Eintrachts Stephan Fürstner im Interview: Nicht nur der Kapitän darf laut sein

Belek.  Lange musste sich Stephan Fürstner gedulden. Die komplette Hinrunde fiel er verletzt aus. Nun will der Routinier bei Eintracht neu angreifen

Stephan Fürstner im Trainingslager der Eintracht in Belek.

Stephan Fürstner im Trainingslager der Eintracht in Belek.

Foto: Lars µ

Stephan Fürstner verletzte sich in der Sommervorbereitung so schwer, dass er bis zum Jahresende ausfiel. In Belek sprüht er vor Freude über seine Rückkehr und spricht über seine Verfassung, die lange Leidenszeit und seine Ziele mit Eintrachts Drittliga-Fußballern.

Stephan Fürstner, aufgrund eines Muskelteilsabrisses im Oberschenkel konnten Sie in dieser Saison noch kein Pflichtspiel absolvieren. Im Trainingslager in Belek mischen Sie im Training wieder voll mit. Wie fühlen Sie sich?

Ich fühle mich natürlich etwas müde aufgrund der Trainingsintensität, aber es überwiegt die Freude, beim Team zu sein und auch ohne Beschwerden trainieren zu können. Die Fitness kommt zurück, aber viel wichtiger ist, dass der Kopf mitspielt. Nicht an die Verletzung zu denken, ist das Entscheidende, um Vertrauen in seinen Körper zu haben. Da gibt mir jede Einheit mehr Sicherheit. Und bisher läuft es tadellos. Deshalb habe ich allen Grund, positiv gestimmt zu sein.

Auf welchem Level sehen Sie sich nach so kurzer Zeit?

Schwer zu sagen. Mit dem Laktattest haben wir einen Wert erhalten, an dem wir uns orientieren können. Ich muss derzeit oft eine Schippe drauflegen, ans Limit gehen, um das verlorene aufzuholen. Trainieren und Spielen sind eben zwei unterschiedliche Paar Stiefel. Die entscheidende Wettkampfpraxis hole ich mir dann auch über die Spiele wieder zurück. Ich gebe im Training Vollgas, um die Wettkampfhärte bestmöglich wieder herzustellen.

Yari Otto im Trainingslager von Eintracht Braunschweig
Yari Otto im Trainingslager von Eintracht Braunscheig

Zum zweiten Mal in Folge sind Sie mit Eintracht Braunschweig im Trainingslager in Belek. Was erwarten Sie von der Woche?

Die Bedingungen hier sind top. Jetzt passt auch das Wetter. Auch das Hotel ist uns bekannt. Damit haben wir Abläufe, die wir gewohnt sind. Jetzt gilt es, diese Woche durchzuziehen, an Automatismen zu arbeiten, uns noch besser kennenzulernen. Viel Zeit bleibt uns nicht.

Vor der Saison haben Sie freiwillig Ihr Kapitänsamt zur Verfügung gestellt. Warum?

Ich finde, ein Kapitän sollte einsatzfähig sein, um die Mannschaft führen zu können. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich das nicht. Mir war wichtiger, mich auf die Reha zu konzentrieren und nichts anderes im Kopf zu haben. Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich der Situation nicht mehr stellen wollte. Es war eine Entscheidung im Sinne der Mannschaft. Bis jetzt ist sie von allen Seiten positiv aufgenommen worden.

Trotzdem agieren Sie im Training lautstark, geben Kommandos. Liegt Ihnen diese Rolle?

Es darf nicht nur der, der die Kapitänsbinde trägt, den Mund aufmachen. Alle sollten sich beteiligen. Natürlich liegt der Fokus auf den älteren Spielern. Da sehe ich mich in der Verantwortung, und der versuche ich, gerecht zu werden.

Wie war es für Sie, fast ein halbes Jahr lang nur zuschauen zu können?

Es war bitter, verletzungsbedingt zuschauen zu müssen. Aber ich habe mich wahnsinnig gefreut für die Jungs nach der turbulenten Saison zuvor, dass es gut lief und ein bisschen Ruhe reinkam. Auch danach empfand ich es als normal, dass es eine kleine Delle gab. Wir sind nach wie vor in einer guten Situation.

Und in Bezug auf Ihre Verletzung.

Für einen Fußballer darf es nicht schön sein, zuschauen zu müssen. Ich konnte die Zeit aber nicht rückgängig machen. Hinter mir liegt ein langer Reha-Prozess. Ich bin vorher noch nie so lange ausgefallen. Nun sehe ich Licht am Ende des Tunnels. Das fühlt sich gut an.

Wie weit hoffen Sie, zum Punktspielstart zu sein?

Auch das ist schwer zu sagen. Ich probiere, in den Testspielen die Wettkampfhärte zu bekommen. Ich hoffe auf Spielzeit, um zu schauen, wie weit ich bin. Ein halbes Jahr macht man nicht einfach vergessen und holt man auch nicht in drei, vier Wochen auf. Aktuell bin ich schmerzfrei und voller Tatendrang. Das ist ein toller Stand. Mein Ziel ist es, zur Rückrunde fit zu sein.

Wie lauten Ihre persönlichen Ziele für den Rest der Saison?

Ich will alles dafür tun, um gesund zu bleiben, weil ich ein Alter erreicht habe, in dem man noch mehr in den Körper hineinhört. Man nimmt Signale dann auch anders wahr. Ich will Teil dieser Mannschaft sein, die sich einen kleinen Spirit erarbeitet hat. Jeder muss seine Interessen hinten anstellen. Es geht um ein großes Ziel. Wir wollen gut in die Rückrunde starten, und dafür wünsche ich mir, dass jeder Vollgas gibt.

Auf welchem Stand sehen Sie die Mannschaft? Und wo wollen Sie mit der Eintracht am Saisonende stehen?

Dass wir selbstkritisch mit unseren Leistungen umgehen, ist kein Geheimnis. Wir analysieren jedes Spiel, ob Sieg oder Niederlage. Und dass wir noch nicht bei 100 Prozent unserer Leistungsfähigkeit sind, ist uns auch klar. Das ist unser Ansatz in der Vorbereitung. Zu weit in die Zukunft zu schauen, sorgt nur dafür, den Fokus zu verlieren. Deswegen arbeiten wir mit aller Konzentration auf das erste Spiel im neuen Jahr gegen 1860 München hin.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder