„Jeder von uns hat eine Entscheidung herbeigesehnt“

Braunschweig.  Eintracht Braunschweigs Kapitän Bernd Nehrig und seine Mitspieler sind erleichtert, dass die Saison fortgesetzt wird. Bei der Konkurrenz rumort es.

Bernd Nehrig hofft, dass die Pause beim Team auch dazu geführt hat, den Blick auf die Ziele zu schärfen.

Bernd Nehrig hofft, dass die Pause beim Team auch dazu geführt hat, den Blick auf die Ziele zu schärfen.

Foto: imago images/Christian Schroedter

Für Kapitän Bernd Nehrig und die Fußballer von Eintracht Braunschweig geht es von Sonntag an für eine Woche in Quarantäne. Gemäß dem Sicherheitskonzept des Deutschen Fußball-Bundes bereitet sich der Drittligist isoliert in der Sportschule Barsinghausen auf die Wiederaufnahme des Spielbetriebs vor.

Die Nachricht, dass die Saison vom 30. Mai an fortgesetzt wird, sorgte für Erleichterung im Löwenrudel. „Jeder von uns hat eine Entscheidung herbeigesehnt, wollte wissen, woran er ist“, sagt Nehrig, der während der schier endlosen Corona-Pause seine Wadenverletzung auskuriert hat. In den bisherigen Mannschaftstrainings, die seit kurzem wieder erlaubt sind, hat der Routinier gemerkt, dass er sich wieder auf einem Level mit den Teamkollegen befindet – obwohl ihm der Rückstand anfangs zu schaffen machte.

Nun hoffen er und die übrigen Eintracht-Spieler, dass es tatsächlich zum Neustart kommt. Die Tatsache, dass die Profis sich für mehrere Tage fernab ihrer Familien auf die Partie gegen Viktoria Köln vorbereiten, sei zu verschmerzen. „Wir müssen diese Situation annehmen und kennen sie aus Trainingslagern – auch wenn der Zeitpunkt ungewöhnlich ist. Aber wir sind einfach froh, nicht mehr ins Blaue zu trainieren“, erklärt der 33-Jährige, der nicht glaubt, dass er in seiner Rolle als Kapitän nun besonders wachsam sein müsste.

An Undiszipliniertheiten, wie sie sich etwa der Berliner Profi Salomon Kalou oder Augsburgs Trainer Heiko Herrlich geleistet haben, glaubt er bei Eintracht nicht. „Die Quarantäne bringt nichts, wenn einer von uns einkaufen geht. Jeder bei uns ist Profi und sich seiner Verantwortung bewusst“, bekräftigt der Mittelfeldspieler.

Er rechnet jedoch damit, dass die spielfreie Zeit Einfluss auf das Geschehen auf dem Rasen haben wird. „Nicht alle sind auf dem gleichen Stand. Dazu kommt die hohe Belastung in der kurzen Zeit.“

In der Tat rumort es besonders wegen ersterem Aspekt in der Liga. Halle, Jena, Preußen Münster und der 1. FC Magdeburg absolvierten bislang wegen der politischen Verfügungen in ihren Bundesländern nur Kleingruppentraining ohne Körperkontakt. Einige Teams prüfen rechtliche Mittel, wollen gegen die Entscheidung des Verbands vorgehen. Von „Erpressung“ und „Wahnsinn“ ist die Rede.

Die Aussage von DFL-Chef Christian Seifert, der in der Süddeutschen Zeitung, verkündete, in der 3. Liga „dränge sich der Eindruck auf: Je nach Tabellenplatz entdeckt man plötzlich die Moral“, dürfte die Situation nicht unbedingt beruhigen.

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In Braunschweig will man sich davon allerdings auf keinen Fall verrückt machen lassen. Auch angesichts der wechselhaften Ergebnisse zu Jahresbeginn sieht die Eintracht die Fortsetzung als Chance. „Mit der Berg- und Talfahrt zuletzt können wir nicht zufrieden sein. Vielleicht hat die Pause uns gut getan und bei einigen noch einmal das Bewusstsein dafür geschärft, was wir noch erreichen können“, sagt Nehrig.

Er selbst will dabei wieder eingreifen, als Vorbild vorangehen und nimmt die Einschränkungen, die das Privileg Liga-Fortsetzung mit sich bringt, wie alle Eintracht-Spieler gern in Kauf – die Lust auf ein Pflichtspiel ist riesengroß.

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