Im Klang des Herzschlags

Die Trommel-Show „Yamato“ gastiert eine Woche lang in der Staatsoper Hannover. Sie lebt vom tiefen, vollen Ton der dicken Taiko-Trommeln.

Szenen aus der Trommelshow "Yamato".

Foto: Masa Ogawa

Szenen aus der Trommelshow "Yamato".

Yamato, die populären Trommler aus Japan, sind schon seit 20 Jahren in der Welt unterwegs und beeindrucken mit ihrer Virtuosität die Zuschauer. Vom 3. bis 14. Juli gastieren sie mit ihrer neuen Show „Chousensha“, deutsch: die Herausforderer, in der Staatsoper Hannover. Die Kostüme entwarf der berühmte japanische Modeschöpfer Kansai Yamamoto. Den künstlerischen Leiter Masa Ogawa befragte vorab Andreas Berger.

Worin liegt die kulturelle Basis des Schlagzeugs in Japan? Trommeln waren als Kultinstrumente eingesetzt, mit welcher Bedeutung? In Europa ist es erstaunlich, dass nur Schlaginstrumente allein gespielt wurden, nicht im Verein mit anderen Instrumenten.

Das japanische Schlaginstrument Taiko (zu Deutsch: dicke Trommel) ist eine besondere Sache für Japaner. In früherer Zeit wurde ein Taiko benutzt, um zu Gott zu beten, oder auch bei Schlachten im Krieg. Der Klang des Taiko ist also nicht nur ein Geräusch, sondern auch die Stimme des Geistes. Taikos klingen schwer, tief und laut, aber auch angenehm. Sie können die Seele ausdrücken, und ihr Klang bedeutet menschliche Energie.

Natürlich gibt es noch viele andere traditionelle japanische Instrumente, und sie werden oft mit Taikos zusammen eingesetzt. Aber wenn nur Taikos allein gespielt werden, lässt sich die Kraft und die Energie des Volkes viel direkter spüren.

Was verändert sich, wenn diese Instrumente nun außerhalb eines rituellen Gebrauchs im Konzert, ja einer Show erklingen. Oder soll es immer noch ein Ritus mit spiritueller Wirkung sein?

„Yamato“ nutzt Taikos in einer Unterhaltungsshow, ganz klar. Aber wir wollen durch das Taiko-Trommeln dem Publikum etwas von der Energie des Instruments weitergeben. Wir wollen die Show wie ein Fest mit dem Publikum gemeinsam feiern und uns durch die Taikos gegenseitig ermutigen. Natürlich ist die äußere Anmutung der Show nun etwas anders als bei den alten Zeremonien, aber „Yamato“ ist schon eine ganz ehrliche Feier der Energie des Volkes.

Sie touren seit 20 Jahren mit „Yamato“. Wie schaffen Sie es, die Show immer wieder zu variieren, damit sie (auch für Sie) interessant bleibt?

Taikos sind so einfache Instrumente wie nur irgend möglich. Sie brauchen bloß draufzuschlagen, und der Klang ist da. Und doch können Taikos durch diesen Klang alles ausdrücken, was Sie wollen. Wenn ich zum Beispiel ein neues Taiko-Lied komponiere, versuche ich immer ein Wort zu finden, das meine Gedanken anregt. Während ich an das Wort denke, schreibe ich die Noten nieder, und schon ist ein neues Lied geboren.

Die Musik wird also neu komponiert. Oder wurden auch die alten Zeremoniallieder aufgeschrieben und es gibt noch Noten davon?

Es gibt noch viele alte Noten der traditionellen Lieder. Und eben auch viele neue. Zum Beispiel habe alle Lieder für die „Yamato“-Shows ich selbst komponiert.

Wird nur getrommelt oder auch getanzt?

„Yamato“ ist Taiko-Trommeln mit stark trainierten Körpern. Ich weiß nicht, ob man das Tanz nennen kann. Aber die Körper sind beim Trommeln natürlich voll in Aktion, und die Bewegungen entsprechen dem Tanzen der menschlichen Energieströme.

Was wollen Sie mit Ihrer Show erreichen? Geht es auch um Einblicke in die japanische Kultur oder nur um Spaß?

Wir benutzen die traditionellen Taikos, aber alles andere ist für „Yamato“ neu erdacht: die Lieder, die Inszenierung, Kostüme, Lichtdesign etc. Das Publikum lernt also Taikotrommeln und damit eine Facette der japanischen Kulturtradition kennen. Die Vibrationen der Taikos und die ganze „Yamato“-Show können Menschen glücklich machen. Es geht um den Zauber und die spirituelle Energie der Taikos gleichermaßen.

Müssen Ihre Trommler Ohrstöpsel tragen?

Nein, gar nicht. Taikos sind aus Holz gemacht und mit Kuhfellen bespannt. Der tiefe Klang dringt in den Körper ein, aber er geht nicht so übers Ohr. Taikoklang ist eher wie das Schlagen des Herzens, das macht ihn so besonders. Man muss ihn im Körper spüren.

Schlagzeug kann ja an sich sehr aggressiv und laut sein. Dann sind Taikos wohl durch ihre tiefe, hüfthohe, gewölbte Form angenehmer im Klang.

Unsere sind wie gesagt aus Holz und Kuhleder, geformt wie in alten Zeiten. Wir Japaner hängen an dem Glauben, dass in allen Dingen der Natur eine Art Gott wohnt. Besonders dicke, große Bäume werden verehrt. Daher glauben die Leute, dass in den Taikos, die aus solchem Holz gemacht werden, die Stimme Gottes klingt. Ich glaube, dass jeder, der vor einem Taiko steht, eine heilige Atmosphäre spüren kann. Wie gesagt, der laute tiefe Klang unterscheidet Taikos von allen anderen Instrumenten und dringt nicht übers Ohr, sondern durch alle Poren in den Körper ein. Das ist Vibration. Manche würden es vielleicht mit dem Bass der Beatmusik vergleichen. Aber Taikos sind weniger Rhythmus oder Beat, sondern mehr tiefdringender Klang.

Kurz gesagt, musikalische Fertigkeit oder Harmonien sind beim Taikotrommeln nicht wichtig. Und bei „Yamato“ schon gar nicht. Das wichtigste bei „Yamato“ ist die Synchronität. Die trainierten Trommler müssen genau miteinander synchron sein, der Klang und ihre Körperbewegungen müssen synchron sein, und auch ihre Herzschläge und die der Zuschauer können durch Taikos synchron werden. So wird alles eins. Das ist das Wichtigste am Taiko-Trommeln. Am besten, man erlebt das mal mit.

Die Kostüme hat Kansai Yamamoto entworfen. Regiert nun Chic statt archaischer Tradition die Show?

Für „Chousensha“, was Herausforderer heißt, wollten wir die Kraft der Herausforderung spüren. Darum haben wir Yamamoto gefragt, den bekannten und energievollen Modedesigner. Normalerweise machen wir unsere Kostüme selbst. Indem wir in diesem Programm seine Kostüme tragen, versuchen wir auch seine Energie aufzunehmen.

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