Alba Berlins Basketballer triumphieren in der Hygiene-Blase

Braunschweig.  Der Hauptstadtklub feiert den neunten Meistertitel, die Basketball-Bundesliga ihr gelungenes Finalturnier in der Corona-Quarantäne.

Erlösung nach zwölf Jahren: Berlins Kapitän Niels Giffey stemmt beim Quarantäne-Turnier in München die Meistertrophäe in die Höhe. Links jubelt der Vater des Erfolgs, Trainer Aito Garcia  Reneses.

Erlösung nach zwölf Jahren: Berlins Kapitän Niels Giffey stemmt beim Quarantäne-Turnier in München die Meistertrophäe in die Höhe. Links jubelt der Vater des Erfolgs, Trainer Aito Garcia Reneses.

Foto: Pool / Christof Stache/Pool via Getty Images

Vielleicht war es gar nicht so verkehrt, was die strengen Corona-Auflagen am Sonntag für die Siegerehrung des deutschen Basketball-Finales vorsahen: Weil keine Funktionäre in Kontakt mit den Profis in der „Hygiene-Blase“ auf dem Spielfeld in der Münchener Arena treten durften, mussten sich die Teams selbst behelfen. Die Spieler von Meister Alba Berlin und Finalgegner Riesen Ludwigsburg bekamen ihre Medaillen von ihren Cheftrainern, und diese durften sich die Trophäe von ihren Teamkapitänen umhängen lassen.

Ein kurioser Abschluss dieses außergewöhnlichen Finalturniers der Basketball-Bundesliga, der aber nochmal die Hauptdarsteller richtig ins Bild rückte. Dass sich am Ende Alba-Kapitän Niels Giffey die Meistertrophäe vom Tisch schnappen und mit seinen Kollegen bejubeln durfte, war keine Überraschung. Und dies blieb auch der einzige kleine Wermutstropfen dieser ansonsten überzeugenden drei Wochen des Quarantäne-Turniers: Dass die Ludwigsburger im Finale verletzungsbedingt auf ihre tragende Figur Marcos Knight verzichten mussten und im ersten Endspiel so geschockt wirkten, dass sie mit 23 Punkten verloren.

Ein praktisch uneinholbarer Rückstand für das gestrige zweite Spiel, angesichts dessen man sich wünschte, die Play-offs oder wenigstens das Finale wären im Modus „Best-of-three“ ausgetragen worden. Dann hätte es nur 0:1 gestanden, und Ludwigsburg hätte zurückkommen können. Doch solch ein Modus hätte die ohnehin schon hohe Belastung für die Finalisten mit zehn Partien in drei Wochen wohl unerträglich gemacht, und das Turnier wäre nicht im Juni abzuschließen gewesen.

So warf sich Ludwigsburg gestern zwar tapfer und wie immer leidenschaftlich ins Geschehen, um wenigstens eines der Finalspiele zu gewinnen. Doch Albas insgesamt neunter Triumph geriet beim knappen 75:74 (42:35) Sieg nicht mehr in Gefahr. Wie sehr die Riesen, die im Viertelfinale die Bayern und im Halbfinale die formstarken Ulmer um Braunschweigs Ex-Kapitän Thomas Klepeisz aus dem Rennen geworfen hatten, durch Knights Ausfall geschwächt waren, zeigte die Ehrung am Ende. Obwohl er nicht im Finale spielte und nicht aus dem in München ungeschlagenen Siegerteam kam, wählten die Kapitäne der Turnierteilnehmer das explosive Kraftpaket zum MVP, zum wertvollsten Akteur des Turniers.

Berlins Allround-Star Luke Sikma, der Zweiter wurde, wird es verschmerzen. Mit seinen Kollegen stieg er am Abend nicht nur im ersehnten Meistertaumel in den Feierzug gen Hauptstadt, sondern sicherlich auch mit dem guten Gefühl, bei einem bestens gelungenen Eventexperiment mitgemischt zu haben.

Anfangs waren viele Spieler hinsichtlich des Quarantäne-Turniers noch skeptisch gewesen. Doch die Bedenken zerstreuten sich rasch. Klepeisz und Co. bestätigten, dass sie sich sicher fühlten und die Klassenfahrt-Atmosphäre im Hotel genossen. Das sportliche Niveau war erstaunlich hoch. Viele Trainer machten aus der Not eine Tugend und setzten angesichts der hohen Belastung verstärkt junge deutsche Akteure ein, die das Vertrauen zurückzahlten.

Die BBL freut sich über ausschließlich negative Corona-Tests und die erhoffte große mediale Präsenz des Turniers sogar im Ausland. Die zehn Klubs sehen sich für ihre Zusatzinvestitionen belohnt. Liga-Boss Stefan Holz machte trotz des positiven Fazits über das kreative Geisterturnier aber auch klar: Die neue Saison soll unbedingt wieder mit Fans gespielt werden.

KOMMENTAR

Verdienter geht’s nicht

von Ute Berndt

Es dürfte wohl kaum jemanden geben in der deutschen Basketballszene, der Alba Berlin diesen Titel nicht gönnt. Endlich konnte sich der Hauptstadt-Klub mal nach zwölf Jahren wieder für seine Arbeit belohnen, die als Vorbild für die anderen Klubs der BBL gilt. Besonders seit Trainerlegende Aito Garcia Reneses die sportlichen Geschicke lenkt. Mit dem 73 Jahre alten Spanier konnte Alba wettmachen, dass es zuletzt bei der Finanzkraft klar hinter Bamberg und München zurückgefallen war. Aito hat das Team mit einer unverkennbaren Handschrift wettbewerbsübergreifend in sieben Finals geführt. In seinem dritten Berliner Jahr krönte er sein Wirken nun mit dem Double aus Pokal- und Meistertitel.

So sind die Berliner nicht nur ein Corona-Notmeister, sie sind ein absolut würdiger Champion. Bereits in der regulären Saison hatte Alba den mit Abstand schönsten und besten Basketball auch um die nötige Siegermentalität ergänzt. Das Team war in der Euroleague besser als BBL-Titelverteidiger FC Bayern und steigerte sich im Finalturnier in eine Form, der wohl auch die Münchner in Bestform und Bestbesetzung in einer „Best-of-five-Serie“ schwer standgehalten hätten: Kreativ, variabel und tempogeladen im Angriff, griffig und schnellfüßig in der Verteidigung.

Zudem sind die Hauptstädter ein überaus sympathischer Meister. Sie investieren seit jeher viel in ihre Nachwuchsarbeit, binden Topspieler langfristig und schaffen somit große Identifikation. Und so kann man sich nur wünschen, dass die Ära des begnadeten Nachwuchsförderers Aito mit diesem verdienten Triumph noch nicht endet.

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