Eintracht als Transfermeister der Bundesliga

Braunschweig.  1979 wechselt Ronald Worm für eine Million D-Mark nach Braunschweig – ein Rekord für einen Wechsel innerhalb Deutschlands.

Ronald Worm 1979 kurz nach seinem Wechsel vom MSV Duisburg zu Eintracht Braunschweig. Der Stürmer war der erste Millionentransfer innerhalb der Fußball-Bundesliga.

Ronald Worm 1979 kurz nach seinem Wechsel vom MSV Duisburg zu Eintracht Braunschweig. Der Stürmer war der erste Millionentransfer innerhalb der Fußball-Bundesliga.

Foto: imago images/Rust

Aus den Transfers zu Bayern München und Borussia Dortmund war in den Jahren zuvor nichts geworden. Doch im Sommer 1979 verließ Ronald „Ronnie“ Worm dann doch seinen Heimatverein MSV Duisburg. Der RSC Anderlecht war es dann aber doch nicht geworden, obwohl der belgische Spitzenklub stark um den Stürmer gebuhlt hatte. Aber Worm entschied sich für Eintracht Braunschweig und schrieb mit diesem Wechsel ein Stück Bundesliga-Geschichte. Er wurde der erste Millionentransfer innerhalb der Liga.

Zwei Jahren zuvor hatten die Braunschweiger bereits Paul Breitner von Real Madrid zurück nach Deutschland geholt und mit 1,5 Millionen D-Mark Ablöse einen neuen Transferrekord für die Bundesliga aufgestellt. Worms Verpflichtung war ein ähnlich spektakulärer Coup. Und dass der Eintracht etwas gelang, an dem Bayern München und Borussia Dortmund gescheitert waren, wirkt aus heutiger Sicht unglaublich. „Damals waren die Spieler ja noch mehr Sklaven ihres Vereins“, erinnert sich Worm, der heute 66 Jahre alt ist und immer noch in der Nähe von Braunschweig lebt. Selbst wenn die Verträge der Spieler ausliefen, konnten die Bundesliga-Stars nicht ohne Zustimmung ihres Klubs wechseln. Und erst im Sommer 1979 waren mit Anderlecht und der Eintracht zwei Vereine bereit, die Duisburger Forderungen zu erfüllen. Immerhin hatte Worm für den MSV in den vier Saisons davor jeweils zweistellig getroffen und war auch auf europäischer Bühne sowie in der deutschen Nationalmannschaft als Torjäger erfolgreich gewesen. Doch die Eintracht war bereit, eine Million Mark als Ablöse zu zahlen. Für damalige Verhältnisse eine riesige Summe.

Für Worm war die aber keine Bürde. „Ich hab mir darüber keine großen Gedanken gemacht“, sagt er. Trotz seiner exponierten Stellung sah er sich weiter als Teil einer Mannschaft, der nur zusammen mit seinen Mitspielern Erfolg haben konnte. Dass die Eintracht damals RSC Anderlecht ausstach, hatte einen einfachen Grund. „Ich hatte zwei kleine Kinder und wollte lieber in Deutschland bleiben“, erklärt Worm. Außerdem besaß die Eintracht einen guten Ruf. „Braunschweig hatte sich zwei Jahre zuvor für den Europapokal qualifiziert und war in der Bundesliga eine gute Adresse“, sagt Worm. Auch finanziell, da Jägermeister-Chef Günter Mast einiges an Knete in die Löwen butterte. Die Investitionen zahlten sich sportlich allerdings nicht aus. Vor allem der Coup mit Breitner erwies sich als Flop. Nachdem die Blau-Gelben 1977 als Tabellendritter noch knapp die zweite deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte verpasst hatten, stürzten sie mit Breitner ein Jahr später auf Platz 13 ab. Auch dem Transfer von Worm folgte zunächst die Ernüchterung. Obwohl der neue Star achtmal traf, stieg die Eintracht 1980 ab. Vielleicht auch, weil sich Worm zu Beginn der Rückrunde verletzt hatte und nur auf 23 Saisonspiele kam. „Ich hatte mir das natürlich auch anders vorgestellt, aber im Fußball lässt sich eben nicht alles planen“, sagt der Ex-Angreifer.

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In den folgenden Jahren konnte er dann aber seinen Wert für die Löwen beweisen. An der direkten Rückkehr ins Oberhaus hatte Worm mit 30 Toren in 38 Zweitliga-Spielen entscheidenden Anteil. Auch in den beiden folgenden Relegationsspielen gegen Kickers Offenbach war er erfolgreich. „Das Hinspiel in Offenbach haben wir 0:1 verloren. Im Rückspiel in Braunschweig habe ich dann nach der Führung von Wolfgang Grobe das 2:0 für uns erzielt. Das war wahrscheinlich mein wichtigster Treffer im Eintracht-Trikot“, sagt Worm.

Dabei kamen noch einige Tore hinzu. Nach dem Aufstieg netzte Worm in der Bundesliga-Saison 1981/82 gleich 17 Mal ein. Das war die beste Quote seiner Karriere und auch für die Eintracht ein herausragender Wert. Nur Wolfgang Frank (24 Tore in der Saison 1976/77) und Meister-Spieler Lothar Ulsaß (18 Tore in der Saison 1970/71) waren während einer Bundesliga-Spielzeit erfolgreicher im Löwen-Trikot.

Die folgenden Jahre verliefen ebenfalls nicht schlecht. Worm traf nicht mehr so viel wie im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg aber immer noch regelmäßig und gehört damit zu nur vier Spielern, die mehr als 100 Pflichtspieltore für die Eintracht erzielten. Das große Wurf blieb für die Braunschweiger, die mit Worm 1985 erneut aus der Bundesliga und 1987 sogar aus der 2. Liga abstiegen, aber aus. „Ich möchte die Zeit bei der Eintracht trotzdem nicht missen“, sagt der Ex-Stürmer, der zuletzt die Frauen- sowie die dritte Herrenmannschaft der Blau-Gelben trainierte. Er ist ein Beleg dafür, dass Geld im Fußball zwar durchaus Tore schießt, dennoch keinen Erfolg garantiert.

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