„Kostja liebt diese Momente“

Braunschweig.  Basketball-Kumpel Karim Jallow traute Löwen-Matchwinner Mushidi den Sieg-Dreier gegen Ulm allemal zu.

Kostja Mushidi wirft nach seinem Siegtreffer sein Dreier-Kusshändchen ins Publikum

Kostja Mushidi wirft nach seinem Siegtreffer sein Dreier-Kusshändchen ins Publikum

Foto: Florian Kleinschmidt / Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Eigentlich sollte dies eine Karim-Jallow-Geschichte werden. Denn bis kurz vor Schluss der packenden Partie gegen Ulm hatte der Nationalspieler der Löwen mit seinen starken Defensivaktionen und dem unbändigen Korbdrang den Ton gesetzt und sein Team in die Sieg-Spur zum späteren 94:88 (43:46)-Erfolg gebracht.

Kostja Mushidi hingegen, der manchmal noch ungestüme Jungspund, dessen Auftritt in der so genannten „Money-Time“ nun diese Zeilen bestimmt, wäre am Ende normalerweise gar nicht auf dem Feld gewesen. Nur weil Jallow 33 Sekunden vor dem Ende sein fünftes Foul kassierte und ausschied, durfte sein Positionskollege auf dem Flügel nochmal aufs Feld.

Und dann das: Spielmacher Trevor Releford zog beim Stand von 87:86 Richtung Korb und passte dann nach draußen zu Mushidi, dem Youngster, der zuvor seine drei Dreier versemmelt hatte. Doch das hemmte den 21-Jährigen nicht, er drückte wie selbstverständlich ab und versenkte den Dreier zum vorentscheidenden 90:86 zehn Sekunden vor Schluss. Und dann stand er da, eine Genießersekunde lang ganz cool und warf dem Publikum seinen Dreier nochmal als Kusshändchen zu. Klar, dass der Jüngste im Team dann zum TV-Interview durfte und zum Fan-Talk.

Mushidi war zuvor schon als großer Unterhaltungskünstler unterwegs gewesen. In der ersten Hälfte gelang ihm fast nichts. Ballverlust, Dreier-Airball, Offensivfoul waren seine ersten drei Aktionen. Da hätte manch anderer junger Spieler in seinem erst dritten Spiel auf BBL-Niveau sich mit dem Mitleid begnügt und zurückgehalten. Mushidi nicht. „Ich habe ja anfangs ein paar Fehler gemacht“, sagte er später. „Da war es gut, dass ich das wieder ausbügeln konnte.“

Im dritten Viertel drehte er auf. Die Löwen hatten gerade nach langem Rückstand wieder die Führung erobert, da gelangen dem ehemaligen Jugendnationalspieler zwei Treffer trotz Fouls und eine zweifachen Pirouette zum 59:54, die es in die Top-10 der spektakulärsten Szenen des Spieltags schaffen dürfte. Als er dann im Schlussabschnitt für Jallow zurück aufs Feld kam und gleich den Ballgewinn von Trevor Releford zum 79:66, der höchsten Führung der Partie in den Korb stopfte (34.), brachen die Emotionen aus. Mushidi tanzte auf dem Feld und trieb mit ausgebreiteten Armen die Kulisse zu Beifallstürmen für die Löwen an.

Dann ging es zurück auf die Bank, bis Jallow sein fünftes Foul kassierte und Mushidi die Chance zum entscheidenden Dreier nutzte. „In der Crunchtime fühle ich mich immer ein bisschen verantwortlich“, sage er. „Schön, dass ich schon so früh in der Saison Verantwortung übernehmen durfte.“

Jallow fand das normal. „Kostja kann werfen, das ist sein Ding, er liebt diese Momente, und ich würde ihm jedes Mal den Ball geben“, versicherte er. Als er dann unter großem Applaus auf die Bank ging, und sich Kumpel Mushidi für seinen Einsatz bereitmachte, habe er zu ihm gesagt: „Kostja, wenn du den Ball kriegst, wirf!“, erzählt er. Und so hat Karim Jallow ja doch noch seinen Anteil an dieser schönen Kostja-Mushidi-Geschichte.

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