Basketballer dürfen im Juni deutschen Meister ausspielen

Braunschweig.  Die Politik gibt das Okay fürs dreiwöchige Titel-Turnier von zehn Bundesligisten unter Quarantäne-Bedingungen. Auch die Braunschweiger profitieren.

Münchens Titelverteidiger Danilo Barthel und Ludwigsburgs Marcos Knight (Mitte) könnten im Juni in den Play-offs des Münchener Geisterturniers aufeinandertreffen

Münchens Titelverteidiger Danilo Barthel und Ludwigsburgs Marcos Knight (Mitte) könnten im Juni in den Play-offs des Münchener Geisterturniers aufeinandertreffen

Foto: Thomas Kienzle / dpa

Das Fragezeichen, das bis Dienstag noch vor einer Saisonfortsetzung der Basketball Bundesliga stand, ist weg. Die Bayerische Staatsregierung hat der BBL grünes Licht für ihr Turnier gegeben, bei dem im Juni in München ohne Zuschauer der deutsche Meister 2020 ausgespielt werden soll. Zuvor hatten sich bereits Bundesministerien in Berlin sowie die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft mit dem Hygiene- und Sicherheitskonzept befasst und es für gut befunden.

„Es ist ein sehr überzeugendes Hygienekonzept. Deshalb konnte man bei der aktuellen positiven Entwicklung mit Überzeugung Ja sagen“, erklärte Staatsminister Florian Herrmann (CSU) als Leiter der Bayerischen Staatskanzlei. „Es werden nicht wie bei der Fußball-Bundesliga die ganzen Mannschaften durchs Land fahren, sondern es wird quasi in Quarantäne stattfinden.“

Die Reaktionen der zehn teilnehmenden Standorte fallen natürlich positiv und dankbar aus. Schließlich hatten sie trotz der teilweise existenzbedrohenden Einnahmeverluste wegen coronabedingt ausgefallener Heimspiele für diesen Kraftakt zum Saisonabschluss nochmal Geld ausgegeben. Rund eine Million Euro kostet das Turnier nach Aussage von BBL-Chef Stefan Holz, er sieht dies als „Investition in die Zukunft“.

Auch die Braunschweiger profitieren

Aber auch die sieben Klubs, die nicht mitmachen, dürften profitieren. „Es ist für den Basketball positiv, wenn der Fokus nun neben dem Fußball auch auf unsere Sportart rückt“, sagt Braunschweigs Geschäftsführer Sebastian Schmidt. Und auch finanziell dürfte das Final-10-Turnier für die Löwen und ihre Leidensgenossen eine positive Wirkung haben. Regressansprüche von Ligasponsoren im Blick auf die nächste Saison werden nun kleiner ausfallen. Außerdem erwartet die BBL noch ausstehende Gelder aus dem Fernsehvertrag, die allen Standorten eine größere fünfstellige Summe einbringen könnten. „Das ist aber noch nicht ganz klar“, betont Schmidt.

Auch der Deutsche Basketball Bund begrüßte das Okay für die Saisonfortsetzung. BBL-Geschäftsführer Holz unterstrich, die Zusage aus der Politik sei sehr wichtig für die BBL und versprach: „Wir werten das als Vertrauensvorschuss an uns, den wir zurückzahlen werden mit einer Einhaltung der Regeln, die wir uns auferlegt haben und einer entsprechenden Disziplin.“

Die zehn Mannschaften sollen so schnell wie möglich an ihren Standorten ins Teamtraining einsteigen. Dazu müssen die örtlichen Gesundheitsämter ihre Zustimmung geben, wofür zwei negative Coronatests pro Akteur die Voraussetzung sind.

