Basketball: Wer kann Meister Berlin und die Bayern ärgern?

Braunschweig.  In der Basketball-Bundesliga sind die Rollen der Favoriten und Verfolger klar verteilt. Als Play-off-Geheimtipps gelten Göttingen und Hamburg.

Für Luke Sikma und seine Kollegen von Meister Alba Berlin gab es gegen die neuen Münchener im Euroleague-Duell kein Durchkommen. Ein Wink für die Saison?

Für Luke Sikma und seine Kollegen von Meister Alba Berlin gab es gegen die neuen Münchener im Euroleague-Duell kein Durchkommen. Ein Wink für die Saison?

Foto: Tilo Wiedensohler / imago images/Camera 4

Am Freitag beginnt die Punktspielsaison in der Basketball-Bundesliga. Auch wenn die Corona-Pandemie die Standorte in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hat und noch schlimmer bringen dürfte: Auf den ersten Blick haben alle Teams wieder solide Kader zusammen. Wie sich die Rivalen der Braunschweiger Löwen aufstellen, wer Favoriten und Außenseiter sind, zeigt unser Überblick.

Die Favoriten

Den Titel werden Meister Alba Berlin und die entthronten Bayern aus München unter sich ausmachen. Zu groß sind die Etats, die Programme und die Kader der beiden deutschen Euroleague-Vertreter, zu deutlich ihre Erfahrungsvorteile durch den internationalen Wettbewerb, als dass sich da ein anderer Klub in einer Play-off-Serie durchsetzen könnte.

Die bisherigen Eindrücke sprechen sogar ein bisschen mehr für den FC Bayern, mit dem Vereins-Boss Herbert Hainer mittelfristig ein europäisches Schwergewicht im Basketball werden will. Der Hallen-Neubau in NBA-Dimension wird 2022 fertig. Nach der Pleite beim heimischen Finalturnier im Juni wurde der ehemalige Bamberger Meistertrainer Andrea Trinchieri verpflichtet. Und was die deutlich athletischer und defensivstärker gewordene Mannschaft mit fünf neuen US-Profis unter der Regie des Italieners bislang aufs Parkett bringt, ist herausragend, die Bayern haben vier von sechs Europaleague-Spielen gewonnen und sind Tabellendritter.

Die Berliner haben ihren Starcoach Aito Reneses halten können und den Bayern Nationalmannschafts-Spielmacher Maodo Lo abgeworben. Aber sie haben auch drei Schlüsselspieler verloren und waren im ersten deutschen Duell in der Königsklasse dem FCB noch klar unterlegen. Hinzu kommt die Schwächung durch mehrere Coronafälle und die anstehende Mehrbelastung durch Nachholspiele – der Meister wird noch einige Zeit brauchen, um in Titelverteidigungsform zu kommen.

Die Play-off-Aspiranten:

Nur noch zwei weitere Klubs spielen diese Saison international, Bamberg in der Champions League und Ulm im Eurocup. Das neue Team von Tommy Klepeisz hat international bislang zwei Siege und vier Niederlagen in der Bilanz stehen, wobei der ehemalige Löwen-Kapitän nach einer Handverletzung erst zweimal mitmachen konnte. Im BBL-Pokal haben die Ulmer auch ohne ihn das Top-4-Turnier erreicht. Die Mannschaft ist tiefer und besser besetzt als im Vorjahr und wird beflügelt durch die Arbeit im nagelneuen riesigen Trainingszentrum Orange Campus.

Der ehemalige Serienmeister Bamberg liegt trotz einer erheblichen Etatreduzierung mit neun Millionen Euro immer noch unter den Top-Vier der BBL-Budget-Rangliste und hat entsprechende Ansprüche. Trainer Johan Roijakkers ist mitsamt einigen Spielern und Assistenten aus Göttingen nach „Freakcity“ gewechselt und soll dort neue Begeisterung entfachen. Der Ex-Braunschweiger Chris Sengfelder ist als einziger Leistungsträger geblieben, ganz neu ist Devon Hall, zuletzt Teamkollege von Dennis Schröder beim NBA-Team Oklahoma City Thunder.

