Ein Derbysieg, der träumen lässt

Göttingen.  Thomas Klepeisz führt die wuchtigen Basketball Löwen zum 96:77-Triumph in Göttingen.

Thomas Klepeisz (rechts) und Scott Eatherton freuen sich über den Derbysieg in Göttingen.

Thomas Klepeisz (rechts) und Scott Eatherton freuen sich über den Derbysieg in Göttingen.

Foto: Swen Pförtner

Ungefähr so müssen es sich Pete Strobl und seine Schützlinge in ihren Träumen ausgemalt haben: Sie überrennen den Gegner einfach mit ihrer Wucht und Dynamik, schnappen sich die Rebounds, treffen aus allen Lagen. Und was kaum jemand gedacht hatte nach der enttäuschenden Vorbereitung: Das alles klappte gleich am ersten BBL-Spieltag. Im Nachbarschaftsduell gestern Abend in Göttingen gelang Braunschweigs Basketballern ein 96:77 (50:44)-Triumph so deutlich und souverän wie kaum jemals zuvor.

Wo es bei den vorigen Besuchen der Löwen spitz auf Knopf bis in die Schlusssekunden hin und her gegangen war, konnte der mitgereiste Fan-Tross diesmal schon mitten im Schlussviertel die Gesänge vom „Derbysieger, Derbysieger“ anstimmen. Und als die glückliche Mannschaft nach dem ersten Abklatschen nochmal zum Ausdehnen aus der Kabine zurück aufs Feld kam, wurde unter der Regie von Youngster Kostja Mushidi noch eine zünftige „Humba“ gefeiert.

„Das hat Spaß gemacht, die Jungs haben gezeigt, was in ihnen steckt“, jubelte Kapitän Thomas Klepeisz, der seine Mannschaft mit zwei ganz starken Phasen in der ersten Hälfte auf die Siegerstraße gebracht hatte. „Da haben wir sensationell in der Offensive gespielt, und in der zweiten Hälfte haben wir auch gut verteidigt“, lobte er.

Eigentlich dauerte die defensive Schwächephase der Löwen diesmal nur vier Minuten. Zu Spielbeginn ließen sie sich 18 schnelle Punkte einschenken, lagen acht Zähler hinten. Dann wirkte allmählich das Selbstvertrauen, das Klepeisz von der Bank aufs Feld brachte. Der Österreicher versenkte sofort zwei Dreier und brachte mit schlauen Pässen auch die großen Kollegen ins Spiel, was zuvor nicht so gut geklappt hatte. Plötzlich lief es.

Die Löwen kombinierten immer besser, natürlich auch, weil sie nun in Trevor Releford einen erfahrenen Spielmacher hatten. Der 25-Jährige brauchte zwar noch einige Verschnaufpausen und verlor ein paarmal den Ball, aber mit ihm wirkte das Löwen-Spiel viel durchdachter als noch in der Vorbereitung. „Er hat uns neue Energie gegeben“, lobte Center Scott Eatherton, der nun auch in seinem siebten Derby als Sieger vom Feld ging.

Nachdem Klepeisz mit seinem dritten Dreier bei vier Versuchen zum Ende des ersten Viertels den 22:22-Ausgleich erzielt hatte, zogen die Braunschweiger vorbei und wurden immer sicherer in ihren Aktionen. Sie spielten sich wunderbar freie Würfe heraus. Eatherton und die ebenfalls starken Aleks Marelja und Joe Lawson brauchten völlig frei nur noch einzunetzen, und entsprechend hoch war die Trefferquote der Löwen. Der Gegner hingegen durfte nur von außen zu frei werfen, fand unter dem Korb aber kein Durchkommen und verlor auch das Reboundduell gegen die diesmal entschlossen zupackenden Braunschweiger.

Kurz vor der Halbzeit setzten sich die Löwen leicht ab. Und wer dann erwartet hatte, dass sich die Göttinger in der Pause etwas einfallen lassen würden, sah sich getäuscht. Sie präsentierten sich im dritten Viertel desolat und von allen guten Geistern verlassen, fielen unter dem Defensivdruck der Löwen geradezu auseinander.

Als Joe Larson nach einem Ballgewinn erstmals die 20-Punkte-Führungsmarke zum 69:49 (25.) knackte, war die Partie schon entschieden. Göttingen kam nicht mehr heran. In den letzten fünf Minuten konnte es sich Trainer Pete Strobl erlauben, nur noch die jungen deutschen Spieler spielen zu lassen.

Die Löwen konnten den Ausfall von Henry Pwono (Magen-Darf-Infekt) besser wegstecken als die Göttinger den von Elias Lasisi, einer ihrer besten Scorer. „Ich bin sehr froh, dass die Mannschaft in diesem schweren, emotionalen Spiel so eng zusammengeblieben ist“, sagte Strobl nach seinem Punktspieldebüt als Cheftrainer stolz. „Es war unheimlich wichtig, dass wir mit einem Sieg gestartet sind.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder