Mirko Boland: „Schön, dass mich viele Fans nicht vergessen haben“

Braunschweig.  Der ehemalige Fußball-Profi von Eintracht Braunschweig Mirko Boland spricht über seine Zeit in Australien und den Wechsel nach Lübeck

Bei vielen Eintracht-Fans war Mirko Boland sehr beliebt.Archivimago

Bei vielen Eintracht-Fans war Mirko Boland sehr beliebt.Archivimago

Foto: Michael Täger / imago/foto2press

Diese Nachricht hatte einigen Eintracht-Fans nicht gefallen. Mirko Boland, eines der Aushängeschilder der lange Zeit erfolgreichen Torsten-Lieberknecht-Ära bei den Blau-Gelben, kehrt im Sommer aus Australien zurück nach Deutschland, allerdings nicht zu den Braunschweigern. Der 32-Jährige wird sich ab dem 1. Juli dem Fußball-Regionallisten VfB Lübeck anschließen. Dort hat Boland einen Zwei-Jahres-Vertrag im Anschluss an seine Zeit beim australischen Erstligisten Adelaide United unterschrieben – gültig für die Regionalliga als auch für die 3. Liga. Unsere Zeitung sprach mit dem Mittelfeldspieler, der mit der Eintracht den als größten Erfolg 2013 den Bundesliga-Aufstieg feierte, über Fußball in Corona-Zeiten, die Buschbrände in Australien, seine Zukunft in Lübeck und warum es nicht mit einem Wechsel zu den Löwen klappte.

Mirko Boland, es ist schön, dass wir Sie trotz des großen Zeitunterschieds erreichen. Aktuell kommt man leider auch im Sport nicht am Thema Corona vorbei. Wie ist die Situation aktuell in Australien?

Die Lage verändert sich auch hier täglich, selbst wenn es in Australien noch nicht so dramatisch ist wie in Europa. Doch hier steigt die Zahl der Infizierten ebenfalls stark an und deshalb sind seit Montag alle Cafés und Restaurants sowie teilweise Schulen geschlossen. Bis zum vergangenen Wochenende wurde in der A-League noch gespielt, aber seit Dienstag ist auch bei uns die Saison zunächst bis zum 22. April unterbrochen.

Wie intensiv verfolgen Sie das Geschehen in der Heimat?

Meine Frau und ich sind wahrscheinlich besser informiert über das was in Deutschland passiert als über die Situation in Australien. Wir haben fast jeden Tag Kontakt mit unseren Familien, lesen und schauen deutsche Nachrichten. Hoffentlich entspannt sich die Lage bald wieder ein bisschen.

Inwiefern beeinflusst das Coronavirus auch Ihre Pläne? Werden Sie vielleicht etwas früher nach Deutschland zurückkehren, wo Sie ab dem 1. Juli in Lübeck unter Vertrag stehen?

Das lässt sich aktuell noch nicht sagen. Erst mal müssen wir schauen, ob und wie es in der A-League weitergeht. Mein Vertrag bei Adelaide United gilt noch zwei Monate. Es ist geplant, dass wir Ende Mai nach Deutschland zurückkehren.

Es ist nicht lange her, dass Australien bereits eine andere Ausnahmesituation meistern musste. Haben Sie die verheerenden Buschbrände in den vergangenen Monaten als sehr gefährlich empfunden?

Das war für das ganze Land eine sehr schlimme Situation. Aber man darf auch nicht vergessen, wie groß Australien ist. Deshalb war es nicht so, dass jeder Einwohner oft damit konfrontiert wurde. Adelaide als Stadt selbst war zum Beispiel nur sehr wenig betroffen, nur an zwei, drei Tagen hat man ein paar Rauchwolken auf den Hügeln rund um die Stadt gesehen. Aber als wir einmal etwa 30 Kilometer stadtauswärts gefahren sind, haben wir riesige Gebiete komplett verbrannter Erde vorgefunden. Das zu sehen war ziemlich heftig.

Unabhängig von diesem schrecklichen Ereignis, werden Ihnen die zwei Jahre in Australien aber positiv in Erinnerung bleiben?

