Die Lions verspielen Chancen für das Play-off

Dresden  Eine desolate erste Hälfte führte für die Braunschweiger Footballer zu einem 21:51-Debakel in Dresden. Play-offs adieu?

William Milhouse erzielt trotz starker Bedrängnis den dritten Touchdown für die Lions.

William Milhouse erzielt trotz starker Bedrängnis den dritten Touchdown für die Lions.

Foto: Michael Hundt

Auch wenn noch theoretische Chancen bestehen: Die Braunschweiger Footballer können es abhaken, in dieser Saison noch die Play-offs der besten vier Nordgruppenteams in der Bundesliga zu erreichen. Die Meisterschafts-K.o.-Runde ist nach der 21:51 (0:14, 0:23, 14:7, 7:7)-Niederlage bei den Dresden Monarchs am Samstagnachmittag praktisch verspielt worden.

Und die Lions haben es in dieser Verfassung auch nicht verdient, mit den Besten um den Titel zu spielen. Denn sie gehören einfach nicht dazu: wieder einmal ohne jegliches Selbstbewusstsein, erneut viel zu zögerlich und dann auch noch ohne die nötige Konzentration, wer so spielt, muss froh sein, dass er überhaupt im Oberhaus mitmachen darf.

Und immer wieder zwischendrin traut man seinen Augen nicht, weil die Lions ihre individuelle Klasse aufblitzen lassen, die ihnen eigentlich nach den Spielzügen zuvor gar nicht zugetraut wird.

Doch die Coaches mit Phil Hickey an der Spitze verstehen es einfach nicht, ihren Spielern klar zu machen, dass Football ein Mannschaftssport ist. Bis auf wenige Situationen sieht alles nach Stückwerk aus.

Vier Wochen haben die Braunschweiger nun Pause, können ihre Verletzungen auskurieren, und sie hoffen, dass der ein oder andere Langzeitverletzte Anfang August wieder zur Verfügung steht. Vor allem an Routiniers mangelt es, Männern, die dem Druck des eigenen Anspruchs gewachsen sind. Zwei Akteure, die dies können, werden dann nicht mehr dabei sein. Die Amerikaner Michael Herrick und Reid Worthington erklärten Hickey wenige Tage nach Ende der Wechselfrist, dass sie sofort in ihre Heimat zurückkehren wollen. Aus persönlichen Gründen, wie sie auch unserer Zeitung gegenüber ausdrücklich betonten.

Schon in Dresden spielten die beiden keine Rolle mehr. Abwehr-Ass Worthington, weil er verletzt war. Und Herrick wurde nach zwei desolaten Spielzügen mit einer Interception vom Feld genommen und nie wieder gebracht.

Dafür erhielt Ersatz-Quarterback Mike Friese fast die komplette Spielzeit. Und weil die Wechselfrist nun abgelaufen ist, wird Friese auch die Lions durch das Saison-Restprogramm führen. Das ist nicht das Schlechteste. Besonders in der zweiten Hälfte, die von den Lions sogar gewonnen wurde, zeigte der Student, dass er den Braunschweiger Angriff sehr ordentlich führen kann.

Der Anfang des Spiels war grausam. Ehe die Gastgeber überhaupt das erste Mal auf „normalem“ Weg in Ballbesitz kamen, führten sie schon nach katastrophalen Braunschweiger Fehlern mit 14:0 - da waren nicht einmal zwei Minuten gespielt.

Bei der grundsätzlichen Mutlosigkeit der Lions war damit die Partie praktisch entschieden- trotz 46 Minuten Restspielzeit. Dass Angreifer-Ass Christian Bollmann zwar trotz Verletzung mit auflief, aber dann doch passen musste, sorgte nicht gerade für einen Motivationsschub. 0:37 zur Pause - die Treuesten der treuen Lions-Fans werden in der 25-jährigen Geschichte der Braunschweiger lange suchen müssen, ehe sie einen derartigen Pausenrückstand finden werden.

Wenigstens fanden die Trainer in der Halbzeit offenbar die richtigen Worte. Denn trotz eines blöden Missgeschicks, das unmittelbar nach Wiederbeginn zum 0:44 führte, rappelten sich die Männer um ihren neuen Anführer Friese auf und gewannen wenigstens die zweite Hälfte. Zu allem Überfluss verletzte sich auch noch Abwehrspieler Benjamin Krahl so schwer, dass er in Dresden ins Krankenhaus gefahren werden und dort auch bleiben musste.

Für die Lions-Punkte sorgten Alexander Tounkara (6), William Milhouse (12) und Tobias Goebel (3).

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