Eintracht Braunschweig: Christoph Bratmanns Pläne als Präsident

Braunschweig.  Eintracht Braunschweigs neuer Präsident Christoph Bratmann hat sofort viel zu tun. Die Nicht-Entlastung der Aufsichtsräte stimmt ihn nachdenklich.

Eintrachts neuer Präsident Christoph Bratmann will schleunigst eine gute Arbeitsatmosphäre im Vorstand schaffen. In dieser Szene spricht er auf der Jahreshauptversammlung 2019.

Eintrachts neuer Präsident Christoph Bratmann will schleunigst eine gute Arbeitsatmosphäre im Vorstand schaffen. In dieser Szene spricht er auf der Jahreshauptversammlung 2019.

Foto: Philipp Ziebart / Philipp Ziebart/BestPixels.de

Viel Zeit, um seinen Sieg auszukosten, hatte Christoph Bratmann sich nicht genommen. Der neue Präsident von Eintracht Braunschweig, der am Freitagabend auf der virtuellen Jahreshauptversammlung von den Mitgliedern gewählt wurde, richtete den Blick schnell nach vorn. „Die Hauptaufgabe ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der alle gut arbeiten können“, sagte der 51-Jährige, der angesichts des eingespielten Teams an seiner Seite keine Zweifel daran hegt, dass dies auch gelingt. Und das sollte es auch. Schließlich muss der SPD-Landtagsabgeordnete in neuer Funktion sofort einige Brandherde löschen.

Da wären zum einen die Nichtentlastungen der Aufsichtsratsmitglieder der Kapitalgesellschaft Dr. Philipp Lehmann und Rainer Ottinger und des Aufsichtsratsvorsitzenden Frank Fiedler sowie die von Kay-Uwe Rohn, Vizepräsident Abteilungen, die Bratmann schon am Abend der Versammlung nachdenklich stimmten. Antipathien mittels dieser Abstimmung deutlich zu machen, die eigentlich bewerten soll, ob jemand redlich sein Ehrenamt ausgeführt hat, empfand er als den falschen Weg.

Fanabteilung will sofort Sitz im Aufsichtsrat von Eintracht Braunschweig

Zum anderen bekräftigte Fanabteilungsvorsitzender Mario Goldmann in einem Wortbeitrag die Forderungen nach der sofortigen Berufung eines Fanvertreters in den Aufsichtsrat. Dem Antrag, dass die Fanabteilung künftig einen Kandidaten vorschlagen kann, wurde mit der notwendigen Mehrheit stattgegeben. Doch die nächste turnusgemäße Wahl des Gremiums findet erst 2023 statt.

Das scheint den Mitgliedern der 14. Sparte zu spät zu sein. „Es ist Zeit zu handeln. Ein Fanvertreter im Aufsichtsrat sollte schnellstmöglich installiert werden“, richtete Goldmann deutliche Worte in Richtung Aufsichtsrat und Vereinsvorstand und kritisierte zudem, dass möglicherweise auf anderem Wege Plätze in der Kontrollinstanz des Fußball-Zweitligisten neu besetzt werden. Damit ist das wahrscheinliche Ausscheiden des BS-Energy-Vorstandsvorsitzenden Julien Mouniers gemeint, der Braunschweig aufgrund seiner Berufung in den Vorstand der Stadtwerken Düsseldorf zum Jahreswechsel verlässt. „Bei Fans hinterlässt das ein Geschmäckle. Wenn über die Hintertür Veränderungen vorgenommen werden, dann müssen sich die Vertreter auf der Jahreshauptversammlung 2021 zur Wahl stellen, um das Geschmäckle abzumildern“, forderte Goldmann im Namen der Abteilung.

Christoph Bratmann spürt Verunsicherung bei Fans von Eintracht Braunschweig

Bratmann spürte bei den Fans einige Verunsicherung. „Es gab Legendenbildung wegen Fusionen. Die Fans reagieren da sehr sensibel. Aber niemand stellt infrage, dass wir ein Traditionsverein sind“, sagte er.

Der Unternehmer und IHK-Präsident Helmut Streiff, der lange als Kandidat für das Präsidentenamt bei Eintracht galt, hatte gegenüber der Fanabteilung geäußert, Synergieeffekte mit den Rivalen VfL Wolfsburg und Hannover 96 in Erwägung zu ziehen. Nach Protesten der Fans hatte er von einer Kandidatur abgesehen. Der neue Präsident Bratmann hob hervor, dass es in Kürze ein neues Format geben wird, in dem die Anhänger der Blau-Gelben Fragen an die handelnden Personen bei der Eintracht stellen können. Es ist ein Schritt, den der Verein auf seine Anhänger zugeht. Die erste Ausgabe soll es voraussichtlich Anfang Dezember geben.

Christoph Bratmann will Stellvertreter finden, der Eintrachts Präsident werden könnte

Die Wahl Bratmanns weckt die Hoffnung, dass die Gräben zwischen den emotionalen Unterstützern und den Entscheidern aus der Wirtschaft wieder kleiner werden können. Ohne den Zuspruch beider Lager sowie der Mitglieder der anderen Abteilungen hätte der gebürtige Braunschweiger nicht die Mehrheit hinter sich vereint. Dass er dies schaffen würde, hatte er bereits vorher gespürt. „Ich habe sehr viel Zuspruch bekommen. Das war mir sehr wichtig. Die Vorstände haben mich einstimmig nominiert. Das wurde bestätigt mit einem schönem Ergebnis. Ein guter Rückenwind“, freute sich das neue Oberhaupt der Eintracht, der die Geschicke des Vereins zunächst für ein Jahr führen wird. Da Bratmann zuvor bereits Vizepräsident war, wird ein Nachfolger gesucht, den Vorstand und Abteilungsleiter bestimmen, bis 2021 die nächsten Vorstandswahlen anstehen. Mit dem Kandidaten sei man schon sehr weit, verriet Bratmann am Rande der Versammlung. „Wir suchen jemanden, der dafür infrage kommt, irgendwann das Präsidentenamt zu übernehmen. Das ist der Weg der nächsten Zeit“, verriet der in Wendeburg im Landkreis Peine aufgewachsene Politiker.

Zunächst ist er aber angetreten, um mit seinen kommunikativen Fähigkeiten den Dialog im Verein zu fördern. Damit es bei der Eintracht vielleicht bald wieder einträchtiger zugeht, als auf den Versammlungen 2018 und 2019. Der Anfang ist seit Freitag gemacht.

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