Basketball-Löwen: Geschäftsführer Oliver Braun ist zurück

Braunschweig.  Dennis Schröder hat als Verantwortlichen der neuen Löwen-Gesellschaft einen Bekannten geholt: Oliver Braun will Braunschweigs Basketball vereinen.

Oliver Braun lässt sich 2010 nach dem Play-off-Viertelfinal-Sieg gegen Oldenburg in der VW-Halle von den Braunschweiger Fans abklatschen. 2014 wechselte er zu Volkswagen, nun ist der 47-Jährige als Geschäftsführer und Sportdirektor zurück.

Oliver Braun lässt sich 2010 nach dem Play-off-Viertelfinal-Sieg gegen Oldenburg in der VW-Halle von den Braunschweiger Fans abklatschen. 2014 wechselte er zu Volkswagen, nun ist der 47-Jährige als Geschäftsführer und Sportdirektor zurück.

Foto: Susanne Hübner

Aller guten Dinge sind drei, heißt es ja so schön. Und so startet Oliver Braun in seine dritte Karriere bei Braunschweigs Basketballern. Sieben Jahre lang war der 47-Jährige bereits Geschäftsführer und Sportdirektor in der Löwenstadt, zuvor ein Spitzencenter, der sich von 1995 bis 1998 an der Oker für die Nationalmannschaft empfahl. Und nun übernimmt Braun als Vertrauensperson von Löwen-Alleingesellschafter Dennis Schröder erneut die Geschäfte des Erstligisten.

„Mein Herz hing die ganze Zeit am Braunschweiger Basketball, ich habe ja vieles mit aufgebaut, war ja auch regelmäßig in der Halle und habe die Entwicklung verfolgt“, sagt 2,08-Meter-Mann Braun, der einst als Starspieler die SG Braunschweig mit dem Siegtreffer in Speyer vor dem Abstieg gerettet und in den beiden Folgejahren in die Play-offs geführt hatte. Man merkt ihm die Freude über die neue Aufgabe an. Hinter den Kulissen hat er die Dinge schon seit einigen Wochen als eine Art ehrenamtlicher Berater Schröders ein bisschen in dessen Sinne vorangetrieben und eine Menge Gespräche geführt.

NBA-Star Dennis Schröder: Braun teilt unsere Vision

Inzwischen ist es amtlich: Sein Arbeitgeber Volkswagen, wo er zuletzt als Leiter das internationale Gesundheitswesen steuerte, ermöglicht ihm„ kurzfristig als Löwen-Geschäftsführer tätig zu sein. Darüber, dass er sich nun auch wieder beruflich seiner Herzensangelegenheit widmen kann, sagt er, „bin ich VW sehr dankbar.“ Er sei von verschiedener Seite gefragt worden, ob er dem Basketball-Standort jetzt nicht helfen wolle.

„Oliver teilt mit uns die Vision, eine von der NBA inspirierte Struktur in unser Braunschweiger Team zu bringen“, begründet NBA-Star Dennis Schröder die Rückholaktion des Betriebswirts. „Schon an meinem damaligen Buyout an die Atlanta Hawks hat er maßgeblich mitgewirkt, und genau solche erfahrenen Leute brauchen wir bei uns, um gemeinsam wachsen zu können.“

Oliver Braun war der Wunschkandidat

„Der Geschäftsführer ist die wichtigste Figur“, betont auch Schröders rechtlicher Vertreter Filip Piljanovic, der die Löwen am Dienstag bei der Ligatagung vertrat. Braun sei der Wunschkandidat gewesen, weshalb man auf ihn zugegangen sei und sich gar nicht groß mit anderen Bewerbern beschäftigt habe. „Oliver kennt das Umfeld und die Strukturen, er hat sehr erfolgreich gearbeitet, wird von allen respektiert und genießt Vertrauen im Braunschweiger Basketball.“ Allein schon mit Braun als Sportdirektor sei das sportliche Upgrade gegeben, das er gegenüber unserer Zeitung angekündigt hatte.

Brauns Vorgänger Sebastian Schmidt hat sich mit Schröder darauf verständigt, ab sofort getrennte Wege zu gehen. Seine drei Jahre in Braunschweig seien „turbulent, teilweise schwierig, mitunter sehr emotional aber vor allem, wenn man einen rationalen Strich zieht, auch sehr erfolgreich“, gewesen, schrieb Schmidt am Dienstag in einer Abschiedsmail an Wegbegleiter.