Ohne internationale Auftritte auf die Meisterschaft fokussiert sind die Baskets Oldenburg. Mit seinem bewährten und noch aufgerüsteten Team dürfte der Vorjahresdritte trotz der Pokalpleiten gegen die Löwen und Bonn ganz oben mitmischen.

Vizemeister Ludwigsburg verzichtet wegen der Corona-Unsicherheit ebenfalls aufs Europapokalgeschäft. Trainer John Patrick musste aus dem Erfolgsteam des Finalturniers aber die meisten Leistungsträger ziehen lassen, so dass die Riesen noch als Wundertüte gelten.

Bei ihren Pokalsiegen gegen Oldenburg und Braunschweig haben die aus erfahrenen Profis neuformierten Baskets Bonn schon eine beachtliche Frühform bewiesen. Auf ähnlichem Niveau könnten Raoul Korners Bayreuther sein, die mit guten neuen Ausländern im Pokalwettbewerb sensationell die Bayern besiegt hatten, ehe sie sich in die Corona-Quarantäne verabschieden mussten.

Die Emporkömmlinge:

Nach den bisherigen Eindrücken dürften besonders zwei Mannschaften für mehr Furore sorgen als zuletzt und die Play-offs angreifen: Göttingen und Hamburg. Bei den Niedersachsen wirkt nun der belgische Trainer Roel Moors, der mit seinen Vertrauten praktisch im Tausch gegen Johan Roijakkers aus Bamberg gekommen ist. Schon in der Vorbereitung überzeugte das Team mit Athletik, Tempo und Spielwitz und hat dann im Pokal als Gruppensieger das Ticket zum Final Four erkämpft. Die Neuzugange bringen Erfahrung aus der BBL oder anderen guten europäischen Ligen mit.

Bei den Hamburg Towers ist der neue Trainer der Star. Der Spanier Pedro Calles aus Vechta war im Sommer sehr umworben und entschied sich für die Hansestadt, um den Vorjahresletzten ins Licht zu führen. Mit seiner Verpflichtung verbunden waren Top-Transfers aus der BBL wie Bamberger Kameron und Bryce Taylor, Göttingens Terry Allen, Vechtas Max diLeo sowie aus europäischen Klubs. In der Vorbereitung haben die Towers mit ihren Scharfschützen oft die 100-Punkte-Marke geknackt und nur zuletzt gegen Oldenburg verloren.

Der Rest der Liga

In dieser Kategorie, zu der auch die Löwen Braunschweig zählen, müsste Rasta Vechta sorgenfrei durch die Saison kommen. Trainer Thomas Päch kam für Pedro Calles und brachte seine europa-erfahrenen ehemaligen Berliner Schützlinge Stefan Peno und Dennis Clifford als starke Achse mit.

Die Crailsheim Merlins waren ein Opfer ihres Erfolgs als Hauptrunden-Dritter, ihnen wurden alle ausländischen Leistungsträger weggekauft. Trainer Tuomas Ilsalo muss neu aufbauen, was dem inoffiziellen Trainer des Jahres aus der Vorsaison jedoch zuzutrauen ist.

Den größten Aderlass der Etablierten haben die Baskets Würzburg zu verkraften, sie verloren wegen einer erheblichen Etatkürzung all ihre Import-Leistungsträger. Das Team von Denis Wucherer – beim Abbruch der Vorsaison Achter – backt nun kleine Brötchen. Das gilt auch für die Gießen 46ers, neuerdings ohne Centerstar John Bryant, die ebenfalls all ihre Pokalspiele verloren haben.

Noch schwer einzuschätzen ist das Leistungsvermögen der verjüngten Frankfurter und des MBC, der einmal mehr Erfolgscoach Silvano Poropat zurückgeholt hat. Aufsteiger Chemnitz will von der Euphorie leben und dem guten Zusammenspiel. Im Vorjahr waren die Niners mit 25,7 Vorlagen im Schnitt die Assistkönige des deutschen Profibasketballs.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder