Der erste große Titel für Eintracht Braunschweig

Braunschweig.  Herzog-Regent Johann Albrecht schaut zu, wie Eintracht mit einem 3:1 über Victoria Hamburg 1908 norddeutscher Meister wird.

Sie gewannen 1908 den ersten großen Titel für Eintracht Braunschweig: Ahlborn (von links), Dette, Beber, Queck, Bülte, Mues, Stamm, Poppe, Schramm, Hagemann und Zencker. Die Mannschaft besiegte am 12. April Victoria Hamburg im Endspiel um die norddeutsche Meisterschaft 3:1.

Sie gewannen 1908 den ersten großen Titel für Eintracht Braunschweig: Ahlborn (von links), Dette, Beber, Queck, Bülte, Mues, Stamm, Poppe, Schramm, Hagemann und Zencker. Die Mannschaft besiegte am 12. April Victoria Hamburg im Endspiel um die norddeutsche Meisterschaft 3:1.

Foto: Eintracht

Sogar der Herzog-Regent war erschienen. Johann Albrecht zu Mecklenburg galt als sportfreundlich und war auch gegenüber dem neuen Spiel, bei dem der Ball mit dem Fuß getreten wurde, sehr aufgeschlossen. Deshalb hatte er es sich nicht nehmen lassen, Eintracht Braunschweig in diesem wichtigen Spiel im Stadion zu unterstützen, bei diesem vielleicht ersten richtigen Höhepunkt der Vereinsgeschichte: Dem Endspiel um die norddeutsche Meisterschaft am 12. April 1908.

Die ersten regelmäßigen Punktespiele hatte die Eintracht bereits einige Jahre zuvor bestritten. Titel hatte es dabei auch gegeben, denn im Herzogtum Braunschweig waren die blau-gelben Fußballer praktisch konkurrenzlos und wurden in jeder Saison Erster. Spannend wurde es gegen Teams aus anderen Regionen Deutschlands in den Vorrunden um die deutsche Meisterschaft und ab 1905 bei den Partien um die norddeutsche Meisterschaft, die den deutschlandweiten Titelkämpfen vorgeschaltet war. Dort waren die Braunschweiger 1906 und 1907 zweimal bis ins Finale vorgestoßen und hatten zweimal verloren – jeweils gegen Victoria Hamburg. Im dritten Anlauf sollte es aber mit dem Titelgewinn klappen, und wieder hieß der Gegner Victoria Hamburg.

Eintracht spielte an der Helmstedter Straße

Die Eintracht konnte im Heimspiel – damals noch an der Helmstedter Straße – daher jede Unterstützung gut gebrauchen. Und Herzog-Regent Johann Albrecht, der sein Amt ein Jahr zuvor angetreten hatte, hatte bereits einen Monat zuvor, am 8. März, ein Fußballspiel der Löwen besucht. „Das war auch gegen Victoria, ein Freundschaftsspiel“, berichtet Eintracht-Historiker Gerhard Gizler. Aus heutiger Sicht ist es undenkbar, dass man gegen eine Mannschaft ein Freundschaftsspiel absolviert, gegen die wenige später ein entscheidendes Meisterschaftsspiel ansteht. „Das hat man damals aber noch nicht so eng gesehen“, erklärt Gizler.

Während es heute allerdings gang und gäbe ist, dass sich auch hochrangige Politiker bei Fußballspielen im Publikum blicken lassen, war der Sport zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den höheren Kreisen noch verpönt. „Der Besuch von Johann Albrecht war der erste dokumentierte eines regierenden Fürsten in Deutschland bei einem Fußballspiel. Das war eine Sensation und eine riesige Anerkennung für den Fußball“, sagt Gizler.

Die bestimmende Mannschaft im Herzogtum

Natürlich auch für die Eintracht. Die Blau-Gelben hatten sich in den Jahren zuvor als bestimmende Mannschaft im Herzogtum Braunschweig etabliert. Das ist auch nicht dem Regenten verborgen geblieben, der nach dem Besuch des Freundschaftsspiels den Löwen auch beim Kampf um die Krone in Norddeutschland die Daumen drücken wollte.

Die Generalprobe hatten die Hamburger noch für sich entschieden. 4:2 hatte die Victoria im März gewonnen und wollte nun auch den dritten Titel in Folge bei den Norddeutschen perfekt machen. Die Blau-Gelben waren somit leichter Außenseiter, hatten sich in den Runden zuvor aber Selbstvertrauen geholt. Der ewige Rivale Hannover 96 war im Viertelfinale 5:2 besiegt worden, und im Halbfinale wurde der Bremer SC mit einem 4:3 ausgeschaltet.

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Eintracht setzt die Hamburger unter Druck

Dementsprechend selbstbewusst gingen die Braunschweiger auch von Beginn an zu Werke. Die Gäste aus Hamburg wurden nach den Berichten aus der damaligen Zeit von Anfang an mit einem engagierten Angriffsspiel unter Druck gesetzt. Eintracht drängte früh auf die Führung und wurde auch früh belohnt. Nach einem Eckball von Otto Zenker köpfte Richard Queck in der 18. Spielminute zur Führung für die Hausherren ein.

3000 Zuschauer waren auf den Sportplatz an die Helmstedter Straße gekommen. Angeblich bescherte die damals stattliche Kulisse dem jungen Verein eine Einnahme von mehr als 1000 Mark. Auch ein Grund, warum dieser Tag als einer der ersten Höhepunkte in die Klubgeschichte eingehen sollte. Entscheidend war aber sicherlich, dass die Braunschweiger nach der Führung nicht nachließen, sondern dem Favoriten aus Hamburg keine Chance ließen, die Partie noch einmal zu drehen. Nur drei Minuten nach dem 1:0 erhöhte Walter Poppe ebenfalls per Kopf nach einer Ecke auf 2:0 für die Blau-Gelben. Und die Victoria hatte sich von diesem Schock noch nicht einmal erholt, da stand es schon 3:0 für die Eintracht. In der 26. Minute legte Erich Mues für Richard Queck auf, der den dritten Treffer erzielte – der Braunschweiger Sieg war so gut wie unter Dach und Fach. Daran konnte auch der Hamburger Anschlusstreffer in der zweiten Hälfte nichts mehr ändern.

1913 folgt der nächste Streich

„Das war ein riesiger Erfolg für den jungen Verein“, sagt Gizler. Der Titel half der Eintracht, ihre Stellung zu behaupten und auszubauen. 1913 gab es einen weiteren Triumph bei der norddeutschen Meisterschaft, die Eintracht wurde immer populärer. 1908 gratulierte der Herzog-Regent dem Team übrigens in der Kabine – das machen Staatschefs auch heute noch gerne.

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