Förster klagt: Immer mehr Müll in Salzgitters Wäldern

Salzgitter.  Von Altöl bis Spielzeug wird alles abgeladen. Revierförster Frank Täge ist entsetzt und lässt nun eine erste Schranke bauen.

Salders Revierförster Frank Täge beklagt eine Müllflut in den Wäldern Salzgitters. Kleidung, Spielzeug, Kuscheltiere, Altöl, Bauschutt und asbesthaltige Materialien werden zunehmend häufig im Wald abgeladen.

Salders Revierförster Frank Täge beklagt eine Müllflut in den Wäldern Salzgitters. Kleidung, Spielzeug, Kuscheltiere, Altöl, Bauschutt und asbesthaltige Materialien werden zunehmend häufig im Wald abgeladen.

Foto: Jürgen Stricker

Förster Frank Täge ist sauer: Das Abladen von Müll in Salzgitteraner Wäldern hat in diesem Jahr extrem zugenommen, berichtet er. Teils werden hochgradig umweltgefährdende Stoffe, darunter Altöl, in den hiesigen Wäldern entsorgt. Auch Grünabfälle, die zu einem Problem für die Natur werden können, finden sich immer wieder. Nun planen die Niedersächsischen Landesforsten, die sich die Barrierefreiheit der Wälder auf die Fahnen geschrieben haben, kurzfristig mindestens an einer Waldeinfahrt wieder Schranken aufzubauen.

Täge hat Protokoll geführt. Allein sieben Vermerke nur zu den größeren Umweltverschmutzungen hat er für den Zeitraum zwischen Mai und Juli notiert. Im Hallendorfer Wald etwa fand er Anfang Mai mehrere Kubikmeter Bauschutt und Sperrmüll vor. Unterhalb der Burgruine Lichtenberg fanden sich im selben Monat mehrere Kanister Altöl sowie Autoreifen und wieder Sperrmüll. Im Beddinger Holz entsorgten Unbekannte im Juli große Mengen behandeltes Altholz und darüber hinaus Dachpappe.

Und immer wieder ist die Waldzufahrt Calbecht/Engerode ein Thema: Ölfilter, Altöl, Eternitabfälle, Dacheindeckungen, Sperrmüll verschiedenster Art und vieles mehr findet sich hier regelmäßig. „Hier werden wir nun auch eine Doppelschranke aufbauen lassen“, sagt Täge. Das sei schmerzlich, weil die Barrierefreiheit im Wald damit eingeschränkt werde. Und auch, weil das Vorhaben voraussichtlich einen mittleren vierstelligen Betrag kosten werde. Aber eine Alternative sehe er dazu nicht mehr. Notfalls müssten sogar an weiteren Stellen in Salzgitters Wäldern Schranken installiert werden.

Arne Kirschner aus Söhlde, der hier in Calbecht/Engerode regelmäßig mit seinem Hund spazieren geht, findet es „erschreckend, was die Leute hier abladen. Ich hoffe, dass den Umweltsündern eine Lehre erteilt wird.“ Immer wieder sehe er hier große Mengen Müll. Täge erfährt im Gespräch mit Kirschner, dass der Waldfreund der Stadt Salzgitter kürzlich eine große Menge Müll gemeldet hat, die es gar nicht mehr in die Statistik des Försters geschafft hat. Offenkundig, weil der für die Abfuhr zuständige Städtische Regiebetrieb (SRB) den Müll schnell abräumte. Zuvor hatte Kirschner in dem Müll noch eine Adresse auf einem Stück Papier entdeckt. Er hofft, sofern es sich um den Verursacher handeln sollte, dass er zur Rechenschaft gezogen wird.

Bei der Polizei kommt es verhältnismäßig selten zu Anzeigen wegen illegaler Abfallentsorgung. „Oft sind wir nicht im Bereich einer Straftat“, erklärt Salzgitters Polizeisprecher Matthias Pintak, „sondern es handelt sich regelmäßig um Ordnungswidrigkeiten. Beispielsweise, wenn Hausmüll entsorgt wird.“ Um diese Vergehen kümmere sich das Ordnungsamt. Als es in Calbecht/Engerode Mitte Juli zur Entsorgung von umweltgefährdendem Müll wie Altöl und Ölfiltern kam, ist eine Strafanzeige geschrieben worden. Ein Täter konnte bisher allerdings noch nicht ermittelt werden.

Die Stadt Salzgitter bestätigt, dass es in diesem Jahr zu einer vermehrten Müllentsorgung in größerem Stile in den Wäldern gekommen ist. Was bisher habe vom SRB „abgeräumt“ werden müssen, finde sich sonst in einem gesamten Jahr in den Wäldern. Die Verursacher könnten nur selten ermittelt werden. Wenn sie erwischt werden, drohen ihnen Bußgelder. Zwischen 10 Euro etwa für das Wegwerfen eines Taschentuchs und in schweren Wiederholungsfällen bis zu 50.000 Euro.

Eine ordnungsgemäße Entsorgung ist in jedem Fall günstiger: Baustellenabfälle, Grünschnitt oder Sperrmüll bis zu einem Kubikmeter und einem Gewicht von 200 Kilogramm werden auf der Deponie Diebesstieg für sieben Euro angenommen. Die Entsorgung von Altöl kostet 0,50 Eurocent pro Kilogramm.

Auch angesichts dieser günstigen Preise kann Täge überhaupt nicht nachvollziehen, warum Menschen ihren Müll im Wald verklappen. „Das ist doch ohnehin schon alles auf dem Hänger, die müssen doch nur zur Deponie fahren.“

Täge warnt auch dringend davor, auch und gerade Menschen die in direkter Nachbarschaft zu Wäldern wohnen, Grünabfälle im Wald zu entsorgen. „Ein Hauptproblem zum Beispiel bei Grasschnitt ist, dass es sich um artfremdes Material handelt. Damit können Krankheiten in den Wald gebracht werden. Zum Beispiel die Sitkalaus, die komplette Blaufichtenkulturen vernichten kann.“ Ahornbäume wiederum könnten von der Teerfleckenkrankheit befallen werden. Auch die Herkulesstaude sei in der Nähe der Nord-Süd-Straße durch Entsorgung von Grünabfall eingeschleppt worden. Täge konnte die Ausbreitung der auch für den Menschen gefährlichen Pflanze glücklicherweise noch verhindern.

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