Eintracht Braunschweig: Die Ziele in der virtuellen Bundesliga

Braunschweig.  Ein Team des Fußball-Zweitligisten Eintracht Braunschweig will sich in der E-Football-Bundesliga etablieren. Die Macher haben aber noch mehr im Sinn.

Mehr als 200 Fans bewarben sich für einen Platz im E-Football-Team der Eintracht, ohne, dass es einen Aufruf dafür gegeben hatte.

Mehr als 200 Fans bewarben sich für einen Platz im E-Football-Team der Eintracht, ohne, dass es einen Aufruf dafür gegeben hatte.

Foto: Hansj rgen Britsch via www.imago-images.de / imago images/Pressefoto Baumann

Zumindest mit ein bisschen Widerstand der Traditionalisten hatte Christoph Köchy gerechnet, als vor wenigen Monaten bekannt wurde, dass Eintracht Braunschweig künftig auch in der virtuellen Bundesliga an den Start gehen wird. Doch Kritik blieb gänzlich aus. Der Geschäftsführer der Firma Amilla Marketing, die das E-Football-Projekt gemeinsam mit dem Fußball-Zweitligisten realisiert hat, scheint also den richtigen Nerv getroffen zu haben.

E-Football ist das Spielen einer Fußball-Simulation auf der Konsole. Schon seit andere Fußball-Klubs wie der VfL Wolfsburg oder der FC Schalke 04 im E-Sports-Bereich vorpreschten, war das Thema auch bei den Löwen immer wieder auf der Agenda. Doch nie konnten sich die Verantwortlichen des Traditionsvereins dazu durchringen. Mit dem Aufstieg und der sportlichen Qualifikation für die 2. Bundesliga nahm die Sache dann plötzlich wieder Fahrt auf. „Jetzt ist ein idealer Zeitpunkt“, glaubt Köchy, denn als Mitglied der DFL ist die Eintracht automatisch für die virtuelle Bundesliga qualifiziert.

Eintracht Braunschweig – junges Team mit Perspektive

„Sie ist im Bereich Fußball-Simulationen der prestigeträchtigste Wettbewerb mit der größten Reichweite“, erklärt der Amilla-Geschäftsführer, der auch Eintracht-Fan ist. Seit 2012 gibt es die VBL. Doch erst seit 2019 kämpfen nicht nur Einzelspieler darin um den Meistertitel. In einem geschlossenen Ligensystem wetteifern die Klubs, die im übrigen nicht absteigen können, um den Einzug in die Play-offs und anschließend ins große Finale, in dem der Sieger ermittelt wird. Zuletzt stand zweimal in Folge der SV Werder Bremen ganz oben auf dem Treppchen.

In der Saison, die im November startet, gehen 26 Teams an den Start – nie zuvor waren es so viele. Und in Braunschweig hat man sich zum Ziel gesetzt, der Musik nicht nur hinterherzulaufen. „Ein Mittelfeldplatz zum Start wäre gut“, sagt Köchy, der gemeinsam mit dem Trainer Lukas Hennig, der aus Schladen im Landkreis Wolfenbüttel stammt, in Rekordzeit ein Team auf die Beine gestellt hat, das auf unbekanntem Terrain schnell funktionieren soll.

„Zwischen unserer Zusage und dem Meldeschluss für die Mannschaft lagen nur zwei Wochen“, verdeutlicht der Organisator. Und der Weg, den die Eintracht bei der Personalplanung geht, ist einer, den sich so mancher Fan auch für die echte Eintracht wünscht. „Wir haben versucht, die Leute zu holen, die bei uns den nächsten Schritt gehen wollen. Viele von ihnen sind Talente, die noch nicht auf dem Niveau der VBL gespielt haben“, erläutert Köchy.

Eintracht Braunschweigs Fans wollen dabei sein

Dominik Schwerdtfeger, Mert Maltepe, Luca Schulze und Alex Czaplok wurden von der Eintracht vorgestellt wie echte Neuzugänge – im Trikot, im Stadion, oder bei der Vertragsunterzeichnung. Czaplok, der unter dem Namen „Czapi“ antritt, ist dabei der einzige, der bereits über Erfahrung aus der virtuellen Bundesliga verfügt. Er war in der vergangenen Saison der beste X-Box-Spieler und nahm im Trikot von RB Leipzig am Grand Final teil und kam unter die letzten acht. „Seine Verpflichtung ist ein Glücksfall. Sie kam über persönliche Kontakte zustande“, sagt Köchy.

Und die Spieler werden auch entlohnt. Der Etat des blau-gelben E-Football-Teams liegt im Vergleich zur Konkurrenz im unteren Drittel der Liga. Dass die Teilnehmer der VBL eine Fördersumme erhalten, ist ein Nebeneffekt. Geschickte Finger an der Konsole finanzieren also zumindest zu einem Bruchteil auch echte Fußballer-Beine.

Und auch darüber hinaus ist es Köchy wichtig, dass der E-Football „keine Parallelwelt ist“. Ganz wichtig ist den Machern übrigens, dass nicht von E-Sports gesprochen wird. „Wir sehen das nicht als Sportart, sondern als Simulation einer Sportart“, erklärt Köchy. Bei der Eintracht glaubt man an die Chancen des Projekts. „Wir sehen eine Möglichkeit, mit einem zeitaktuellen Thema den Nerv unserer jungen Fans und Mitglieder zu treffen“, sagt Eintracht-Geschäftsführer Wolfram Benz. Auch Südkurven-Gänger oder Fans von der Gegengerade spielen Fifa. Der Beweis: Mehr als 200 Anhänger der Löwen haben sich für einen Platz im Team beworben, ohne dass es einen Aufruf dafür gab.

Das Ziel: Für Eintracht Braunschweig begeistern

Beim Fokus auf die Fußball-Simulation soll es zunächst bleiben. Andere Vereine wie Schalke konzentrieren sich mehr und mehr auf Spiele wie den Fantasy-Multiplayer „League of Legends“, in dem weitaus größere Gewinne erzielt werden. „Auch Ego-Shooter wird die Eintracht nicht unterstützen“, versichert Köchy.

Dass das Interesse am E-Football in Braunschweig gegeben ist, zeigte auch die fußballfreie Zeit während der Corona-Pandemie. Als die Eintracht-Profis Marcel Bär und Robin Ziegele gegen andere Drittligaspieler antraten, schalteten zum Teil 10.000 Menschen den Livestream ein.

Solche Zahlen auch zu erreichen, wenn eher unbekannte E-Footballer in den zwölf Minuten langen Spielen, die jeweils in der Mitte der Woche übertragen und gespielt werden, hält auch Köchy für schwierig. „Aber wir wollen versuchen, eine blau-gelbe Webshow zu entwickeln, in der zum Beispiel auch mal ein ehemaliger Spieler zu Wort kommt“, sagt er.

Auch für Sponsoren sei das Thema interessant – aber vor allem für die Fans. „Wir erreichen hier viele 14- bis 29-Jährige“, glaubt Köchy, der einen kleinen Traum hegt. „Vielleicht machen wir den ein oder anderen über den E-Football zum Fan, der bislang keine Bezugspunkte zur Eintracht hatte.“

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