NBA-Star Schröder garantiert Mindestetat für Löwen Braunschweig

Braunschweig.  Der Basketball-Star aus Braunschweig sorgt für Planungssicherheit beim Heimatklub. Seine formelle Übernahme der Gesellschaft verzögert sich allerdings.

Sie stehen angeblich in engem Telefonkontakt: Der künftige Löwen-Boss Dennis Schröder will seinen Spielmacherkollegen und Löwen-Kapitän Thomas Klepeisz als „Eckpfeiler“ in Braunschweig halten.

Sie stehen angeblich in engem Telefonkontakt: Der künftige Löwen-Boss Dennis Schröder will seinen Spielmacherkollegen und Löwen-Kapitän Thomas Klepeisz als „Eckpfeiler“ in Braunschweig halten.

Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Das Leben von NBA-Profi Dennis Schröder im fernen Oklahoma City wird derzeit gleich von mehrfacher Vorfreude bestimmt. Die größte bezieht sich natürlich auf die Geburt seines zweiten Kindes, das Ehefrau Ellen Mitte August erwartet und die er unbedingt miterleben will. Und den Neustart der NBA-Saison Ende Juli kann der 26 Jahre alte Spielmacher ebenfalls kaum erwarten. Mit großem Enthusiasmus widmet sich Schröder aber auch der Übernahme der Braunschweiger Erstliga-Basketballer als Alleingesellschafter. Eigentlich sollte er am Mittwoch bei seinem Heimatklub die Regie übernehmen, und auch, wenn es dabei nun eine Verzögerung gibt, sind er und seine Mitstreiter guter Dinge.

„Dennis hat zig Ideen, die sprudeln nur so aus ihm heraus“, sagt Anwalt Filip Piljanovic an, der Schröder bei den Löwen rechtlich vertritt. „Es sind auch ganz viele Kleinigkeiten“, ergänzt sein Bruder und Manager Che Secka. „Dennis will möglichst alles komfortabel für die Spieler gestalten, damit sie sich auf den Sport konzentrieren und besser werden können.“

„NBA-Organisation nach Deutschland bringen“

Unter anderem dies habe Schröder gemeint, als er in der Halbzeit-Videoschaltung des ersten Meisterschaftsfinales bei Magentasport gesagt hatte, er wolle „die NBA-Organisation nach Deutschland bringen“, führt Piljanovic aus. Dazu wolle der Braunschweiger die Verantwortlichen der Geschäftsstelle auf seine Kosten nach OKC einladen. „Sie sollen vor Ort hinter die Kulissen gucken können und ein Feeling bekommen, wie es dort läuft.“

Zeitlich sind die Löwen gegenüber ihrer Planung allerdings ein bisschen im Verzug. Eigentlich sollten die Formalitäten der Gesellschaftsübertragung längst erledigt sein. Doch unter anderem weil Schröder in den USA nicht die im Original benötigte notariell beglaubigte Vollmacht für seinen Bruder beim deutschen Konsulat bekommen konnte, da dieses wegen der Corona-Einschränkungen geschlossen war, verzögerte sich die ganze Sache.

Neuer Geschäftsführer an der Angel

Nicht zum ersten 1. Juli, sondern wohl ein paar Tage später werden die Schröder-Löwen nun durchstarten. Den neuen Mann ihres Vertrauens für die Geschäftsführung haben sie an der Angel, können ihn aber noch nicht vorstellen, auch weil er noch anderswo gebunden ist. Dem neuen Verantwortlichen soll, wie es die BBL-Statuten verlangen, später noch ein kaufmännischer Leiter zur Seite gestellt werden.

