Die Lions-Fans schenken Frankfurts Homri warmen Empfang

Braunschweig.  Barnes rennt 90 Meter bis in die Endzone und wird mit nur zwei Punkten belohnt. Finke macht Schluss im falschen Trikot.

Der Ex-Braunschweiger Kerim Homri (Nummer 51) hilft mit, Lions-Angreifer Christopher McClendon zu stoppen.

Der Ex-Braunschweiger Kerim Homri (Nummer 51) hilft mit, Lions-Angreifer Christopher McClendon zu stoppen.

Foto: Karsten Reißner

Dass Kerim Homri in den Katakomben des Eintrachtstadions während der Pressekonferenz nach einem Spiel sein Statement abgibt, ist nichts Besonderes. Wohl aber, dass der 30-Jährige dies im Dress des Gegners tut. Genau einmal kommt dies nur vor – so geschehen am späten Sonntagnachmittag nach dem Halbfinalsieg der Lions-Footballer über die Frankfurt Universe. Ein Dutzend Jahre nachdem Homri seine Football-Bundesliga-Karriere bei den Lions begann, endete diese nun an gleicher Stätte. Den ehemaligen Kapitän hatte es beruflich nach Frankfurt verschlagen, und er wollte unbedingt noch ein Jahr spielen – also bei Universe.

„Ich habe das Spiel genossen“

„Jetzt ist aber endgültig Schluss“, sagte Homri. „Ich habe das Spiel, die Atmosphäre hier noch einmal richtig genossen und vielleicht sogar ein bisschen besser gespielt als sonst in der Saison. Dass ich als Verlierer hier rausgehe, ist allerdings nicht das, was ich mir vorgestellt hatte.“
Wobei der ehemalige Nationalspieler unbedingt betonen mochte, „dass ich immer mein Bestes gebe. Und zwar für das Team, dessen Trikot ich trage“. Natürlich nahmen die Fans das ihrem ehemaligen Lions-Liebling nicht krumm. Im Gegenteil: Als Homri mit seinen Universe-Jungs in die Arena einlief, bekam er einen besonders herzlichen Empfang. Mit ganz viel Sonderapplaus.

Patrick Finke auch. Allerdings auf der anderen Seite. Wie schon zuletzt bei anderen Partien harrte der Defenseline-Mann aus, bis alle anderen Lions-Spieler unter tosendem Beifall ins Stadion eingelaufen waren. Erst dann machte sich die Nummer eins auf den Weg durch das Cheerleader-Spalier. Der 36-Jährige genoss die Ovationen innig, saugte alles in sich auf wie ein Schwamm. Denn es soll das letzte Mal gewesen sein. Finke will nach dem German Bowl, dem deutschen Endspiel in zwei Wochen gegen Schwäbisch Hall in Frankfurt, seine Karriere beenden. Obwohl man sagen muss: wieder einmal. Doch nie schien der Hüne entschlossener zu diesem Schritt als nun. Wie auf dem Feld. Immer wieder brach Finke durch die Schutztruppe des Frankfurter Spielmachers durch und kam dem Schlüsselspieler des Gegners unangenehm nah.

Finkes Trikot nur noch ein Fetzen Stoff

Da half auch alles rütteln und zerren nicht. Doch der große Widerstand der Frankfurter hinterließ Spuren. Finkes legendäres Trikot mit der Nummer 1 saß schon bald nur noch als Stofffetzen auf dem muskelbepackten Körper – und wurde ausgetauscht. Gegen das mit der Nummer 98. Dass Finke da trotzdem drinsteckte, bekamen die Gegner sofort wieder zu spüren. „Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte, zumal die Gegner aus der Offenseline ja niemanden festhalten dürfen“, sagte Finke grinsend.

Fremden Stoff um die Schulter verspürte nach dem energischen Halbfinale auch Benjamin Barnes. Er trug eine provisorische Manschette um den Hals, um seinen linken, lädierten Arm zu entlasten. „Das stoppt mich nicht. Ich werde trotzdem im Finale spielen“, meinte er trotzig. Ganz am Anfang des Spiels verhinderte er, dass die Frankfurter groß ins Jubeln kamen. Nach einem Touchdown blockte erst Basil Jackson den Extrapunktversuch, Barnes fischte das Spielgerät aus der Luft und trug es über 90 Meter in die Universe-Endzone.

90-Meter-Lauf im Grinsen

Soviel Mühe, aber kaum Ertrag. Statt sechs Zähler für einen Touchdown brachte das nur zwei Punkte ein. „Das war mir völlig egal. Ich habe schon den halben Lauf über nur noch gegrinst“, schilderte der Passverteidiger seine Glücksgefühle. Da hatten Schmerzen erstmal gar keine Chance, gespürt zu werden.

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