Grizzlys-Profis enttäuscht nach erneuter Verschiebung

Wolfsburg.  Dass die Deutsche Eishockey-Liga frühestens in der zweiten Dezember-Hälfte startet, ist für Wolfsburgs Kapitän ein „Schlag in die Magengrube“.

Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner zeigte sich enttäuscht, dass die DEL den Saisonstart ein weiteres Mal verschiebt. Nun soll es wohl am 18. Dezember losgehen.

Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner zeigte sich enttäuscht, dass die DEL den Saisonstart ein weiteres Mal verschiebt. Nun soll es wohl am 18. Dezember losgehen.

Foto: Jan Huebner/Taeger / imago images

Die Grizzlys Wolfsburg waren bereit, doch es war am Freitag keine Überraschung, dass Klubs und Liga-Leitung nach einer mehrstündigen Videokonferenz zu dem Ergebnis gekommen sind, den Start der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ein zweites Mal zu verschieben. Im Visier für den Auftakt ist nun die zweite Dezember-Hälfte, vermutlich der 18. Dezember. Bei den Akteuren des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten war die Enttäuschung über die Entscheidung spürbar. Kapitän Sebastian Furchner sagte: „Das ist schon ein Schlag in die Magengrube. Jetzt müssen wir die Zeit nutzen, um pünktlich zum Start im Dezember fit zu sein.“ Doch genau da könnte ein Haken liegen...

Denn die Grizzlys hatten die Kurzarbeitsphase im September beendet, um ins Mannschaftstraining einzusteigen. Es ist noch nicht klar, ob sie so weitermachen. „Wir hören jetzt hoffentlich nicht für einen Monat wieder auf. Im Gegenteil: Ich hoffe, wir setzen mit München und vielleicht dem einen oder anderen Team auch ein Zeichen und spielen Freundschaftsspiele“, meint Furchner. Manager Charly Fliegauf betont aber: „Wir müssen prüfen, was die erneute Verschiebung finanziell für uns bedeutet.“

Fliegauf: Verschiebung war Entscheidung für die Gemeinschaft“

Die Grizzlys gehören zu den drei Klubs, die den Starttermin am 13. November – ursprünglich war der 1. Spieltag für den 18. September geplant gewesen – gerne gehalten hätten. Doch angesichts der Tatsache, dass in diesem Falle ein Fehlbetrag von insgesamt 60 Millionen Euro die DEL-Klubs bei einer maximalen Hallenauslastung von 20 Prozent belastet hätte und deutliche Signale von Seiten der Politik ausgeblieben waren, war bereits vor dem Freitag abzusehen, dass sich der Auftakt ein weiteres Mal verschieben müsste. „Unser Ziel lautet, mit allen 14 Mannschaften eine Saison über 52 Spiele zu absolvieren. Deshalb war die Verschiebung des Starts eine Entscheidung für die Gemeinschaft“, bedeutet Fliegauf, dass auch die Wolfsburger das Votum mittragen.

Gernot Tripcke hatte in einem Statement zur neuerlichen Verschiebung gesagt: „Wir haben stets sehr deutlich und transparent kommuniziert, dass wir unter den aktuellen Vorgaben sowie mit der Unsicherheit, ob und in welchem Umfang die nötige finanzielle Unterstützung für die Klubs kommt, nicht in die Saison starten können. Daran hat sich bis heute leider nichts geändert. Von daher war diese Entscheidung alternativlos, auch wenn sie sehr schwerfällt.“ Weiter betonte der DEL-Geschäftsführer: „Wir werden weiter alles dafür tun, dass wir in die neue Saison starten können.“

Likens hadert: Es muss andere Lösungen geben, die Sinn ergeben

Bei den Grizzlys-Profis herrscht dennoch Frust. Jeff Likens meint: „Wir haben die Bereitschaft gezeigt, Opfer zu bringen, um zu spielen, und werden immer frustrierter, dass unsere Opfer nicht bei einer Lösung helfen.“ Der US-Verteidiger hadert vor allem damit, dass die Liga sich offenbar nicht ausreichend mit Alternativen beschäftigt hat: „Natürlich versteht jeder die wirtschaftliche Situation, in der sich die Liga befindet, und erkennt, dass die Liga mehr Hilfe benötigt, aber wir sind der Meinung, dass es andere Lösungen geben muss, die Sinn ergeben.“

Likens hat so seine Bedenken, ob unter den aktuellen Gegebenheiten gespielt werden kann, denn: „Staatliche Unterstützung scheint derzeit unwahrscheinlich. Und angesichts all dieser Verzögerungen fragen wir uns so langsam, ob die Liga diese Saison wirklich spielen möchte, oder ob einige Teams dies als einen Weg betrachten, um Geld zu sparen. Wir hatten Monate Zeit, um andere Lösungen zu finden, aber aus irgendeinem Grund wurde nichts gelöst.“ Seinen eigenen Arbeitgeber nimmt der Vize-Kapitän der Grizzlys dabei heraus: „Hier in Wolfsburg war Charly mit allen sehr offen, und ich betrachte uns in dieser Hinsicht als glücklich, da wir wissen, dass wir bereit sind zu spielen, sobald auch die anderen dabei sind.“

Furchner optimistisch: Gehe davon aus, dass wir dann wohl vom 18. Dezember an spielen

Offen ist auch, wie die DEL-Klubs damit umgehen werden, wenn sich ihre Profis – vor allem die ausländischen – neu orientieren wollen. Denn in den anderen europäischen Ligen wird trotz Corona wieder gespielt. Likens sagt: „Wir sehen, dass die anderen Ligen gestartet sind. Deshalb wundern wir uns, warum wir es nicht können.“ Sollten die ausländischen Spieler unruhig werden und die DEL verlassen wollen, wünscht sich Furchner, dass ihre Anliegen gehört werden: „Wenn jemand die Chance hat, irgendwo hinzugehen, wo schon gespielt wird, gebietet es die Fairness, ihn ziehen zu lassen. Das gilt nicht nur für uns, sondern für die ganze Liga. Das ist meine persönliche Meinung.“ Der Kapitän hofft aber, dass die zweite Verschiebung des Auftakts die letzte gewesen sein wird: „Ich gehe nun fest davon aus, dass wir dann wohl vom 18. Dezember an spielen.“

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