Löwen-Kapitän Klepeisz steht „zu 100 Prozent“ hinter Strobl

Braunschweig.  Der Trainer der Braunschweiger Basketballer steht nach acht Niederlagen aus neun Spielen in der Kritik. Sportchef Schmidt hält am Play-off-Ziel fest.

Pete Strobl wirkte zuletzt oft ratlos am Spielfeldrand. In den Fan-Foren wird seine Ablösung gefordert.

Pete Strobl wirkte zuletzt oft ratlos am Spielfeldrand. In den Fan-Foren wird seine Ablösung gefordert.

Foto: Susanne Hübner

Acht Niederlagen aus den vergangenen neun Spielen, zweimal chancenlos in Folge, die Play-offs weit weg, immer schwächeres Teamspiel, desolate Körpersprache und kritische Äußerungen von Spielern – bei Braunschweigs Basketballern ist die anfängliche Harmonie in starken Frust umgeschlagen. Im Mittelpunkt der Kritik steht Trainer Pete Strobl, der alles verantworten muss. In den Internetforen fordern viele Fans nach der 83:97-Niederlage in Würzburg die Ablösung des Amerikaners.

Natürlich sei die Lage nach so einer Misserfolgsserie angespannt, sagt Sportdirektor Sebastian Schmidt. Und natürlich stehe neben den Spielern nun auch der Coach in der Kritik. „Das ist so, im Profisport darf man ja keine Märchen erzählen – aber es ist wichtig, dass sich alle an die Nase fassen.“ Schließlich hätten auch Spieler nicht das abgerufen, was sie können, beziehungsweise zu eigensinnig gespielt.

Die interne Kritik von Kapitän Thomas Klepeisz, Lucca Staiger und Pete Strobl dürfe man nicht überbewerten, sie sei aus dem ersten Frust ausgesprochen worden, mahnt Schmidt. Kleipeisz hatte nach der Heimpleite gegen Oldenburg fehlende Spielstrukturen bemängelt, Staiger hatte in Würzburg gesagt, von Neuerungen habe er nichts mitbekommen, und Strobl hatte geschimpft, einige Spieler seien nicht bereit, immer hundert Prozent zu geben. Dass der Trainer auch mal Kritik an den Profis übe, sei okay, findet der Sportchef.

„Am Ende müssen die Ergebnisse stimmen“

Momentan wackelt Strobls Stuhl also höchstens ein bisschen. Die Beteiligten setzen erstmal auf das Spiel am Freitag in Bonn – ein Gegner, der noch tiefer in der Krise steckt – und hoffen auf eine Wende. Es stecke ja genügend Potenzial im Team, wie der starke Saisonauftakt gezeigt habe, die nötigen Systeme gebe es, die Schwächen seien auch bekannt, betont Schmidt. „Nur müssen wir die Dinge eben auch mal umsetzen und den Turnaround schaffen.“

Schließlich hätten die Löwen „den teuersten Kader seit Jahren in Braunschweig“, da steige natürlich die Erwartungshaltung, verdeutlicht er. „Unser oberstes Ziel ist es nach wie vor, die Play-offs zu erreichen.“ Das sei noch möglich, die nur knappen Niederlagen gegen Vechta, Bayreuth oder Crailsheim zeigten, das das Team nicht weit weg sei von der Konkurrenz. An weitere personelle Veränderungen im Kader oder eben auf der Trainerposition denke er also erstmal nicht, sagt Schmidt. „Aber wir dürfen auch nicht naiv sein. Am Ende müssen die Ergebnisse stimmen.“

Ziemlich geknickt gibt sich Kapitän Thomas Klepeisz. „Es tut schon richtig weh, in welcher Situation wir uns befinden“, sagt er. In Würzburg habe die Mannschaft anfangs gezeigt, dass sie gut spielen könne und eine Reaktion zeigen wolle. Dann aber sei die Intensität schnell abgefallen.

„Und wenn du in dieser Liga nur zwei Minuten schlechten Basketball spielst, gerätst du sofort in Rückstand“, erläutert er. Die Mannschaft werde nervös und versuche, die Partie sofort wieder zu drehen. „Dann stürzen wir uns kopflos in solche Verteidigungsaktionen“, beschreibt er Szenen wie in Würzburg, wo die Braunschweiger außen vergeblich doppelten, aber dann ein Gegenspieler ganz frei unter dem Korb zu leichten Punkten kam.

„Plötzlich Weltuntergangs-Diskussionen“

Mit drei getroffenen Würfen mehr in den Schlüsselsituationen der hauchdünn verlorenen Spiele könne das Team immer noch auf einem Play-off-Platz stehen, bedauert Klepeisz. „Stattdessen gibt es jetzt bei den Fans plötzlich diese Weltuntergangs-Diskussionen, und die Spieler merken natürlich, dass da schlechte Stimmung herrscht.“

Er selbst versuche, sich grundsätzlich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, sagt der Österreicher. „Viele kritisieren jetzt Pete, weil er die Play-offs als Ziel ausgegeben hat.“ Er finde es aber gut, wenn ein Trainer sich traue, hochgesteckte Ziele auszugeben, betont Klepeisz. „Wir sitzen in einem Boot, jeder hat seine Schuld an unserer Lage, und Pete ist ein großartiger Typ und Mensch. Ich stehe zu 100 Prozent hinter ihm.“

Wichtig sei, dass jetzt alle hundertprozentig auf eine Linie kämen. Das sei nicht leicht angesichts der vielen Umstrukturierungen im Kader mit Rollenwechseln und Findungsphasen. Aber vor dem Bonn-Spiel und in den zwei Wochen Pause danach gebe es viel mehr Zeit für Trainingseinheiten als zuletzt.

Im Rückblick auf seine Kritik nach der Oldenburg-Niederlage sagt der 28-Jährige, Strukturen und Grundlagen im Spiel einzuführen, sei nicht seine Aufgabe als Spieler, sondern die Umsetzung. Er müsse auf dem Feld das Beste daraus machen. „Und ich bin überzeugt, dass wir genug Talent und Erfahrung haben, um damit Spiele zu gewinnen.“

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