Junges Trio aus Salzgitter wegen Gewalttat verurteilt

Salzgitter.  Die drei schlugen und traten in Braunschweig auf den damaligen Freund ihrer Schwester ein. Vor Gericht gestanden sie nun sämtliche Taten.

Drei junge Angeklagte wurde nun wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung vor dem Amtsgericht Salzgitter verurteilt. Sie hatten ihrer jüngeren Schwester sowie deren damaligem Freund im vergangenen November übel mitgespielt.

Drei junge Angeklagte wurde nun wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung vor dem Amtsgericht Salzgitter verurteilt. Sie hatten ihrer jüngeren Schwester sowie deren damaligem Freund im vergangenen November übel mitgespielt.

Foto: Jürgen Stricker

Ein Trio aus Salzgitter – eine 25-Jährige, ihr Bruder und ein Bekannter (beide 20) – ist am Montag vor dem Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Freiheitsberaubung verurteilt worden. Die drei waren im vergangenen November in Braunschweig in die Wohnung eines 20-Jährigen eingedrungen und hatten ihm übel zugesetzt.

Hintergrund: Der Mann war zum damaligen Zeitpunkt mit der jüngeren Schwester des Geschwisterpaars liiert und wohnte seit Kurzem mit ihr zusammen – eine Beziehung, die zumindest Teile der Familie nicht guthießen. Am 10. November klingelten ihre Geschwister dann gemeinsam mit dem Bekannten an der Wohnungstür des Lebensgefährten, um die 18-Jährige ins Elternhaus nach Lebenstedt zu bringen.

Salzgitter-Lebenstedt: Trio schlägt Freund der Schwester nieder und bedroht ihn mit Waffen

Nachdem sie sich mit körperlichem Nachdruck Zutritt verschafft hatten, schubsten sie den 20-Jährigen zu Boden und schlugen und traten wiederholt auf ihn ein. Der zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alte Bruder der Freundin bedrohte das Opfer zudem mit einem Messerwir berichteten über den Vorfall.

Auch die jüngere Schwester bekam etwas ab: Sie wurde von den Eindringlingen an den Haaren herumgeschleudert und geschlagen. Als der Freund ihr daraufhin zur Hilfe kommen wollte, holte der Bruder der Geschädigten eine Pistole (laut Angaben der Angeklagten eine Gaspistole) hervor und sagte: „Ich zeige dir, was für ein Mann ich bin!“ Dann schlug er mit den Worten „Ich mach’ dich kalt!“ mehrfach gegen den Kopf des 20-Jährigen. Schließlich sperrte das Trio den bereits stark blutenden Mann im Bad ein.

19-Jähriger aus Salzgitter zu seinem Opfer: „Ich schwöre, du bist tot!“

Die drei forderten ihn auf, mit zu den Eltern der Freundin zu kommen, was er aber verweigerte. Daraufhin lud der Bruder laut Anklageschrift die Pistole durch und hielt sie ihm an den Kopf: „Ich schwöre, du bist tot!“ Die ältere Schwester (damals 24) rief demnach: „Wir machen die beiden kalt!“ Der Geschädigte konnte, nachdem er Tritte in den Genitalbereich bekommen hatte, aber aus der Wohnung fliehen.

Er zog sich bei den Übergriffen unter anderem Verletzungen am Kopf sowie verschiedene Prellungen im Brust- und Schulterbereich zu, wie eine Untersuchung im Städtischen Klinikum Braunschweig ergab. Zudem hatte er zeitweise Blut im Urin. Seine damaligen Freundin wurde von ihren Geschwistern nach den Geschehnissen zurück zu den Eltern gebracht. Dort griffen sie Spezialkräfte der Polizei später auf.

Amtsgericht Salzgitter: Angeklagte räumen Vorwürfe ein – Richterin findet deutliche Worte

Die Angeklagten räumten vor Gericht schließlich sämtliche Vorwürfe ein. Dem Geschädigten blieb die Aussage so erspart. Die 18-Jährige musste nicht vor Ort erscheinen, da sich ihre Geschwister und der Bekannte bereits im Zuge der Ermittlungen in Detailfragen kooperativ gezeigt hatten.

Dieses Verhalten hielt die Vorsitzende Richterin den dreien dann auch zugute – erinnerte aber gleichzeitig mit eindringlichen Worten daran, welchen vor allem psychischen Schaden sie bei ihren jungen Opfern verursacht hätten. Beide mussten ihre Ausbildungsstelle kündigen und haben, nachdem sie zuvor unter Polizeischutz standen, den Wohnort gewechselt. Ein Paar sind sie heute auch nicht mehr.

Urteil: Neun Monate Bewährung für ältere Schwester, Entschädigung für Gewaltopfer

Die ältere Schwester bekam nun eine Bewährungsstrafe von neun Monaten, außerdem muss sie die Verfahrenskosten tragen. Die beiden Jüngeren wurden nach Jugendstrafrecht verwarnt, darüber hinaus müssen sie ein mehrmonatiges Anti-Aggressions-Training absolvieren. Alle drei müssen zudem jeweils 500 Euro in Raten als Entschädigung an den 20-Jährigen zahlen.

Zu ihrer Schwester sollen die beiden Geschwister zudem keinen Kontakt mehr suchen – „es sei denn, sie wünscht es“, wie die Vorsitzende betonte. Sie hoffe, dass das Trio, das strafrechtlich zuvor nur in geringem Ausmaß in Erscheinung getreten war und einvernehmlich auf eine Berufung verzichtete, aus den Konsequenzen der Tat die richtigen Lehren ziehe: „Beim nächsten Mal kommen Sie nicht mehr so glimpflich davon.“

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