Lions-Sieg mit bitterem Beigeschmack

Braunschweig  Die Braunschweiger Footballer dominieren Hamburg, bieten aber zahlreiche Konzentrationsfehler und verlieren zwei Schlüsselspieler durch Verletzungen.

Patryk Matkowski auf dem Weg zu einem seiner drei Touchdowns.

Patryk Matkowski auf dem Weg zu einem seiner drei Touchdowns.

Foto: Karsten Reißner

Mit bitterer Miene und gesenktem Haupt stapfte Troy Tomlin nach dem Schlusspfiff vom Platz im Eintracht-Stadion. Okay, nicht alles, was seine Lions-Footballer gegen die Hamburg Huskies am Samstagabend gezeigt hatten, war so, wie es Cheftrainer lieben. Trotz des hoch verdienten 39:0 (23:0)-Erfolgs. Für die meisten Sorgenfalten bei Tomlin dürften zwei verletzte Spieler gesorgt haben. Ausgerechnet Anthony Dable-Wolf, der Rückkehrer, der Star-Ballfänger, der erste Braunschweiger Spieler aus jüngerer Vergangenheit, der es geschafft hat, in der besten Liga der Welt in den USA bei offiziellen Saison-Vorbereitungsspielen mitzumachen, verletzte sich bei seinem Comeback in Braunschweig am linken Fuß.

„Vor Montag werden wir nicht genau wissen, was er hat, und wie lange er ausfallen wird“, sagte Tomlin nur knapp. Gleiches gilt für Pierre Courageux, dem nach seinem Ausscheiden ein dicker Verband um das linke Knie gewickelt wurde. „Wir haben eine sehr gute medizinische Abteilung. Aber ganz exakte Diagnosen sind nur im Krankenhaus möglich“, erklärte Tomlin dann noch.

Kein Tag, um glücklich zu sein also, wenn es zwei Importspieler erwischt hat, Führungskräfte, Spieler, die den Unterschied ausmachen können. Sollen. Müssen. Erst recht in ganz wichtigen Spielen. Solch eines war die Partie gegen die erneut völlig überforderten Hamburger nicht. Aber in zwei Wochen steht eine der größten Herausforderungen der Saison für die Lions auf dem Plan, das Eurobowlfinale gegen Frankfurt in Frankfurt.

Noch besteht Hoffnung, dass zumindest einer der beiden Zugänge im Lions-Lazarett bis dahin wieder fit ist. Ein anderer offenbar in jedem Fall, Niklas Römer. Und das ist neben dem Pflichtsieg gegen Hamburg die zweite gute Nachricht aus Sicht des deutschen Rekordmeisters. Römer, der sich im Europapokalspiel gegen Amsterdam vor fast genau einem Monat bei einer fiesen Attacke des Gegners eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte, wurde gegen die Huskies hin und wieder angespielt und machte eine gute Figur. „Es ist wichtig, dass er wenigstens ein bisschen wieder Spielpraxis bekommen hat vor so einem wichtigen Duell“, fand auch Tomlin. Seine Miene besserte sich dabei kaum.

Und so drohte die eigentliche Überraschung des Tages, ausnahmsweise eine positive, in der Pressekonferenz zu einer unwichtigen Fußnote degradiert zu werden. Dabei hatte zuvor die Nummer 82, hinter der sich der bei den Lions-Anhängern bislang völlig unbekannte Patryk Matkowski verbirgt, für einiges Aufsehen gesorgt. Natürlich im Publikum, aber in allererster Linie in der Hamburger Abwehr. Den flinken, fangsicheren Polen hatten die Huskies nicht auf ihrer Rechnung. 23 Pässe brachte Spielmacher Jadrian Clark an diesem Abend an den Mann, neun davon fing Matkowski. Drei Touchdowns für 18 Punkte waren sein stolzer Lohn.

Aber wie das an diesem Tag so war für die Braunschweiger: kein Glücksgefühl ohne Beigeschmack. Nach einem heftigen Hit eines Gegenspielers blieb Matkowski am Boden liegen, rang mächtig nach Luft und musste behandelt werden. „Das war nichts, so ist Football eben. Mir ist nur mal kurz die Luft weggeblieben“, gab der Mann des Tages später schon wieder strahlend zu Protokoll.

Zum ersten Mal in dieser Saison, in der für die Lions wettbewerbsübergreifend nun sechs Siege in sechs Spielen und ein überragendes Punktekonto von 247:15 zu Buche stehen, spielten von Beginn an Akteure mit, die noch nie in der Startformation gestanden hatten. Geschuldet auch dem allgemeinen Verletzungspech in den vergangenen Wochen. So fiel der zuletzt so starke Justus Holtz wegen einer Blessur aus, die er sich im Training zugezogen hatte. Gesund bis zum Eurobowl-Finale? Auch für ihn ungewiss.

Und weil in Angriff und Abwehr spätestens nach Mitte des zweiten Viertels munter durchgewechselt wurde, litt mit zunehmender Dauer auch der Spielfluss des haushohen Favoriten. Hinzu kamen offenbar viel zu glitschige Handschuhe der Lions-Angreifer und ungewohnte Unsicherheiten bei Kicker Tobias Goebel. Und schließlich kassierten die Löwen-Footballer auch noch die ein oder andere völlig unnötige Strafe. Die Konzentration war bei den Gastgebern nicht immer auf Champions-Level.

Bei allen Lichtblicken gab es also genug Gründe für Sorgenfalten auf der Stirn der sportlich Verantwortlichen. Aber man weiß ja: Einer nicht so tollen Generalprobe folgt meistens eine Galavorstellung. Andersherum wäre es ja auch schön blöd.

Die Punkte für die Lions erzielten: Patryk Matkowski (18), Anthony Dable-Wolf (6), Paul Bogdann (6), Tobias Goebel (9).

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