Tote in Salzgitter

Mädchen in Salzgitter getötet: Die Chronik einer furchtbaren Tat

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Eine 15-Jährige aus Salzgitter-Fredenberg wurde getötet. Am Dienstag fand die Polizei ihre Leiche. 

Eine 15-Jährige aus Salzgitter-Fredenberg wurde getötet. Am Dienstag fand die Polizei ihre Leiche. 

Foto: Rudolf Karliczek / Salzgitterinfos

Salzgitter.  Drei Tage lang hat Salzgitters Polizei nach einer vermissten 15-Jährigen gesucht. Dann stieß sie auf ihre Leiche. Die Chronik des Verbrechens.

Die fieberhafte Suche nach einer vermissten 15-jährigen Schülerin aus Salzgitter wurde auf schreckliche Weise beendet: Am Dienstag fand die Polizei ihre Leiche auf einem verwilderten Grundstück mitten im Fredenberg. Mehr als 50 Beamte, Spürhunden und eine Drohne samt Wärmebildkamera waren an der Suche beteiligt.

Seit Mittwochnachmittag steht fest: Sie wurde erstickt. Die Ermittler gehen von einem Gewaltverbrechen aus. Dringend tatverdächtig sind zwei Jugendliche im Alter von 13 und 14 Jahren, Mitschüler des toten Mädchens. Das Protokoll eines unfassbaren Kriminalfalls.

Donnerstag, 23. Juni: Tatverdächtige in Untersuchungshaft und Psychiatrie

8.20 Uhr: Der 13-jährige Tatverdächtige wurde mit Zustimmung der Eltern in eine kinder- und jugendpsychiatrische Einrichtung gebracht. Dort soll er mindestens für mehrere Wochen bleiben.

Donnerstag, 15 Uhr: Die Ermittler gehen bisher von einer geplanten Tat aus, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Die beiden Jungen sollen das Mädchen als Feindin angesehen haben. Ein Eifersuchtsdrama, ein Sexualdelikt oder eine rassistisch motivierte Tat schließt die Staatsanwaltschaft bisher aus. Medienberichten zufolge soll ein dritter Jugendlicher Zeuge oder Mitwisser der Tat gewesen sein, die Polizei habe ihn kurzzeitig festgenommen. Demnach sei er gezwungen worden, den Mord mit anzusehen.

Mittwoch, 22. Juni: Obduktionsergebnis liegt vor

17.30 Uhr: Seit diesem Zeitpunkt steht fest: Sie wurde erstickt. Das Amtsgericht Braunschweig erließ umgehend einen Haftbefehl wegen Mordes, der 14-jährige Junge sitzt seitdem in Untersuchungshaft – dies sei unabhängig von der Fluchtgefahr bei Mord oder Totschlag üblich, erklärt Christian Wolters, Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Wegen des strafunmündigen 13-Jährigen, bei dem eine Inhaftierung nicht möglich ist, wurde das Jugendamt der Stadt Salzgitter vom Tatverdacht in Kenntnis gesetzt. Er soll in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht werden, um Gefahr für ihn oder Dritte abzuwenden.

Mittwoch, 12 Uhr: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig bestätigt, dass es sich bei der Frauenleiche um das seit Sonntag vermisste 15-jährige Mädchen handelt, die am wenige 100 Meter entfernten Schulzentrum unterrichtet wurde. Die Ermittler gehen von einem Gewaltverbrechen aus – und haben bereits Tatverdächtige im Visier. Zwei Jugendliche, 13 und 14 Jahre alt, Mitschüler der getöteten 15-Jährigen. An der Schule, die alle drei besuchten, ist tiefe Bestürzung zu spüren. Am abgesperrten Fundort der Leiche haben Unbekannte Blumen niedergelegt und Trauerkerzen aufgestellt.

Dienstag, 21. Juni: Die Polizei entdeckt die Leiche

17 Uhr: Die Beamten sichern weitere Spuren, die Straße bleibt abgeriegelt, gilt nun als Tatort. Wer dort wohnt, muss sein Auto außerhalb abstellen, sich bei der Polizei melden, wird zur Wohnung begleitet. Wie lange es dauern wird, bis alle Spuren ausgewertet und asserviert sind? Das könne „einige Tage“ dauern, vermutet Pintak. Was die gerichtsmedizinische Untersuchung der Leiche zum möglichen Tatablauf und zu Details des mutmaßlichen Gewaltverbrechens zu Tage fördern wird, ist völlig offen. Was bleibt, ist Ohnmacht, Entsetzen und Sprachlosigkeit angesichts einer Gewalttat, die sich inmitten eines Wohngebiets zugetragen haben könnte. „Wenn das zutrifft, handelt es sich um ein schlimmen Fall, wie ich ihn hier noch nicht erlebt habe“, sagt Pintak betroffen.

