Frau pflegt Eltern bis in Tod – nun spendet sie alles dem Hospiz

Salzgitter.  Die Hospizarbeit ist angewiesen auf Spenden. Wie die von Gisela W. Sie pflegte ihre Eltern allein. Ihr Vermögen vermacht sie dem Hospiz Salzgitter

Gisela W. (78) vermacht ihr Vermögen dem Hospiz Salzgitter. Die frühere Professorin für Arbeitswissenschaft an der TU Hannover pflegte ihre eigenen Eltern – ohne jede Unterstützung. „Ich will, dass andere es besser haben als ich", sagt sie – und hofft, dass andere es ihr nachtun. Für ihr Engagement erhielt vom Hospiz eine Urkunde, die vor der Weltkarte steht, auf der W. die Länder markiert hat, die sie bisher bereiste.

Gisela W. (78) vermacht ihr Vermögen dem Hospiz Salzgitter. Die frühere Professorin für Arbeitswissenschaft an der TU Hannover pflegte ihre eigenen Eltern – ohne jede Unterstützung. „Ich will, dass andere es besser haben als ich", sagt sie – und hofft, dass andere es ihr nachtun. Für ihr Engagement erhielt vom Hospiz eine Urkunde, die vor der Weltkarte steht, auf der W. die Länder markiert hat, die sie bisher bereiste.

Foto: Erik Westermann / BZV

Wenn Bekannte erfahren, dass Gisela W. (78) das Hospiz in Salzgitter-Bad als alleinigen Erben ihres Vermögens eingesetzt hat, fragen sie oft ungläubig nach dem Warum. Und was ist das überhaupt, ein Hospiz? Wieso eine Einrichtung für unheilbare kranke Menschen unterstützen? Das kann die kinderlose frühere Professorin für Arbeitswissenschaft genau erklären – aus eigener Anschauung.

Seit 2013 unterstützt sie das stationäre Hospiz im Süden Salzgitters. Die Gründe dafür liegen in ihrer Familie.

Zweieinhalb Jahre lang kümmerte sich die frühere Hochschuldozentin um ihre Eltern – „beide Schwerstpflegefälle“. Das war Anfang der 1990er Jahre. „Damals gab es so gut wie keine Unterstützung. Nur ein Pflegebett vom Roten Kreuz.“ Ansonsten war die agile, feinsinnige Frau auf sich allein gestellt. Und das alles neben ihrer Tätigkeit an der Universität Hannover. „Das war schwierig“, sagt W. und nippt an ihrem Tee. Eine glatte Untertreibung. Denn am Ende brach sie zusammen.

Nachdem sie wieder auf die Beinen kam, fasste sie irgendwann den Entschluss: „Andere sollen es besser haben als ich.“ Als sie Jahre später Hospiz-Geschäftsführerin Britta Bötel kennenlernte, passte alles.

5000 Euro spendet die weitgereiste 78-Jährige bereits jetzt pro Jahr an die gemeinnützige Einrichtung. Schenkungen. Sozusagen als Vorschuss auf den Nachlass. W. fragt, was gebraucht wird und finanziert es. Über die Entwicklung der Investition hält Bötel sie auf dem Laufenden, die beiden verstehen sich.

Normalerweise schaut sich die 78-Jährige das Resultat auch an. Jetzt in der Corona-Pandemie ist das nicht möglich. Sie ist bei Neuigkeiten und Veränderungen in dem Haus trotzdem auf dem Laufenden und kann zudem wunderbar erklären, worum es in der Hospizarbeit geht. Darum, Schwerkranken in der letzten Phase ihres Lebens ein Zuhause zu geben, in dem sie umsorgt werden. „Dort kann man zur Ruhe kommen und wird umsorgt. Die Großfamilie, die das früher getan hat, die gibt es meist nicht mehr. So kann man trotz Krankheit in Würde gehen.“

Dass das für die Gäste des Hospizes nichts kostet, erstaunt viele, denen Gisela W. davon berichtet, umso mehr. Ihr geht es in den Gesprächen darum, „den Menschen eine Anregung und ein Beispiel zu geben.“

Es gibt nicht viele wie Frau W., die einen großen Teil oder ihr gesamtes Vermögen einem guten Zweck überlassen, sagt Geschäftsführerin Bötel. Menschen, die auf diese Weise Spuren hinterließen auch nach ihrem Tod. Dabei sind Spender für das Hospiz überlebenswichtig.

Zwar tragen Kranken- und Pflegeversicherung den größten Teil der Kosten der Einrichtung. Doch eben nicht alles. 150.000 bis 180.000 Euro muss Bötel jährlich einwerben, damit das Haus so arbeiten kann, „wie wir Hospizarbeit verstehen“. Deshalb sind alle Unterstützer wichtig. „Auch jene, die kleinere Beträge geben“, sagt Bötel, die seit 2007 das Hospiz leitet. „Auch fünf Euro helfen.“

Nicht nur das Geld sei von Bedeutung, auch die Geste der Anerkennung und Wertschätzung für die geleistete Arbeit sei viel wert, findet Bötel. Und nicht weniger bedeutsam seien die Ehrenamtlichen , die dem Hospiz Zeit spenden. Sie bepflanzen Blumenkästen, legen eine Streuobstwiese an, putzen Fenster und sind Ansprechpartner und Begleiter für die Hospizgäste.

Bötel nennt ein Beispiel, was Zuwendungen bewirken können. „Es gab einmal einen Gast im Hospiz, der beobachtete im Winter gern die Vögel draußen am Futterkasten.“ Seine Angehörigen finanzierten eine Vogeltränke. So spenden damit die Tiere den Menschen im Hospiz auch im Sommer Freude.

Info

Es gibt viele Wege , das Hospiz zu unterstützen , erklärt Geschäftsführerin Britta Bötel. Per Testament lässt sich ein Teil oder das ganze Vermögen vermachen, die Schenkung kann eine Form der Nachlassregelung zu Lebzeiten sein. Wer das Hospiz bedenken möchte, kann Kontakt zu Bötel aufnehmen unter (05341) 86611-12 . Spendenkonto bei der BLSK: DE48 2505 0000 0199 9617 23.

Seit 15 Jahren gibt es das Hospiz in Salzgitter-Bad. In einer Artikel-Reihe stellen wir Menschen und Arbeit der gemeinnützigen Einrichtung vor. 24 Mitarbeiter kümmern sich hier um bis zu 8 Gäste. Dazu kommen 19 Ehrenamtliche. Durchschnittlich 130 Hospizgäste begleitet das Team pro Jahr auf dem letzten Weg. Auf
15 Jahre gerechnet sind es 2000 Menschen, die hierher kamen – und nicht alleine waren, als sie für immer gingen.

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