Grizzlys Wolfsburg – DEL sagt Saison wegen Coronavirus ab

Nach zweitägiger Diskussion reagiert die Deutsche Eishockey-Liga auf die Coronavirus-Ausbreitung und beendet die Spielzeit ohne Meister.

Die Eis-Arena bleibt leer. Die DEL hat die Play-offs komplett abgesagt.

Die Eis-Arena bleibt leer. Die DEL hat die Play-offs komplett abgesagt.

Foto: imago/Jan Huebner

Die Saison 2019/2020 geht als trauriges Kapitel in die Geschichte der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ein. Wegen des sich stark ausbreitenden Coronavirus’ beendet die DEL die Saison vorzeitig ohne Meister. Damit fallen auch die Play-off-Spiele der Grizzlys Wolfsburg weg.

Das ist das Ergebnis einer abschließenden Telefon-Konferenz aller DEL-Klubs, die am frühen Dienstagnachmittag begonnen hatte. Um etwa 18 Uhr gab dann die DEL folgende Pressemitteilung heraus:

„Die Deutsche Eishockey-Liga sieht sich gezwungen, die aktuelle Saison mit sofortiger Wirkung vorzeitig zu beenden. Die anstehenden Play-offs können nicht mehr durchgeführt werden. Grund dafür sind die Verbote diverser Bundesländer, Großveranstaltungen wie Spiele der DEL mit mehr als 1000 Zuschauern stattfinden zu lassen. Die DEL folgt damit auch den offiziellen Empfehlungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Gesundheitsminister Jens Spahn, die nun in den behördlichen Verboten umgesetzt wurden.

,Dass wir die Entscheidung so treffen müssen, tut uns für alle Klubs, Partner und insbesondere Fans in ganz Deutschland unheimlich leid. Wir haben aber angesichts der aktuellen Entwicklungen die Pflicht, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen. Wir als DEL stellen die Gesundheit von unseren Fans, Spielern und Mitarbeitern in den Fokus’, so Gernot Tripcke, Geschäftsführer der DEL.

Aufgrund der vorzeitigen Beendigung der Saison gibt es in diesem Jahr keinen Deutschen Meister. Als Hauptrundensieger vertritt der EHC Red Bull München gemeinsam mit den Adlern Mannheim, den Straubing Tigers und den Eisbären Berlin die DEL in der Champions Hockey League (Saison 2020/21).“

Nachdem sich die Lage in den vergangenen Tagen massiv verschlechtert hatte und Bundesgesundheitsminister Spahn am Sonntag eine Absage aller Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern empfohlen hatte, folgten viele Bundesländer und Kommunen dieser Empfehlung.

Für die DEL hatte es somit nur noch zwei Möglichkeiten gegeben. Erstens (wie geschehen): Die Play-offs komplett abzusagen und Hauptrunden-Sieger München zum Meister zu küren. Oder zweitens: Die Saison ohne Zuschauer zu Ende zu bringen.

Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf war am Dienstagabend nach Verkündung die Betroffenheit deutlich anzumerken. „Es hatte sich schon am Montagabend in Gesprächen mit der Liga angedeutet. Auch der wirtschaftliche Schaden für die Klubs wäre viel größer geworden, wenn wir zum Beispiel ohne Zuschauer weitergemacht hätten. Der gewählte Weg ist den Fans am besten vermittelbar“, sagte er.

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Ohne Zuschauereinnahmen hätten sich die von Runde zu Runde steigenden Erfolgsprämien für die Teams nicht mehr decken lassen. „Außerdem, was wäre gewesen, wenn sich ein Spieler oder ein anderer Mitarbeiter einer Organisation angesteckt hätte? In dem Fall wäre es auch nicht weitergegangen, das hätte unsere Entscheidung nachträglich ad absurdum geführt“, sagte Fliegauf weiter.

Das Schwerste stand ihm nach der entscheidenden Telefonkonferenz bevor. In der Kabine wartete die versammelte Mannschaft mit gepackten Taschen, schließlich sollte es mit dem Bus nach Nürnberg gehen, wo am Mittwochabend Spiel 1 der 1. Play-off-Runde stattgefunden hätte. „Das war ein schwarzer Moment. Du gehst in die Kabine und teilst den Spielern mit, dass es keine Play-offs gibt. Da flossen bei einigen auch die Tränen“, sagte er mit einem dicken Kloß im Hals.

Für den 36-jährigen Grizzlys-Profi Christoph Höhenleitner zum Beispiel wären es die letzten Play-offs gewesen, nach der Saison wollte er seine Karriere beenden – nun ging es schneller als gedacht. „Es gibt Wichtigeres im Leben“, sagte er. Die Gesundheit der Bevölkerung gehe schließlich vor. „An meiner Karriere ändert das trotzdem nichts.“

„Wir nehmen es, wie es kommt, schließlich können wir es nicht kontrollieren“, hatte Grizzlys-Verteidiger Jeff Likens bereits am Dienstagvormittag nach dem Abschlusstraining gesagt. Der Klub hatte extra seine Abfahrt zum ersten Spiel in Nürnberg auf den späteren Nachmittag verschoben, wollte abwarten, wie die DEL entscheidet. Die Entscheidung tut letztlich richtig weh.

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