Prominente Verstärkungen

Einige ausländische Profis sind schon eingetroffen, andere werden in den nächsten Tagen erwartet. Klubs, die nicht alle Akteure der Anfang März unterbrochenen Saison zurückholen können oder wollen, haben zum Teil auf dem Transfermarkt aufhorchen lassen. Braunschweigs Thomas Klepeisz war mit einem Wechsel nach Ulm nicht der einzige prominente Name, der bei einem der zehn Turnierteilnehmer anheuerte. Vechta hat sich die Dienste des slowenischen Europameisters Matic Rebec und des wertvollsten Spielers der polnischen Liga, Jaroslaw Zyskowski gesichert.

Während die Profis derzeit noch zu Hause wohnen und mit ihren Familien Kontakt haben dürfen, geht es zum Turnier Anfang Juni ins Quarantäne-Hotel in München. Dort sind den Spielern Außenkontakte verboten, ebenso Einkaufstouren nach dem Negativbeispiel von Fußballtrainer Heiko Herrlich. Sie können die Anlage aber sehr wohl in Kleingruppen zu Spaziergängen oder Joggingrunden verlassen und Einkäufe über einen Bringdienst ordern. Außerdem will die Liga gemeinsame Unternehmungen organisieren, um das dreiwöchige Lagerleben so angenehm wie möglich zu gestalten.

„Wir müssen jetzt vorbildhaft zeigen, dass sich größtmöglicher Gesundheitsschutz und eine gewisse Rückkehr zur Normalität gut vereinbaren lassen“, sagte Alexander Reil, der Präsident der AG der BBL-Klubs.

Alle 36 Spiele vom 6. bis 28. Juni werden vom Bezahlportal Magentasport übertragen. Einige Partien sollen zudem im frei empfangbaren Fernsehen bei Sport1 zu sehen sein.

Die Teilnehmer: Bayern München, Merlins Crailsheim, Baskets Oldenburg, BG Göttingen, Ulm (alle Gruppe A), Riesen Ludwigsburg, Alba Berlin, Rasta Vechta, Bamberg, Skyliners Frankfurt (Gruppe B).

KOMMENTAR

Glückwunsch, BBL

Von Ute Berndt

Bis 2020 wollte die Basketball Bundesliga die beste Liga Europas sein. Das hat sie sportlich nicht ganz geschafft. Doch mit der nun von der Politik abgesegneten kreativen Saisonfortsetzung gehen die Deutschen weltweit voran. Sie dürfen sich der Anerkennung auch der Top-Ligen NBA und Euroleague sicher sein, die beide noch in der Corona-Warteschleife hängen.

Das Hygiene-Konzept der Basketballer geht mit dreiwöchiger Komplett-Quarantäne aller Teams in puncto Sicherheit weit über das des Fußballs hinaus. Nach dem reibungslosen Neustart der Kicker konnten die Behörden den Korbjägern das grüne Licht eigentlich gar nicht verweigern.

Nun wird die BBL eine Menge Aufmerksamkeit für sich generieren können, aber auch für die anderen deutschen Profiligen Pionierarbeit leisten. Wenn die neue Saison im Herbst starten soll, müssen Handball, Eishockey und Volleyball ebenfalls mit Geisterspielen leben, sofern sich die Corona-Lage nicht ändert, und können wie die Basketballer selbst von deren Play-off-Turnier im Juni lernen.

Betrachtet man die Schlammschlachten der dritten Fußball-Liga über eine Saisonfortsetzung, wird noch deutlicher, wie genial die BBL die gegenläufigen Interessen ihrer Klubs mit diesem Format unter einen Hut gebracht hat. Zehn Teams, die es sich leisten (können), spielen weiter, sieben andere schauen zu, tragen das mit und profitieren ebenfalls. Auch sie können wohl noch TV-Gelder für diese Saison einstreichen und auf Ausschüttungen der Liga-Sponsoren auch in der Zukunft bauen.

Und schließlich bringen die zehn Turnierteilnehmer allen Unkenrufen zum Trotz für ihren Titelkampf auch starke Mannschaften aufs Münchener Parkett. Fast alle Teams treten entweder in Bestbesetzung an oder haben richtig starke Akteure nachverpflichtet. Glückwunsch, BBL!

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