Grizzlys-Profi Adam ehrlich: „Ich war oft enttäuscht“

Wolfsburg.  Der junge Verteidiger des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten erzählt, was er aus seiner schweren Saison gelernt hat und wer ihm Halt gab.

Maximilian Adam hatte ein schweres erstes Jahr bei den Grizzlys Wolfsburg.

Maximilian Adam hatte ein schweres erstes Jahr bei den Grizzlys Wolfsburg.

Foto: imago/Eibner

Eine große Erwartung hatte bei seiner Ankunft auf beiden Seiten geherrscht, doch Maximilian Adam konnte sie in seinem ersten Grizzlys-Jahr nicht erfüllen. Der Verteidiger des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten hatte sich nach seinem Wechsel aus Berlin im Sommer 2019 mehr versprochen als 36 DEL-Einsätze mit durchschnittlich nur 6:45 Minuten Eiszeit und der Ausleihe zum Zweitligisten Kassel. Doch wie er in der Sommerpause mit der Enttäuschung umgegangen ist, weckt Hoffnungen auf eine persönlich bessere Spielzeit 2020/21.

„Ich habe die vergangene Saison mental für mich aufgearbeitet“, sagt Adam. „Ich war da oft enttäuscht und habe unabsichtlich schlechte Stimmung verbreitet. Nach außen darf man das so nicht zeigen.“ Der 22-Jährige legt eine für sein junges Alter erstaunliche Selbstreflexion gepaart mit Einsicht an den Tag. „Ich hatte vergangenes Jahr sehr konkrete Vorstellungen an meine Rolle bei den Grizzlys.“ Das sei zum Problem geworden, als es zu Beginn schlechter lief als erhofft.

Bei seinem Wechsel nach Wolfsburg war Adam von Klub-Verantwortlichen und Medien schnell als topgesetzter U23-Profi angesehen worden. Die Frage schien nur, wer den zweiten Förderlizenzspieler-Platz neben ihm belegt. „Meine Leistungen in der Vorbereitung waren meiner Meinung nach auch gut.“ Im ersten Testspiel beim 6:1 beim Zweitligisten Dresden schoss er gleich ein Tor, durfte in Überzahl ran und bereitete dort einen weiteren Treffer vor. Auch im Vorbereitungsmatch gegen Straubing traf er. „Ich dachte, ich hätte mir einen Platz in den Top 6 der Verteidiger verdient.“

Als die DEL-Saison startete, blieb Adam jedoch nur die Rolle der Nummer 7. „Das war enttäuschend. Anfangs war es sehr schwer für mich, das hinzunehmen. Ich führte in der Zeit viele Gespräche mit unserem Trainer Pat Cortina. Heute weiß ich: Ich hätte damals meine Interessen hinten anstellen sollen“, sagt Adam selbstkritisch.

Vielleicht wäre es ihm dann leichter gefallen, die sich ihm bietenden Chancen besser zu nutzen. „Immer mal wieder bekam ich eine. Dann wollte ich aber meist zu viel und machte mir Druck. ,Mach bloß keine Fehler’, dachte ich mir. Ich versuchte, mich ausschließlich auf die Defensive zu konzentrieren.“ Durch Letzteres beraubte er sich zudem auf fatale Weise seiner Stärken in der Offensive. Dass es für die ganze Mannschaft zu Saisonbeginn nicht rund lief, erschwerte Cortina die Arbeit mit den jungen Akteuren. „Ich merkte, dass Pat in der Phase lieber auf die erfahrenen Spieler setzte.“

Aus dieser Abwärtsspirale fand Adam nicht mehr heraus. Erst wurden die Eiszeiten kürzer, irgendwann reichte es nicht mehr für den Spieltagskader, und die Ausleihe zum Zweitliga-Kooperationspartner Kassel Huskies folgte. „Ich war zum Schluss sogar froh darüber, dass ich fest in Kassel war. Dort konnte ich viel spielen und spürte das Vertrauen des Trainers. Auf die Weise kehrten langsam der Spaß und das Selbstvertrauen zurück.“

Und noch jemand hatte großen Anteil daran, dass es mit Adams Stimmung und Leistung wieder nach oben ging: Tyler Haskins. Der ehemalige Grizzlys-Kapitän, der nach seinem Karriereende als Nordamerika-Scout für den Klub tätig war, wurde in der zweiten Saisonhälfte als zusätzlicher Assistenztrainer installiert. „Er arbeitete mit mir im Training an meinen Schwächen. Vor allem mein Zweikampfverhalten trainierten wir.“ Der junge Verteidiger freut sich bereits auf die kommenden Extraschichten mit dem ehemaligen DEL-Star.

Aber auch erfahrenen Spielern wie Sebastian Furchner, Garrett Festerling und Felix Brückmann ist Adam dankbar. „Sie haben viel mit mir gesprochen und mir sehr geholfen.“ Die Lehren aus der vergangenen Saison sollen Adam nun in der neuen helfen, doch noch den Durchbruch bei den Grizzlys zu schaffen. Seine wichtigste Erkenntnis: „Ich setze mir keine konkreten Ziele mehr, sondern konzentriere mich nur auf meine Aufgaben, um einen bestmöglichen Saisonstart hinzulegen.“

Die lehrreichen Negativ-Erfahrungen seien es auch, weshalb er das verkorkste 2019/20 nicht komplett aus seiner Erinnerung löscht. „Es sind wichtige Orientierungshilfen für mich, um mich weiterzuentwickeln.“ Nur diesmal dann gleich in die richtige Richtung...

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder