen, mit den Spielern und Trainern zu arbeiten.“ Er sei Volkswagen sehr dankbar dafür, dass der Konzern es ihm und den Löwen ermöglicht habe, dem Klub für diese Zeit unter die Arme zu greifen, sagt Braun und betont: „Es war definitiv nicht geplant und nicht mein Ziel, dass ich nach vier Monaten schon wieder ausscheide.“

Positive Bilanz der kurzen Amtszeit

Stattdessen habe er irgendwie darauf gehofft, dass sich sein Engagement im Basketball verlängern lasse. Doch seine Wunschvorstellungen hätten sich nicht mit den Bedürfnissen seines Arbeitgebers synchronisieren lassen. Braun ist beim Autobauer Führungskraft im internationalen Gesundheitswesen.

Immerhin habe er es geschafft, bei den Löwen angesichts der vielen Baustellen die entscheidenden Pflöcke für die Zukunft einzuschlagen, zieht der Ex-Geschäftsführer eine positive Bilanz seiner kurzen Amtszeit. Es sei perspektivisch noch eine Menge zu tun, vieles aber auf den Weg gebracht.

Sicherheit oder Schleudersitz

Der Mann, der den Wechsel des Interimsgeschäftsführers zu den Löwen zusammen mit ihm eingefädelt hatte, ist Uwe Fritsch. „Ich habe Verständnis für Oliver Brauns Entscheidung“, sagt der Betriebsratschef bei VW Braunschweig. „Er musste zwischen seiner langfristigen beruflichen Karriere mit Absicherung und einem Job entscheiden, der auch ein Schleudersitz sein kann.“

„Braun muss dem Basketball erhalten bleiben“

Fritsch arbeitet als Aufsichtsratsmitglied der alten Basketball-GmbH und Sponsoren-Vertreter auch hinter den Kulissen der neuen Gesellschaft mit und fordert nun: „Ich würde mir sehr wünschen, dass Oliver Braun als eines der wichtigen Gesichter des Braunschweiger Basketballs erhalten bleibt.“

Zukunft als Berater und Aufsichtsrat

Dies ist wohl auch so geplant. Der Ex-Geschäftsführer möchte und soll laut Pressemitteilung der Löwen in den Aufsichtsrat wechseln. „Ich will dem Basketball ja nicht den Rücken kehren und stehe gerne als Berater zur Verfügung“, betont er. Nach Dankesworten für Brauns „großartige Arbeit und Unterstützung“ wird Gesellschafter Dennis Schröder zitiert, man freue sich „weiterhin eng mit ihm als Mitglied unseres künftigen Aufsichtsrates zusammenarbeiten zu dürfen.“

Neues Gremium im November?

Dieses Gremium hatte eigentlich schon im Juli gegründet werden sollen, mit einigen Monaten Verzögerung soll es nun aber noch im November ins Leben gerufen werden. Nach bisherigen Plänen will sich dort ein Großteil der ehemaligen Aufsichtsräte aus der Braunschweiger Wirtschaft und dem Sport erneut engagieren, und Braun ist in diesen Gedankenspielen als zweiter Vorsitzender vorgesehen. Nach Aussage von Schröders Bruder Cheyassin Secka aus dem Frühjahr soll das Gremium, das ein Alleingesellschafter installieren kann, aber nicht muss, auch etwas zu sagen und gestalten haben. „Wir denken, dass wir durch die Expertise dieser Persönlichkeiten zu besseren Ergebnissen kommen.“, sagte er.

Neuer Geschäftsführer soll schnell kommen

Seit dem Ausscheiden Brauns vertritt vorerst Secka die GmbH, er ist auch Geschäftsführer jener Holding, die Schröders Gesellschafteranteile bei den Löwen verwaltet. Mit dem vorgesehenen neuen Geschäftsführer und Sportdirektor führen Schröder und sein Bruder bereits fortgeschrittene Verhandlungen. Er soll „zeitnah“ vorgestellt werden, heißt es.

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