Verflixte Zahlen lassen Grizzlys-Zugang Görtz verzweifeln

Wolfsburg.  Sturmneuzugang Max Görtz erklärt seinen Wechsel zum Eishockey-Erstligisten Grizzlys Wolfsburg. Interview mit dem und Porträt über den Schweden.

Groß, kräftig, stark am Puck und mit einem fulminanten Schuss ausgestattet: Der schwedische Neuzugang Max Görtz soll den Angriff der Grizzlys Wolfsburg beleben.

Groß, kräftig, stark am Puck und mit einem fulminanten Schuss ausgestattet: Der schwedische Neuzugang Max Görtz soll den Angriff der Grizzlys Wolfsburg beleben.

Foto: City-Press GmbH / Grizzlys Wolfsburg/oh

Die höchste Hürde, die Max Görtz bei den Grizzlys Wolfsburg bisher zu überwinden hatte, ist – augenzwinkernd betrachtet – eine unerwartete. Weder Vertragsverhandlungen noch Corona machten dem schwedischen Sturm-Neuzugang die Entscheidung für den Wolfsburger Eishockey-Erstligisten schwer. Aber bei der Wahl der Trikotnummer verzweifelte er schier.

Aber der Reihe nach. Görtz ist mit sieben Spielzeiten in der heimischen Top-Liga SHL ein gestandener Profi und besitzt zudem zwei Jahre Nordamerika-Erfahrung. Angesichts seiner Vita kann man den 27-Jährigen mit Fug und Recht als einen der bisherigen Wolfsburger Toptransfers des zurückliegenden Sommers bezeichnen. „Ich hätte in Schweden bleiben können“, räumt er auf Nachfrage ein. „Aber ...“

Wechsel, „um besser zu werden“

Eben dieses Aber war es, dass ihn den Blick auf das europäische Ausland richten ließ. Denn: „Nach sieben Jahren in der SHL hatte ich das Gefühl, dass ich mich nicht so entwickelt habe, wie ich es gern gehabt hätte, als Eishockeyspieler und als Mensch“, sagt Görtz. „Mein Niveau blieb jedes Jahr gleich. Ich befinde mich vom Alter her in der Mitte meiner Karriere und wollte etwas Neues ausprobieren. Auch, um besser zu werden.“

Nun ist die deutsche DEL leistungsmäßig nicht unbedingt eine Verbesserung für einen Schweden. Doch Görtz gastierte mit seinem bisherigen Klub Malmö in den vergangenen drei Jahren zweimal in München zu Duellen der europäischen Champions Hockey League (CHL). Da fing er Feuer. „Die Spiele in München haben mir gezeigt, wie großartig die Fans in Deutschland ihr Team unterstützen. Deshalb hatte ich da schon gehofft, auch mal in der DEL spielen zu können.“

Olimb als Wegbereiter

Zumal München noch nicht einmal als heißester Hexenkessel der DEL bekannt ist. Das ist Wolfsburg auch nicht, aber die Grizzlys machten dem im Frühjahr joblosen Profi ein Angebot. Und sie hatten den perfekten „Anwerber“ im Kader: Mathis Olimb. Der Norweger spielte einst beim SHL-Klub Frölunda HC mit Görtz zusammen. „Mathis fragte mich, ob ich unbedingt in Schweden bleiben wolle. Als ich ihm berichtete, dass ich über einen Wechsel innerhalb Europas nachdenke, überzeugte er mich, dass die DEL und Wolfsburg genau richtig für meine Entwicklung sind. Mathis ist einer der Hauptgründe dafür, dass ich bei den Grizzlys gelandet bin“, erzählt er schmunzelnd. „Schade nur, dass zurzeit keine Fans in die Stadien dürfen.“

Doch das, hofft er, ändert sich im Laufe der Saison noch. Bereut habe er seine Entscheidung pro Wolfsburg jedenfalls noch zu keiner Zeit, obwohl die DEL den Saisonstart schon zweimal verschob, während die SHL längst spielt.