Außerdem wollen die Basketballer zeitnah nach der Gesellschaftsübertragung einen neuen Aufsichtsrat präsentieren. „Wir wollen Strukturen schaffen, die die Geschäftsführung unterstützen, aber auch kontrollieren“ sagt Uwe Fritsch. Der Betriebsratsvorsitzende von Volkswagen Braunschweig gehörte dem alten Aufsichtsrat an und soll und will auch im neuen mitmischen. Er hofft, dass die Vertreter der anderen Großsponsoren ebenfalls wieder einsteigen und sagt: „Es herrscht Aufbruchsstimmung durch Dennis‘ Einstieg, wer sollte sich da verweigern?“

Schröder will „gesunde Organisation schaffen“

Nachdem im Vorjahr unter der Regie Schmidts als Sportdirektor viel Geld für Profis und Trainer ausgegeben wurde, der Erfolg aber ausblieb, wollen die Löwen sich Zeit nehmen, alles aufzuarbeiten. „Wir werden erstmal die Grundlagen bereinigen und eine gesunde Organisation schaffen“, sagte Schröder. Dann solle es mit den Sponsoren und Basketball-Engagierten der Region nach vorne gehen: „Wir wollen uns Richtung Play-offs etablieren und irgendwann mal Anwärter auf die Meisterschaft werden.“

Ringen um Tommy Klepeisz

Schon seit Wochen laufen Gespräche mit potenziellen neuen Spielern, wobei Schröder auch selbst gern zum Hörer greift und vor allem eine Personalie dringlich ist: Die Löwen wollen unbedingt Kapitän Thomas Klepeisz halten, haben aber inzwischen schlechtere Karten, weil sie nicht am Finalturnier der BBL teilgenommen haben. „Tommy soll der Eckpfeiler unseres Teams sein, um den wir alles andere aufbauen, aber das Turnier hat Begehrlichkeiten geweckt“, gibt Piljanovic zu. „Er hat seinen Marktwert dort klar gesteigert.“

Liga-Rivale Ulm hatte es auch clever angestellt und den smarten Österreicher in den drei Wochen in München nicht nur eine große Rolle auf dem Feld spielen lassen. Der Halbfinalist schob den 28-Jährigen auch als Gesicht seiner Turniermannschaft vor nahezu jede Kamera. Klepeisz dürfe also das Gefühl bekommen haben, nicht nur in Braunschweig, sondern auch in Ulm ein wichtiges Aushängeschild des Standorts sein zu können.

Der Name Dennis Schröder zieht

Bei weiteren Verpflichtungen machen sich die Löwen weniger Sorgen, ihre Wunschkandidaten zu bekommen. „Der Name Dennis Schröder zieht enorm“, berichtet Piljanovic. „Es melden sich viele, die bei uns spielen wollen.“

Anders als mancher Konkurrent könne man in Braunschweig trotz der Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie auch schon relativ gut einen Kader planen, betont der Rechtsanwalt. „Wir haben einen festen Grundstock für die Mannschaft, einen Mindestetat, den Dennis garantiert.“ Dennoch sieht man in Sachen weiterer Personalplanung keinen Handlungsdruck, weil die neue Saison später beginnen wird. Obwohl Liga-Chef Stefan Holz aktuell von „spätestens Mitte Oktober“ spricht, gehen die Braunschweiger eher von Anfang November aus.

Verträge der Jugendtrainer ausgelaufen

Die Verträge der hauptamtlichen Jugendtrainer Christian Raus, Maxim Hoffmann und Torben Steinberg, der zuletzt vornehmlich als Assistenztrainer von Headcoach Pete Strobl eingesetzt war, laufen heute aus. „Corona gibt es nicht her, sie zu den alten Konditionen verlängern“, sagt Piljanovic. Dies war aber wohl ohnehin nicht geplant, denn das Trio gehörte im Streit um die Nachwuchsarbeit im vergangenen Jahr zu den Gegenspielern von Nachwuchschef Liviu Calin und somit von Dennis Schröder. Die Trainerpositionen sollen nun „im Konsens mit der SG Braunschweig“, mit der künftig wieder kooperiert wird, bis spätestens nach den Sommerferien neu besetzt werden.

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