12.05 Uhr: Der Hans-Böckler-Ring ist durchweg mit Absperrbändern abgeriegelt, die Polizei konzentriert Einsatzkräfte und Fahrzeuge auf das Grundstück. Schaulustige säumen den Kurt-Schumacher-Ring. Die Informationen, die Pressesprecher Pintak gibt, sind äußerst spärlich. „Derzeit ermittelt die Polizei die Identität der jungen Frau. Ob es sich um das vermisste 15-jährige Mädchen handelt, müssen die Ermittlungen zeigen. Dies kann derzeit noch nicht bestätigt werden“, sagt er. Offiziell heißt es, weder Selbsttötung noch Gewaltverbrechen seien auszuschließen. Weitere Ermittlungen müssten nun klären, wie die Frau gestorben sei. Die Polizei ermittele in alle Richtung, betont Pintak.

11.44 Uhr: Nur wenige Minuten, nachdem die Drohne hoch in der Luft ihre Kreise über dem unbebauten Grundstück zieht, meldet die Polizei den Fund einer weiblichen Leiche.

11.26 Uhr: Die Suche konzentriert sich auf das bewaldete Eckgrundstück zwischen Kurt-Schumacher und Hans-Böckler-Ring. Ein Ermittlerteam fährt vor und hievt einen „DJI Matrice 300“ aus dem Kofferraum. Die mit einer Wärmebildkamera ausgestattete Drohne ist seit 2010 bei solchen Suchen im Einsatz. 35 Minuten lang kann sie sich in der Luft halten. Doch sie hat einen Nachteil, sagt die Beamtin, die die Drohne fernsteuert. Die Drohne kann menschliche Körper nur orten, solange sie sich auf freiem Gelände befinden. Unter Blättern oder Laubwerk ist die Suche zum Scheitern verurteilt.

11.15 Uhr, Hans-Böckler-Ring: Alle möglichen Theorien sind denkbar. Ist das Mädchen womöglich von daheim ausgerissen? Hatte die 15-Jährige einen Unfall, liegt vielleicht schwer verletzt nach einem Sturz hilflos in einem Graben? Doch je länger die Beamten suchen, desto mehr sinkt die Hoffnung im Fall der Schülerin aus dem Fredenberg. Viele Beamte haben begonnen, systematisch Wertstoffinseln abzusuchen. Müllbeutel werden geöffnet, der Inhalt nach Spuren durchsucht. Morgens schon waren Altkleider-Container geöffnet worden, weil nicht auszuschließen war, dass das Mädchen dort hineingefallen war und nicht mehr herauskommt. Indes kursiert ihr Foto sogar in den sozialen Netzwerken.

Dienstag, 11 Uhr, Kurt-Schumacher-Ring: Zahlreiche Einsatzfahrzeuge der Polizei stehen auf dem Parkplatz des Lidl-Marktes. Auf den Straßen sind uniformierte Polizisten zu sehen, die Passanten befragen, Müllcontainer durchsuchen und die Wohngegend in der Nähe des Schulzentrums systematisch abgehen auf der Suche nach Spuren der vermissten Mädchens.

Montag, 20. Juni: Die Suche beginnt

Montag: Keine 24 Stunden später begann die Suche. Erste Befragungen von Menschen aus dem näheren Umfeld der Schülerin hätten keine hilfreichen Erkenntnisse erbracht. Unterstützt von der Diensthundestaffel und Kräften der Zentralen Polizeidirektion hätten Ermittler das gesamte Quartier durchkämmt, erst in den Abendstunden sei die Suche unterbrochen worden. „Wir hoffen immer noch, dass wir das Mädchen lebendig auffinden“, meint Sprecher Matthias Pintak.

Sonntag, 19. Juni: 15-Jährige wird als vermisst gemeldet

Sonntag: Ein 15-jähriges Mädchen aus Salzgitter ist offenbar nicht nach Hause gekommen. Angehörige der Schülerin gaben bei der Polizei eine Vermisstenanzeige auf.

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