Grizzlys Wolfsburg: Cortina und Co. droht ein stürmischer Januar

Wolfsburg.  Im Monat der Wahrheit wahren die Grizzlys Wolfsburg nur mit Siegen die Ruhe. Die Trainer des Eishockey-Erstligisten erhalten Druck.

Braucht dringend Erfolge: Die Kritik an Grizzlys-Trainer Pat Cortina nimmt wieder zu.

Braucht dringend Erfolge: Die Kritik an Grizzlys-Trainer Pat Cortina nimmt wieder zu.

Foto: City-Press GmbH/Grizzlys/oh

19 Gegentore aus den vergangenen vier Spielen und nur drei Punkte geholt – ihren erfolgreichen Saisonstart in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) mit zwei Siegen haben die Grizzlys Wolfsburg zuletzt teilweise zunichte gemacht.

Dem im Fan-Lager ohnehin umstrittenen Trainer Pat Cortina bläst der Wind plötzlich wieder ins Gesicht. Der Januar mit sechs noch folgenden Partien wird auch für ihn ein Monat der Wahrheit.

Nach dem 2:5 in Bremerhaven am Mittwochabend machten die Anhänger in den sozialen Netzwerken ihrem Unmut Luft. Die latent vorhandene Kritik am Coach nahm nun wieder zu. Nach dem Abrutschen auf den vorletzten Gruppenplatz in der vermeintlich leichteren der beiden DEL-Staffeln brauchen die Grizzlys schnell Argumente in Form von Siegen, damit die Lage ruhig bleibt im Allerpark.

„Keine Antwort gehabt“

„Im ersten Drittel haben wir gutes Eishockey gespielt, das Spiel mit und ohne Scheibe kontrolliert. Im zweiten Drittel hat Bremerhaven die Intensität erhöht, und wir hatten keine Antwort darauf“, räumte Cortina ein. Eine solche Antwort wünscht sich der Anhang aber auch von der Bank. Cortina sieht sich oft dem Vorwurf ausgesetzt, zu ruhig und stoisch zu agieren.

Manager Charly Fliegauf, seit 2007 im Amt, kennt die Befindlichkeiten, ist aber für seine Politik der ruhigen Hand im Klub bekannt. Wie üblich nach Spielen, suchte er am Donnerstagmorgen gleich den Austausch mit dem Trainer. „Mit acht Punkten aus sechs Spielen sind wir alle nicht zufrieden. Eine solche Quote wird auch nicht reichen, um unter die Top 4 zu kommen. Bis zum nächsten Spiel haben wir eine Woche Zeit. Mit Sebastian Furchner, Mathis Olimb, Jan Nijenhuis und Steven Raabe haben wir vier zuletzt fehlende Spieler zurück im Training“, sagt Fliegauf und macht auch die schwierige Personallage für das Zwischentief verantwortlich. Der wieder größere Kader, so seine Erwartung, sollte auch die Trainingsqualität anheben.

Richtungsweisender Monat

Das Heimspiel am Mittwoch, 13. Januar, gegen Düsseldorf bildet den Auftakt zu den sechs richtungsweisenden Partien des zweiten Gruppenspiel-Viertels. Kehren die Grizzlys den Trend nicht um, könnte es ein stürmischer Januar werden mit weiter viel Gegenwind für Cortina und Co. Doch davon will der Manager vorerst nichts wissen. „Was auf dem Eis passiert, dafür sind zwar letztlich die Trainer verantwortlich. Das weiß Pat auch. Aber ich werde ihn nicht anzählen. In unserer Lage sind auch die Spieler gefordert. Wenn wir nicht den Erfolg haben, der möglich ist, muss sich jeder hinterfragen. Das ist doch klar.“

Doch ganz ungeschoren kommen die Coaches in Fliegaufs Zwischenbilanz nicht davon. „Unser Trainerteam besteht aus vier Trainern. Ich erwarte von ihnen, dass sie die Dinge, die sichtbar nicht gut laufen, besser machen“, sagt er. Damit erhöht er den Druck auf das Wolfsburger Coach-Quartett. Erstmals in der Klubgeschichte beschäftigen die Grizzlys für den taktischen Bereich vier Trainer in Vollzeit. Neben Cortina als Chef sind das die Assistenten Petteri Väkiparta (Verteidigung) und – neu – Grizzlys-Kapitän Tyler Haskins (Special Teams/Offensivaufgaben) sowie Torwarttrainer Ilari Näckel.

Die Defensive schwächelt

Besonders missfällt dem Manager derzeit das Abwehrverhalten. „In der Defensive muss man den Preis bezahlen, ein Pfund reinlegen, wenn man Punkte holen will.“ Mit dem sich wieder füllenden Kader hätten die Grizzlys die Möglichkeit, dem einen oder anderen schwächelnden Spieler eine Denkpause zu geben. Derlei Handhabe obliege aber allein Cortina. Fliegauf: „Spieler mit aller Konsequenz und Härte auf der Bank sitzen zu lassen, das muss vom Trainer kommen. Hin und wieder würde das aber dem einen oder anderen vielleicht nicht schaden.“ Dennoch glaube er nicht, dass es im Grizzlys-Kader Charaktere gebe, die grundsätzlich nicht mitziehen wollen.

Sollten ihn Teile der Mannschaft in den nächsten Wochen eines Besseren belehren und ihre Leistung nicht abrufen, gerät auch der Manager unter Handlungsdruck. Ausgerechnet in einer Saison, in der die Corona-Pandemie eh schon alle Klubs in große wirtschaftliche Nöte gebracht hat und zusätzliche Personalausgaben eigentlich ein Tabu sein sollten.

Trainer-Zukunft ungewiss

Bislang hat sich der für seine besonnene und einfühlsame Art bekannte Chefcoach Cortina seit seinem Amtsantritt im Sommer 2019 in schwierigen Phasen öffentlich immer schützend vor seine Spieler gestellt. Wenn die Mannschaft nun nicht auch für den Trainer spielt, wird es mindestens eng für eine Vertragsverlängerung für Cortina, dessen Kontrakt am Saisonende ausläuft, und für das eine oder andere Mitglied seines Trainerstabes.

Im Januar, dem Monat der Wahrheit, haben es die Grizzlys selbst in der Hand, ob aus dem derzeitigen Gegenwind mit Hilfe von Erfolgen wieder Rückenwind wird. Sonst gerät das Grizzlys-Schiff ins Wanken.

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