Absolut. Ich bin unheimlich froh, diese Erfahrung in meiner Karriere gemacht zu haben. Und mit Adelaide haben wir es auch unglaublich gut getroffen. Die Atmosphäre in der Stadt, die Mentalität der Menschen, die Kultur passen perfekt zu uns und sportlich ist es vor allem im ersten Jahr richtig gut gelaufen. Wir haben den Pokal geholt, den wir diese Saison auch verteidigt haben, und in der Liga sind wir in den Play-offs bis ins Halbfinale gekommen.

Diese Saison läuft nicht mehr ganz so erfolgreich, auch für Sie persönlich. Ihren Stammplatz haben Sie auch wegen einer Verletzung verloren, richtig?

Das stimmt. Ich hatte zu Beginn der Saison Meniskusprobleme und musste mich auch einer kleinen Operation unterziehen. Danach bin ich schwer wieder reingekommen. Für uns als Mannschaft lief es aber insgesamt nicht mehr so gut wie in meinem ersten Jahr. Wenn die Saison noch fortgesetzt wird, können wir froh sein, wenn wir es in die Play-offs schaffen.

Wie bewerten Sie die Entwicklung des Fußballs in Australien?

Es ist vieles anders als in großen Ligen in Europa. Vom Niveau her bewegen sich zwei, drei Teams in der A-League auf dem Level der 2. Liga in Deutschland. Allerdings möchte ich einen deutschen Zweitligisten hier erstmal spielen sehen. Die Leistung lässt sich sicherlich nicht eins zu eins übertragen. Die klimatischen Bedingungen, bei denen man spielt, sind sehr unterschiedlich und teilweise extrem. Hinzu kommen die langen Anreisen zu den Auswärtsspielen und manchmal Platzbedingungen, wie man sie als Profi in Deutschland nur kennt, wenn man in Pokalspielen gegen unterklassige Teams antritt. Es gibt schon viele Jungs hier, die gut kicken können, aber die Ausbildung im Jugendbereich ist doch noch sehr ausbaufähig und die Investitionen in Infrastruktur gering.

Einige Fans in Braunschweig hätten Sie gerne noch einmal im Eintracht-Trikot gesehen. Warum wurde daraus nichts?

Es freut mich, dass mich viele Eintracht-Fans nicht vergessen haben. Über die sozialen Medien habe ich in den vergangenen zwei Jahren auch sehr viele positive Nachrichten aus Braunschweig erhalten, auch jetzt nach meinem Wechsel nach Lübeck. Da geht mir das Herz auf. Aber seit ich die Eintracht nach dem Zweitliga-Abstieg verlassen musste, gab es nie wieder Kontakt mit einem der Vereinsverantwortlichen, und vom VfB Lübeck habe ich nun ein Angebot erhalten, bei dem alles passte.

Spielte es eine Rolle, dass Ihre Frau, die auch mal bei der Eintracht gearbeitet hat, aus der Nähe von Lübeck stammt?

Bei den Verhandlungen war das kein Thema, aber für uns beide und Natalies Familie ist das natürlich ein toller Nebeneffekt (lacht). Aber wie gesagt, das Gesamtpaket beim VfB Lübeck stimmt. Das ist ein Traditionsverein, der sehr gut geführt wird und noch gute Chancen hat, in die 3. Liga aufzusteigen. Und ich soll als erfahrener Spieler in der Mannschaft eine Führungsrolle auf und neben dem Platz einnehmen. Auf diese Aufgabe freue ich mich sehr, egal ob in der 3. Liga oder in der Regionalliga.

Wenn die Saison irgendwann fortgesetzt wird und Lübeck aufsteigt, würde es wohl auch zu einem Duell mit der Eintracht kommen. Ein reizvolles Szenario?

Natürlich würde ich in meiner Karriere gerne noch einmal im Eintracht-Stadion spielen und viele bekannte Gesichter wiedersehen, aber wenn ich mir was wünschen dürfte, dann ist Lübeck nächste Saison Drittligist und die Eintracht Zweitligist.

Nach den letzten Eindrücken wird das für die Braunschweiger eher schwierig…

Trotzdem ist es noch möglich. Diese 3. Liga ist schon der Wahnsinn. Soweit ich das mitbekommen habe, ist man in Braunschweig seit 14, 15 Spielen nicht mehr mit der Entwicklung zufrieden, dennoch hat man noch die Chance aufzusteigen. Die Situation ist aber auch gefährlich, da es in der Tabelle schnell nach unten gehen kann. Ich wünsche der Eintracht aber nur das Beste.

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