Braunschweigs Bundesliga-Basketaballer hatten erfolgreichste Zeit unter Braun

Die erste Braunschweiger Amtszeit des international erfahrenen Ex-Profis Braun in verantwortlicher Rolle dauerte von 2007 bis 2014. In diese Ära fällt die sportlich erfolgreichste Phase des Standorts mit der dreimaligen Play-off-und zweimaligen Pokal-Final-Four-Teilnahme in Folge unter der Regie von Trainer Sebastian Machowski. Braun hatte seinen ehemaligen Mitspieler im Berliner Korac-Cup-Siegerteam 2009 als Nachfolger von Emir Mutapcic aus Polen an die Oker gelotst. Und auch bei seinen späteren Trainerverpflichtungen Kostas Flevarakis und Raoul Korner bewies er ein gutes Händchen.

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Mit dem Griechen Flevarakis kämpfte das Team, dem kurzfristig der Etat stark gekürzt worden war, zwar gegen den Abstieg. Doch in jener Saison 2012/13 ging der Stern eines jugendlichen Eigengewächses im Braunschweiger Dress auf: der von Dennis Schröder. Flevarakis überließ dem 19-Jährigen, auch forciert durch Braun, immer mehr Spielanteile, und der Spielmacher zahlte dies mit Leistung zurück.

400.000 Euro Ablöse für Dennis Schröder

Und im Sommer landeten Schröder und sein Geschäftsführer dann den großen Coup. Der Jungprofi aus der damals noch bärenstarken Braunschweiger Nachwuchsschmiede, die unter Brauns Regie von der BBL zweimal als Top-Standort ausgezeichnet wurde, wurde vom NBA-Team Atlanta Hawks gedraftet.

Braun konnte als erster Bundesliga-Manager einen vertraglich noch gebundenen Profi zu einem NBA-Team transferieren und nach harten Verhandlungen die Rekordablöse von knapp 400.000 Euro einstreichen. Ein Geldsegen für die klammen Braunschweiger, der Brauns Pleite im Jahr zuvor (fast) vergessen ließ. Da hatte er Schröders kongenialen Nationalmannschaftspartner Daniel Theis ohne Ablöse zum Ligarivalen Ulm ziehen lassen müssen, weil sich die entsprechende Vertragsklausel als nicht gerichtsfest erwies.

Neuer Geschäftsführer will Basketball-Gemeinde wieder vereinen

Ein Jahr nach Schröder verließ auch Braun die Löwen und wechselte zu Volkswagen in die Sportkommunikation. Das hatte private Gründe, aber auch fachliche. Nach dem überraschenden Ausstieg des Namenssponsors New Yorker aus heiterem Himmel im Frühjahr 2014 war es dem Manager nicht recht, dass die von ihm sieben Jahre lang aufgebaute Basketball-Marke „Phantoms“ gleich mit eingestampft wurde.

Nun ist der gebürtige Hannoveraner doch ein „Löwe“. Seit 2014 habe sich einiges getan am Standort Braunschweig, konstatiert der Rückkehrer und hat dabei negative Aspekte, wie den Niedergang der Nachwuchsförderung im Auge, aber auch positive. Der Standort habe seine Außendarstellung verbessert und gebe bei den Spielen in der VW-Halle „ein schönes Bild ab“, urteilt er.

Als seine erste Aufgabe sieht er es nach dem Zwist des vergangenen Jahres an, „die Basketball-Gemeinschaft in der Region wieder zu vereinen“, betont Braun. Auch früher sei nicht immer alles reibungslos gelaufen. „Aber es war unter einem Dach und es wurde in eine Richtung gearbeitet.“

Löwen-Trainer Pete Stroble darf sich auf regen Austausch freuen

In der Löwen-Gesellschaft wünscht sich der Sportdirektor bald einen kaufmännischen Leiter an seiner Seite, wie einst Norbert Rüscher, und auch „mehr Sparringspartner“ zum Austausch. „Ich will das Ding ja nicht alleine wuppen“, bekräftigt Braun und erinnert sich besonders gerne an das Fachsimpeln mit Trainer Sebastian Machowski und Co-Trainer Philipp Köchling in den Play-off-Jahren. Löwen-Trainer Pete Strobl, den der neue Geschäftsführer auch schon getroffen hat, darf sich also auf einen regen Austausch freuen.

Auch bei Sponsoren und Fans, die er verstärkt einbinden wolle, hofft Braun, offene Türen zu finden. „Ich bin ja damals im Guten gegangen.“

Auf dem Weg aus der Corona-Starre haben die Löwen durch die Neuaufstellung der Gesellschaft, die nun am Dienstag vollzogen wurde, rund einen Monat verloren. „Wir müssen schnell handlungsfähig sein, wir sind ein bisschen spät dran, weiß Braun, „aber das ist eben der Situation geschuldet.“ Und bis er sich einen detaillierten Einblick in alle Unterlagen verschafft habe, werde es noch ein paar Wochen dauern. Piljanovic allerdings sieht darin kein Problem: „Oliver startet ja nicht bei null, sondern bei hundert.“

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