Grizzlys-Kapitän Furchner über Alltag in Corona-Zeiten

Wolfsburg.  Aus einem Telefoninterview wird spontan ein spannender und sehr persönlicher Podcast mit der Ikone des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten.

Interview und Podcast mal anders: Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner daheim am Telefon.

Interview und Podcast mal anders: Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner daheim am Telefon.

Foto: Privat / oh

Corona hält die Welt im Klammergriff, das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Die Deutsche Eishockey-Liga hat wie alle Sportligen in Deutschland den Spielbetrieb eingestellt. Auch Sebastian Furchner (37), der Kapitän der Grizzlys Wolfsburg, befindet sich im vorzeitigen Zwangsurlaub. Ein normales Interview-Treffen kam zum Schutz der Gesundheit nicht in Frage. Auch die Redakteure unserer Zeitung befinden sich mittlerweile im Homeoffice, um die Ansteckungsketten zu unterbrechen.

Was also tun? Spontan kam uns die Idee, unser Interview als

telefonischen Podcast zu produzieren. „Furchi“ zu Hause in seinen vier Wänden am Handy, und ich im völlig improvisierten „Tonstudio“ im heimischen Schlafzimmer. Von Corona und den Folgen für Sport und Familie über einen Rückblick bis hin zu einem Ausblick – 40 Minuten spannende und ehrliche Aussagen einer Grizzlys-Ikone. Einen Auszug daraus gibt es hier.

Furchner über ...

… die aktuelle Corona-Situation: „Das ist alles surreal, völliger Wahnsinn. Ich denke, dass wir das alle noch nicht richtig verarbeiten und manche das auch nicht verkraften, was gerade passiert. Für uns alle ist es abseits des Eishockeys eine Riesenherausforderung.“

… seine Familie – das sind Ehefrau Andrea sowie die Töchter Emma (15) und Lena (7): „Alle sind soweit gesund, aber alle sind auch unglücklich über die Situation. Wir arrangieren uns damit und haben uns mittlerweile auch ein bisschen darauf eingestellt.“

… den Alltag im Hause Furchner: „Meine kleine Tochter ist sieben Jahre alt. Es ist schwer, ihr zu vermitteln, was gerade los ist. Wir versuchen, einen geregelten Alltag hineinzubekommen. Eine Stunde Schule am Tag mit Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie darf auch Fernsehen, aber das ist zeitlich begrenzt. Wir haben uns ein Projekt im Garten ausgedacht. Wir statten ihr Spielhaus mit Tür und Fenster aus. Aber es ist mir schon angst und bange, was unser nächstes Projekt sein könnte. Meine große Tochter wird schon 16 Jahre alt. Sie trifft es natürlich hart. Sie ist sonst viel unterwegs mit Freunden draußen in der Stadt oder auch mit ihrem Freund. Da kann man nur das Gespräch suchen. Das hat sie schon gut verstanden, dass das keine Bestrafung ist, was hier gerade abgeht. Sondern dass man sich gesellschaftlich einschränken muss. Das macht sie schon gut mit. Aber sie tut mir sehr leid, weil die angedachte Party und der Familienbesuch zu ihrem 16. Geburtstag nun ins Wasser fallen. Wir müssen als Familie das Beste aus der Situation machen.“

… die vergangene Saison, die die Grizzlys als Neunter abschlossen: „Die Saison war durchwachsen. Wir hatten Phasen, in denen wir richtig gut gespielt haben. Aber auch welche, in denen wir nicht richtig schlecht gespielt haben, aber einfach nicht gepunktet haben. Der neunte Platz ist nicht das, wohin wir wollten. Aber es zählt nur die Play-off-Qualifikation. Denn dort hatten wir in der Vergangenheit der Saison oft den nötigen Glanz verliehen, weil wir auf den Punkt da waren. Diese Möglichkeit ist uns in diesem Jahr nicht gegeben durch die Absage. Wir können den neunten Platz nicht aufpolieren durch eine gute Leistung in den Play-offs. Da hätten wir die Saison besser aussehen lassen können.“

… seine persönlichen Ziele in 2020/21: „Ich möchte meine beste Leistung abliefern. Das ist für mich keine Frage des Alters. Wenn ich die Zeichen richtig deute, wird es zu einem großen Prozentsatz meine letzte Saison. Aber entschieden ist auf keinen Fall etwas. Wenn ich noch den Spaß daran habe und in irgendeiner Form mitspielen kann, sehe ich keinen Grund, aufzuhören.“

… den Anspruch, den er an sich und seine Grizzlys-Kollegen in der nächsten Spielzeit hat: „Nach fünf Finalteilnahmen in meiner Karriere – drei mit Wolfsburg, zwei mit Köln – ist eine sechste und die Meisterschaft mein Anspruch. Dafür müssen wir halt schon 52 Spieltage richtig gute Leistungen bringen, um die bestmögliche Ausgangslage für die Play-offs zu haben.“

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