Grizzlys: Trainer Cortina meldet sich nach Kritik zu Wort

Wolfsburg.  Pat Cortina versteckt sich nicht. Der Trainer des Eishockey-Erstligisten Grizzlys Wolfsburg bezieht Stellung nach Manager- und Fan-Kritik.

rainer in der Kritik: Pat Cortina versucht dennoch, Ruhe zu bewahren bei den Grizzlys Wolfsburg.

rainer in der Kritik: Pat Cortina versucht dennoch, Ruhe zu bewahren bei den Grizzlys Wolfsburg.

Foto: City-Press GmbH/Grizzlys/oh

Pat Cortina spürt den Gegenwind, den er nach dem mäßigen Saisonstart der Grizzlys erhält. Nachdem der Chefcoach des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten und sein Trainerstab Ende vergangener Woche von Manager Charly Fliegauf kritisiert worden waren, bezieht der Italo-Kanadier nun ausführlich Stellung im Dialog mit unserer Zeitung.

Pat Cortina über …

… die Kritik von Manager Fliegauf, der die bisherige Ausbeute von acht Punkten aus den ersten sechs DEL-Spielen und die hohe Gegentor-Anzahl aus den vergangenen vier Partien (19) moniert und mit den Worten „Unser Trainerteam besteht aus vier Trainern. Ich erwarte von ihnen, dass sie die Dinge, die sichtbar nicht gut laufen, besser machen“ die Arbeit der Coaches kritisiert hatte:

„Der Manager, die Coaches, die Spieler – keiner ist glücklich über diese Situation. Wir sind definitiv in der Lage, besser zu sein, als wir uns bisher präsentiert haben. Da habe ich keine Zweifel. Der Manager drückt meine eigenen Gefühle, die der Trainer und Spieler aus mit seinen Aussagen. So denke ich darüber.“

… das aus dem Ruder gelaufene jüngste Spiel in Bremerhaven, das die gut eingestellten Grizzlys im ersten Drittel stark begonnen, dann aber vor allem nach einem katastrophalen Mittelabschnitt mit 2:5 verloren hatten:

„Es sah danach aus, dass wir das Spiel in Bremerhaven im ersten Drittel unter Kontrolle hatten. Wir diktierten das Tempo, kontrollierten den Puck und ließen nicht viel zu. Aber am Ende des Drittels stand es 1:1. Wir hatten die Chance aufs zweite Tor, machten es aber nicht. Die Bremerhavener erzielten anschließend ihr zweites und drittes Tor im Powerplay. Das kostete uns Selbstvertrauen. Wir liefen fortan dem Rückstand hinterher und fingen an, den falschen Weg zu denken. So etwas kann in Spielen passieren. Wir müssen sicherstellen, dass es nicht mehr oder zumindest nicht zu oft passiert. Trotzdem war es ein gutes erstes Drittel, in dem wir vielleicht etwas mehr verdient gehabt hätten und Bremerhaven etwas zu viel bekam als angemessen gewesen wäre. Das hat uns wehgetan. Wir hatten das schon zuvor erlebt. Wenn du kein Kapital aus deinen Chancen schlägst, holt dich das irgendwann ein.“

… die Vermutung, die Grizzlys könnten ein mentales Problem haben:

„Die Mannschaft hat kein mentales Problem. Manchmal fängt sie jedoch an, den falschen Weg zu denken. Wir weichen dann von unserer Spielweise ab, denken über das Ergebnis nach und überspringen Schritte. Wir versuchen, mehr zu machen als wir sollten, und/oder machen weniger von dem, was wir machen sollten.“

… seine Forderungen an die Mannschaft in der aktuell schwierigen Lage:

„Ich erwarte von den Spielern täglich Qualität. Ich erwarte, dass sie, die Coaches und ich täglich besser werden. Wir müssen besser werden und zusammenarbeiten. Das bedeutet, dass wir häufiger das Richtige tun und mit mehr Stolz spielen. Wir müssen einfach mehr wir selbst sein. Konstanter als bisher. Defensiv müssen wir ganz sicher besser werden und mehr Einsatz zeigen. Das erwarten wir. Ich bin sicher, dass die Spieler das auch von sich selbst erwarten.“

… die zahlreich von den Fans in den sozialen Medien geäußerte Kritik am Trainer, der schon bei seinem Amtsantritt im Sommer 2019 wenig Rückendeckung aus der Wolfsburger Anhängerschaft erhalten hatte:

„Es tut mir leid. Ich wünschte, es wäre anders. Aber wenn Kritik da ist, heißt das auch, dass es Interesse am Wolfsburger Eishockey gibt. Ich möchte glauben, dass das etwas Positives ist. Wenn ich es noch nicht geschafft habe, das Vertrauen der meisten Fans zu erlangen, ist das nicht angenehm für mich. Aber ich muss trotzdem ich selbst bleiben. Ich muss daran glauben, dass das, was ich tue, auch die Fans überzeugen kann. Sie wollen dasselbe wie wir: erfolgreich sein. Ich verstehe die Kritik. Aber die Fans haben noch nicht alles sehen können, bilden sich ihre Meinung deshalb auf dem, was sie gesehen haben. Aber es gibt eine Kabine, tägliche Arbeit und viel Zeit und Leidenschaft, die auch ich investiert habe und investiere. Natürlich müssen wir Anpassungen vornehmen, und ich hoffe, dass ich die Fans noch überzeugen kann. Aber ich muss auch in die Richtung weitergehen, die zu mir und zu unserem Team passt. Und noch mal: Niemand ist zufrieden mit dem, was wir bisher gesehen haben. Einige Dinge waren gut, andere nicht. Daran müssen wir arbeiten.“

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