Der Neustart ist Eintrachts große Chance

Braunschweig.  Der DFB terminiert Fortsetzung der 3. Liga auf den 30. Mai. Eintracht-Sportdirektor Peter Vollmann ist zuversichtlich. Andere Klubs wollen klagen.

„Was wir vorher liegen gelassen haben, können wir jetzt aufholen“, sagt Eintrachts Sportdirektor Peter Vollmann.

„Was wir vorher liegen gelassen haben, können wir jetzt aufholen“, sagt Eintrachts Sportdirektor Peter Vollmann.

Foto: Jan Huebner/Mohr / imago

Die Nachricht über die Fortsetzung der 3. Liga sorgte bei den Fußballern von Eintracht Braunschweig am Donnerstag für gute Laune. Nach wochenlangem Hin und Her hat der Deutsche Fußball-Bund die Wiederaufnahme des Spielbetriebs auf den 30. Mai terminiert. Eintrachts Sportdirektor Peter Vollmann sprach gegenüber unserer Zeitung davon, dass trotz der komplizierten Situation die Vorfreude bei allen Beteiligten zu spüren sei.

Anderenorts ist man ein wenig angespannter. Nach der Ankündigung des Verbandes, die Saison alsbald fortzusetzen, wird der Streit wohl vor Gericht weitergehen. „Wir werden auf jeden Fall rechtliche Schritte einleiten“, sagte Chris Förster, Geschäftsführer von Schlusslicht Carl Zeiss Jena. „Wir sehen uns gezwungen, diese plötzliche Entwicklung unter dem Aspekt der Chancengleichheit rechtlich prüfen zu lassen“, kündigte Jens Rauschenbach, Präsident des Halleschen FC, an.

Während der DFB die Saison mit fünf Englischen Wochen bis zum
4. Juli scheinbar mit aller Gewalt zu Ende bringen will, gehen Klubs wie Jena gegen diesen Plan auf die Barrikaden. Es sei „rein logistisch, technisch und zeitlich nicht möglich“, sagte Förster, „am 30. und 31. Mai ein Spiel zu spielen, egal wo, nicht auf dem Mond und nicht sonstwo“. Jena darf bisher nur in Kleingruppen trainieren – und sein Stadion nach dem Beschluss der Landesregierung von Thüringen erst ab dem 5. Juni nutzen.

Dem gegenüber steht die Entscheidung des DFB. Er teilte mit, die Spielzeit solle „unter Berücksichtigung der politischen Verfügungslagen“ sowie des Hygienekonzepts des DFB und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zu Ende gebracht werden. Elf Spieltage stehen noch aus. Nach dem Saisonende soll die Relegation zur 2. Bundesliga bis zum 11. Juli abgeschlossen sein, freilich seien terminliche Abweichungen beispielsweise durch etwaige Mannschaftsquarantänen weiterhin möglich.

DFB-Präsident Fritz Keller bezeichnete es als „wichtig und nötig“, dass nun Klarheit über den weiteren Fahrplan herrsche. Die 3. Liga sei immerhin eine „bundesweite Profispielklasse“, sagte er, „negative politische Verfügungslagen an vereinzelten Standorten dürfen hier nicht den deutschlandweit mehrheitlich möglichen Spielbetrieb komplett unterbinden“. Er hoffe, dass „letztlich ein einheitliches Bild herrschen wird“. Zuletzt war die Liga in der Neustart-Frage gespalten. Eine knappe Mehrheit der 20 Klubs hatte dafür votiert.

Zu den Befürwortern der Fortsetzung gehört auch die Eintracht. Man habe in Braunschweig in den vergangenen Wochen die Voraussetzungen geschaffen und sei nun auf die sportlichen Aufgaben sowie organisatorischen Maßnahmen vorbereitet, wird Vollmann in einer Mitteilung des Klubs zitiert. Der großen Verantwortung sei man sich bewusst. Doch der Sportdirektor hebt auch die große Chance hervor, nach einem wechselhaften Start ins Jahr 2020 der Saison noch ein positives Ende zu verleihen. „Wir können in dieser kurzen Zeit viel erreichen – und ich hoffe, dass jeder Spieler und das Trainerteam das erkannt haben“, sagt der 62-Jährige. Ein guter Start sei entscheidend, das große Ziel nicht weit entfernt. „Was wir zuvor liegen gelassen haben, können wir jetzt aufholen.“

Mit möglichen Vor- oder Nachteilen will sich der Sportdirektor nicht lange aufhalten. „Wir müssen die Sache eh annehmen wie sie ist, wollen gute Ergebnisse erzielen und uns von allem anderen freimachen“, sagt er – und stellt damit unter den Vereinsvertretern beinahe eine Ausnahme dar.

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Insbesondere die Klubs, die nach wie vor einen Abbruch befürworten, klagen laut über die mitunter fehlende Chancengleichheit. Neben Halle und Jena dürfen auch Preußen Münster und der 1. FC Magdeburg nur in Kleingruppen trainieren. Der 1. FC Kaiserslautern musste nach drei Corona-Verdachtsfällen das Teamtraining aussetzen, ein erneuter Test brachte bei allen drei Personen aber ein negatives Ergebnis. Zu Wochenbeginn hatte ein positiver Coronatest eines Profis beim Chemnitzer FC für neuen Wirbel gesorgt.

Auch deshalb will Vollmann in diesen Zeiten noch nicht zu
100 Prozent davon ausgehen, dass es weitergeht. „Die Situation kann sich so schnell verändern“, erklärt er. Doch erst einmal bereite sich die Mannschaft auf eine Partie am
30. Mai vor. Es wäre ein (Geister)spiel zu Hause gegen Viktoria Köln.

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