Die Polizei in Salzgitter-Bad – „ein bisschen wie eine Familie“

Salzgitter-Bad.  Das Kommissariat im Süden Salzgitters ist die zweitgrößte Polizeidienststelle in der Stadt. Und ein wenig anders als andere Dienststellen.

Thomas Schrader in der Wache des Polizeikommissariats Salzgitter-Bad.

Thomas Schrader in der Wache des Polizeikommissariats Salzgitter-Bad.

Foto: Erik Westermann / BZV

„Wir haben ein bisschen eine Sonderrolle.“ Michael Organiszak, Leiter des Polizeikommissariats (PK) in Salzgitter-Bad und damit der zweitgrößten Dienststelle der Stadt, meint das nur positiv. „Hier ist alles ein bisschen weniger anonym. Ein bisschen sind wir wie eine Familie.“ Allerdings eine große Familie: Organiszak ist der Chef von 60 Mitarbeitern. Zuständig für rund 47.000 Menschen. Der Erste Kriminalhauptkommisssar trägt mit Gebhardshagen und Baddeckenstedt auch die Verantwortung für zwei untergeordnete Polizeistationen. Und viel weiter weg von der Verwaltung der gesamten Polizeiinspektion in Lebenstedt kann man in Salzgitter kaum sein.

So ist das Kommissariat eine eigene kleine Welt, ein großer Satellit im Orbit des Mutterschiffes: mit eigenen Ermittlern und eigenem Einsatz- und Streifendienst für alle Soforteinsätze. Mit einem eigenen Trakt von Arrestzellen – und drei angrenzenden Landkreisen. Hier ist vieles eine Nummer weniger hektisch, als im Norden der Stadt. „Hier tauchen zwar alle Arten von Delikten auf – auch in groß. Aber die Umgebung ist eher ländlich, mit Dörfern drumherum. Das macht sich bemerkbar“, sagt der Polizist, der zuvor das Fachkommissariat 5 – unter anderem mit der Spurensicherung – des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) in Lebenstedt geleitet hat. Er hat im Herbst 2019 die Leitung übernommen. Mit ihm kam Katharina Galland, die neue Leiterin des Kriminal- und Ermittlungsdienstes.

Eine abgeschlossene Abteilungim selben Gebäude

Aber auch der Dienstsitz Am Pfingstanger hat eine spezielle Geschichte. Vor der Polizei hatte hier die Zentrale Beweismittel- und Dokumentationsstelle der Landesjustizverwaltungen ihren Sitz. Dazu bis 1982 das Amtsgericht. Wo früher Recht gesprochen wurde und DDR-Unrecht dokumentiert, haben nun etwas mehr als 40 Polizisten ihren Sitz.

Wer durch eine Tür im zweiten Stock schreitet, der betritt zudem einen weiteren „Sonderbereich“, der das Kommissariat im Süden der Stadt abhebt vom Rest. Das Fachkommissariat 4 ist hier angesiedelt – der polizeiliche Staatsschutz. Zuständig für politisch motivierte Straftaten. Eine Abteilung, die auch innerhalb der Polizei streng von anderen Abteilungen abgetrennt ist (und noch später in der Serie vorgestellt wird).

Rund 2000 Straftaten pro Jahr ereignen sich pro Jahr im Bereich des PKs. Rund ein Viertel der Mitarbeiter von Organiszak sind Ermittler, die sich – aufgeteilt in fünf Arbeitsfelder – mit der Aufklärung von leichten und mittelschweren Taten befassen. „Die Aufklärungsquote liegt bei rund 60 Prozent.“ Sexualstraftaten und schwere Kriminalität hingegen werden vom ZKD in Lebenstedt bearbeitet.

Dass Salzgitter-Bad mit Wolfenbüttel, Goslar und Hildesheim an drei Kreise angrenzt, hat praktische Auswirkungen. Als ständig besetzte Dienststelle rücken die Polizisten dann auch schon einmal zu einem nächtlichen schweren Unfall in Liebenburg aus – denn die dortige Station ist so spät nicht mehr besetzt. „Dann ruft man auch schon einmal aus Goslar an und fragt: Könnt ihr? Und dass es darum geht, im Sinne der Bürger schnellstmöglich zu helfen, machen wir das natürlich“, sagt der 56-jährige Leiter.

Geschlossen ist nie: In drei Schichten zum Wohle der Bürger

Das Kommissariat in Salzgitter-Bad hingegen ist rund um die Uhr besetzt. „Hier ist nie abgeschlossen“, erklärt Jürgen Woelke. Der 52-jährige Polizeihauptkommissar leitet den Bereich des Einsatz- und Streifendienstes. Wie Organiszak arbeitete auch er zuvor in Lebenstedt. Dort war er Dienstschichtleiter. „Dort ist der städtische Charakter ausgeprägter, die Arbeit auf der Straße noch enger getaktet. Zudem muss man in Lebenstedt immer mit Solidarisierungseffekten rechnen.“ Die Beamten sähen sich dann schnell einer ganzen Gruppe gegenüber.

Übersetzt heißt das wohl: In Lebenstedt muss man noch mehr mit allem rechnen als im Süden der Stadt. „Die Einsatzbelastung ist hier aber nicht weniger hoch“, meint der Leiter des Einsatzdienstes. Denn: Weniger Straftaten bedeuten eine geringere Personalstärke.

Ganz besonders fällt Woelke und Organiszak auf, wie viele positive Rückmeldungen es im Süden der Stadt aus der Bevölkerung gibt für die Beamten. Kinder kämen zu Besuch, auch die Jugendfeuerwehren. Aber auch ältere Bürger äußerten häufiger am Telefon ihre Dankbarkeit.

30.000 Besucher: Beim Altstadtfest packen alle mit an

Zu den größten Herausforderungen des Jahres in Salzgitter-Bad gehört sicherlich das jährliche Altstadtfest mit seinen Zehntausenden Besuchern. Alle Beamten machen mit. „Keiner geht in Urlaub.“ Auch die Ermittler sind dabei. Im vergangenen Jahr habe die große Präsenz wieder Erfolg gezeigt. „Für den Bürger blieb alles relativ ruhig.“

Und das ist letztlich doch auch in den Einsatzkräften am liebsten so.

Das Kommissariat in Zahlen:

Das Polizeikommissariat Salzgitter-Bad ist mit 47.000 Menschen im Süden der Stadt und der Samtgemeinde Baddeckenstedt zuständig.

Etwa drei Viertel der Mitarbeiter gehören zum Einsatz- und Streifendienst. Ein Viertel sind Ermittler, die in fünf Bereichen leichter und mittlerer Kriminalität zuständig sind: Rohheits-, Eigentums-, Vermögens-, Jugend und Verkehrsdelikte.

Jährlich ereignen sich zirka 2000 Straftaten im Bereich des PKs. Die Aufklärungsquote liegt seinem Leiter zufolge bei 60 Prozent.

DIE SERIE

„Unsere Polizei in Salzgitter“ heißt die neue Serie der Salzgitter-Zeitung, die in einer mehr als 20-teiligen Serie Einblicke in eine Welt eröffnet, die den meisten verborgen bleibt. Unsere Reporter fahren mit auf Streife, blicken hinter die Kulissen der Kriminalpolizei, berichten über Karriere-Möglichkeiten, ein Schießtraining – und gehen auch Ihren Fragen rund um die Polizei auf den Grund: Wer ist überhaupt „die Polizei“? Wer ermittelt? Ab jetzt erfahren Sie wöchentlich hier mehr. Sie haben eigene Fragen zum Thema? Schreiben Sie an: redaktion.sz@bzv.de

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