Löwen-Geschäftsführer Braun fordert Verzicht auf Abstieg

Braunschweig.  Die Basketball-Bundesliga startet am Freitag mit Corona-Frust, finanziellen Sorgen und Geisterspielen in die Punktspielsaison.

Die Löwen um Lukas Wank, der hier im Pokalspiel am Bonner Chris Babb vorbeizieht, empfangen am Sonntag zum Punktspielauftakt vor leeren Rängen den Niedersachsenrivalen Oldenburg.

Die Löwen um Lukas Wank, der hier im Pokalspiel am Bonner Chris Babb vorbeizieht, empfangen am Sonntag zum Punktspielauftakt vor leeren Rängen den Niedersachsenrivalen Oldenburg.

Foto: imago images/Jürgen Schwarz

Pure Vorfreude sieht anders aus. Die jüngsten Corona-Entwicklungen und -Einschränkungen haben die Stimmung bei Braunschweigs Basketballern und den anderen Erstligisten deutlich abgekühlt. Wo vor wenigen Wochen noch Tatendrang und Stolz vorherrschten, sich endlich wieder den eigenen Fans präsentieren zu können, da bestimmen vor dem geplanten Start am Freitag nun Frust und finanzielle Sorgen wieder die Gemütslage an den 18 Standorten.

Etats deutlich runtergespart

Klar, die Klubs hatten angesichts der unsicheren Pandemielage sehr vorsichtig kalkuliert. Von zusammengenommen fast 140 auf nur noch rund 100 Millionen Euro hätten die Verantwortlichen ihre Budgets in der Planung zusammengestrichen, berichtete BBL-Chef Stefan Holz. Aber mit Zuschauern hatten sie schon gerechnet. Schließlich hatte die BBL den Punktspielauftakt extra weit in den Herbst geschoben, um möglichst vor Fans spielen zu können. Was wiederum nicht nur für Mannschaften und deren Anhänger, sondern auch für die Sponsoren ein ganz erheblicher Faktor ist.

Statt 1300 Fans nur Geisterspiele

Vor dem aktuellen Zuschauerverbot waren den Braunschweigern unter strengen Hygieneauflagen 1300 Besucher genehmigt worden, Standorten mit kleineren Hallen, wie etwa Würzburg, immerhin noch 1000. Das hätte schon etwas hergemacht, für Stimmung gesorgt und für Einnahmen. Stattdessen gibt’s zumindest bis Dezember nur Geisterspiele, an den meisten Standorten erstmal zwei, da Ende November ohnehin eine Länderspielpause geplant war.

Frankfurts Boss will Saison-Verschiebung

Doch weil in den Ballsportarten außer Fußball eben die Spieltagseinnahmen durch Zuschauer und Sponsoren existenziell sind, hat Frankfurts Gesellschafter Gunnar Wöbke in der FAZ kurzfristig eine Verschiebung des Saisonstarts angeregt. Alle Spiele sollten mit Publikum gespielt und bis dahin die Kosten reduziert werden können, forderte er. Stefan Holz hatte allerdings zuvor schon betont, am Punktspielbeginn an diesem Wochenende werde nicht gerüttelt.

Braun will Wettbewerbsverzerrung abfedern

„Wir müssen spielen, um präsent zu sein“, sagte auch Braunschweigs Geschäftsführer Oliver Braun. Er hatte allerdings angesichts der Entwicklungen mit den Corona-Positivtests und den Spielausfällen im Pokalwettbewerb bereits einen anderen Vorschlag an die Liga adressiert, über den wohl noch debattiert wird: Auf- und Abstiege im Profibasketball sollten diese Saison ausgesetzt werden. „Es wird Wettbewerbsverzerrungen geben“, begründet der Braunschweiger am Beispiel Alba Berlins. Beim Meister sind wegen sieben Infektionsfällen drei Pokal- und zwei Euroleague-Partien ausgefallen, die irgendwie ins eng getaktete Restprogramm gepresst werden müssen.

Berlins Spielmacher erzählt von Corona

Auch verlaufen ja nicht alle Corona-Infektionen im durchtrainierten Profilager symptomfrei und unproblematisch. Berlins Spielmacher Peyton Siva hat seinen Covid-19-Fall selbst öffentlich gemacht und in einem Podcast über schwerwiegende Symptome berichtet. Die Krankheit sei nicht mit einer Grippe zu vergleichen sondern beängstigend gewesen, mit Schüttelfrost, seltsamen Empfindungen, Magenproblemen, Kopfschmerzen und Kurzatmigkeit.

Auch Chemnitz spielt dezimiert

Auch wenn die Berliner seit Montag wieder trainieren und schon am Donnerstag zum Euroleague-Heimspiel gegen Barcelona antreten, komplett und fit werden sie auf keinen Fall sein. Die Profis, die erkrankt waren, würden in den nächsten Tagen und Wochen erst allmählich wieder einsteigen, hieß es. Ähnliches meldete Aufsteiger Chemnitz, bei dem drei infizierte Spieler noch in Quarantäne stecken und zum Auftakt in Crailsheim fehlen werden. Das restliche Team durfte nach Negativtests das Training aufnehmen.

Bayreuth schimpft über Spielplan

Oder Bayreuth: Dem Team von Raoul Korner, das zwei Pokalspiele wegen zweier Positivfälle absagen musste, wurden die Nachholbegegnungen so gelegt, dass die Franken nächste Woche zu drei Partien innerhalb von vier Tagen antreten müssen.

Sportlichen Absturz vermeiden

So etwas meint Oliver Braun mit Wettbewerbsverzerrungen, die es in dieser Spielzeit wegen der Pandemie unvermeidlich geben werde. Noch Schlimmeres kann er sich ausmalen, falls die Saison sogar abgebrochen werden müsse: „Dann könnten vielleicht sogar die Berliner auf einem Abstiegsplatz stehen, weil sie anfangs oft mit vielen Doppellizenzspielern antreten mussten.“ Deshalb, meint der Löwen-Verantwortliche, könnten alle Beteiligten viel entspannter mit dem Virus leben, wenn sie wüssten, dass ihnen durch Aussetzung des Abstiegs nicht auch noch sportlich der Absturz drohe.

Frust über Zuschauerverbot

In fast allen Äußerungen von BBL-Verantwortlichen wird derzeit deutlich, dass die Einsicht, die Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung mittragen zu müssen, überlagert wird vom Frustgefühl, dass die eigenen Bemühungen um Hygienekonzepte und infektionssichere Hallen nicht anerkannt werden. Ein offener Brief des Deutschen Basketball Bunds an seine Sportler drückt das so aus: „Die Argumentation der Politik, in der der Sport eher als Problem denn als Lösung angesehen wird, kann uns nicht zufriedenstellen.“

Am Freitag soll es in der BBL also mit der Geisterpartie Ludwigsburg gegen Göttingen losgehen, die Löwen empfangen am Sonntag Oldenburg zur Pokal-Revanche vor leeren Rängen. Vorfreude muss erst noch entfacht werden.

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