„Wir sind gut in Form“

Stattdessen freut sich Görtz auf den in dieser Woche erfolgenden Start des als Vorbereitungsturnier und Testballon konzipierten Magenta-Sport-Cups. „Wir haben jetzt acht, neun Wochen zusammen trainiert. Ich denke, dass wir gut in Form sind. Wir haben noch nicht die perfekte Match-Fitness, weil wir erst ein Spiel absolviert haben. Aber deshalb ist es gut, dass wir nun dieses Vorbereitungsturnier spielen“, sagt er und hebt besonders hervor: „Dadurch, dass es ein Halbfinale und Finale gibt, hat es schon einen gewissen Wettbewerbscharakter.“

Vom Team („Ich habe das Gefühl, dass wir einen guten Mix aus jüngeren und älteren Spielern haben“) ist Görtz überzeugt. Persönlich möchte er Verantwortung übernehmen. „Ich hoffe, dass ich in allen Situationen zum Einsatz komme, auch Powerplay und Penaltykill spielen darf. Ich werde zudem versuchen, Tore zu schießen und dem Team offensiv zu helfen, aber natürlich auch in der Defensive.“

Stärken: „Puckbehandlung und Schuss“

Und seine Stärken? „Ich bin ein groß gewachsener, kräftiger Spieler. Zwar nicht der Typ, der harte Checks austeilt. Aber ich bin stark am Puck und habe einen guten Schuss. Das sind meine beiden Hauptstärken.“ Einen ersten Eindruck davon vermittelte er im September beim 6:1 im Test bei Zweitligist Crimmitschau mit einem Tor und einem Assist.

Aber in einem Punkt fiel der Einstand schwer. Genau, bei der Wahl der Trikotnummer. Seine Stammzahl 23 war bereits an Nationalspieler Gerrit Fauser vergeben. „Dann nannte ich die 17.“ Pech, die befindet sich in Besitz von Kapitän Sebastian Furchner. „Okay, dachte ich, nehme ich halt die 10.“ Doch die wird zu Ehren des ehemaligen Grizzlys-Stars und heutigen Assistenztrainers Tyler Haskins nicht mehr vergeben. „Was soll’s, die 91 geht auch.“ Äh, nein, die hatte der kurz vor ihm verpflichtete Däne Phillip Bruggisser bereits gewählt. Schließlich landete Görtz bei einer Schnapszahl, der 88. „Auch cool“, sagt er und lächelt die Nummern-Odyssee gelassen weg.

Zur Person:

Max Görtz ist am 28. Januar 1993 in Höör in Südschweden geboren.

Die bisherigen Stationen des 27-jährigen rechtsschießenden Außenstürmers waren die Nachwuchsteams der Malmö Redhawks (bis 2011), Färjestads BK (SHL/2011 bis 2013), Frölunda HC (SHL/2013 bis 2015), Milwaukee Admirals (Cincinatti Cyclones (AHL/ECHL/2015 bis 2017), San Diego Gulls (2017) und wieder Malmö Redhawks (2017 bis 2020).

Die Ausbeute des 1,89 Meter großen und 91 Kilogramm schweren Rechtsaußen in seinen sieben Jahren in der schwedischen Top-Liga SHL beläuft sich auf 322 Einsätze mit 67 Toren und 60 Torvorlagen (inklusive Play-offs).

Titel und Meisterschaften gewann er im Erwachsenenbereich noch keine. Allerdings stand er in der SHL mit seinen Teams insgesamt fünfmal im Play-off-Halbfinale. „Ich möchte in meiner Karriere etwas gewinnen, bin hungrig auf Erfolg“, sagt er.

Privat lebt er mit Freundin Alexandra zusammen. Treuer Begleiter des Paares ist Hund Charly, ein Cavalier King Charles Spaniel.

Seine Hobbys sind Golf und Paddle-Tennis spielen, Freunde treffen und Cafés besuchen.

In den sozialen Netzwerken kann man ihm bei Instagram (maxgortz) folgen.

Hier gibt es weitere Porträts über die Neuzugänge der Grizzlys:

Torwart Dustin Strahlmeier

Verteidiger Janik Möser

Stürmer Phil Hungerecker

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