Lions streben Machtwechsel an

Braunschweig.  Braunschweigs Footballer wollen Titelverteidiger Schwäbisch Hall vom Thron stürzen.

Christopher McClendon ist bei den Lions als Ballträger der Überflieger. Kein anderer Bundesligaspieler hat in dieser Saison mehr Meter mit dem Ball erlaufen oder mehr Touchdowns erzielt.

Christopher McClendon ist bei den Lions als Ballträger der Überflieger. Kein anderer Bundesligaspieler hat in dieser Saison mehr Meter mit dem Ball erlaufen oder mehr Touchdowns erzielt.

Foto: Karsten Reißner

Die Lions-Footballer sind Serientäter. Die Braunschweiger haben sich in ihrer Geschichte niemals damit begnügt, einmal deutscher Meister zu werden und es dabei bewenden lassen. Ihrem ersten Coup ließen sie 1997 zwei weitere folgen. Und dann waren sie von 2005 bis 2008 ebenso viermal in Folge erfolgreich wie von 2013 bis 2016. Die Frage, die sich alle Fans der Lions stellen, ist: Wann beginnt die nächste Ära als German-Bowl-Sieger?

Geht es nach Trainern, Spielern, Betreuer und Sympathisanten, könnte es sofort losgehen, am Sonnabend in Frankfurt, wenn um 18 Uhr das nächste deutsche Finale in der Arena beginnt, im ehemaligen Waldstadion, im Fußball-WM-Stadion von 1974 und 2006, in jenem Football-Tempel also, in dem Frankfurt Galaxy einst in der NFL Europe für Furore sorgte. Und wo der Gassenhauer „Alice“ frei nach einem alten Smokie-Hit Auferstehung feierte – und um die Welt ging.

Unicorns sind eine Macht

Auch der Braunschweiger Finalgegner ist kein Unbekannter. Die Schwäbisch Hall Unicorns gelten in der Südgruppe der Bundesliga seit 2011 als eine Macht. Nicht nur sporadisch, sondern serienweise. Sie holten die Titel 2011 und 2012, 2017 und 2018. Und dazwischen verloren sie dreimal in Folge den German Bowl gegen die Lions.

So kann man von einem Traumfinale sprechen, das am Samstag in Frankfurt steigt (Sport 1 überträgt live). Beide Kontrahenten sind ausschließlich mit Siegen durch die 14 Duelle der Punktrunde gekommen und haben natürlich auch Viertel- und Halbfinale gewonnen. Sie sind es also beide nicht gewohnt zu verlieren, nicht einmal, mehr als sieben Punkte zurückzuliegen. Und genau hierbei könnte sich die Spreu vom Weizen trennen: Wer kommt wie gut mit Misserfolgen während der Partie klar, mit größeren Rückständen? Eine Schlüsselfrage.

Fehler werden prompt bestraft

Beide sind jedenfalls wie kein Dritter in Deutschland in der Lage, Fehler des Gegners prompt und gnadenlos zu bestrafen. Beide sind wie kein anderes Team in Angriff und Abwehr weit über die Stammformation hinaus ausgezeichnet und ausgeglichen besetzt. Es gibt hüben wie drüben Dutzende Akteure, die stark genug sind, ein Spiel zu entscheiden. Unmöglich, all diese Optionen auf der Rechnung zu haben oder gar auszuschalten. Und so ist der Ausgang völlig offen.

Doch was macht die Topteams dauerhaft so stark in einer deutschen Randsportart, in der viele Spieler gar kein Geld erhalten und selbst die Topverdiener niemals reich werden können? Auch die legendären Hamburg Blue Devils und davor die Berlin Adler und die Düsseldorf Panther waren in der Vergangenheit schon Serientäter auf der Erfolgsspur.

Rohdiamanten klopfen an

Ein Phänomen, das leicht zu erklären ist. Klar, gute Jugendarbeit spielt eine Rolle. Aber der Hauptgrund lautet so: Wer immer diesen Sport liebt und seine Freizeit dafür opfert, wer vielleicht auch noch talentierter ist als andere, der träumt davon, einmal den ganz großen Triumph zu erlangen – und wenn er nicht gesichtet wird, bittet er selbst um ein Probetraining. Auf diese Weise ist auch den Lions schon so mancher Rohdiamant quasi zugelaufen.

Und hat ein Verein erstmal ein über Jahre gewachsenes und verbessertes Team zusammen, kommt der Erfolg fast von selbst – und bleibt bis das Konstrukt bröckelt oder die Gier nach Erfolg langsam abebbt. Wie groß die Gier bei Schwäbisch Hall noch ist nach zwei German-Bowl-Siegen, weiß man nicht. Fest steht aber, dass die neuen Lions, die sich in drei Jahren zusammengefunden haben, unbändigen Erfolgshunger verspüren, die Qualität dazu besitzen und um alles in der Welt gewillt sind, Serientäter zu werden.

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