Kundinnen werden für Banken immer wichtiger

Braunschweig.  Junge Frauen informieren sich online zu Finanzthemen. Expertin: Wichtig bleibt die unabhängige Beratung.

Die Scheidung ist für viele Frauen in finanzieller Hinsicht ein „Wachwerd-Moment“, sagen Kundenberaterinnen.

Die Scheidung ist für viele Frauen in finanzieller Hinsicht ein „Wachwerd-Moment“, sagen Kundenberaterinnen.

Foto: Symbolfoto: ERIC AUDRAS / imago/PhotoAlto

Es ist noch gar nicht lange her, da sind Beratungen von Ehepaaren in ihrer Hausbank vor allem auf den Ehemann ausgerichtet gewesen. Schließlich hat er das Geld verdient und meist auch entschieden, welcher Kredit aufgenommen wird, welche Konten geführt werden und wie das Ersparte angelegt werden soll. Doch inzwischen hat sich das geändert. „Heute ist es für die Banken interessant, sich mit Frauen als Kundinnen zu beschäftigen“, sagt Nicole Lamping, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Sie stehen häufiger in Lohn und Brot als noch vor Jahren: So hat etwa 1991 nur rund jede zweite Frau gearbeitet, heute sind es 72 Prozent. Und sie seien auch mal gut verdienende Singles, die sich etwas leisten könnten. „Frau ist die neue Zielgruppe“, erklärt Lamping.

Elke Steinhoff ist Kundenberaterin bei der Volksbank Harz. Diese hat schon 2009 das „Frauen-Banking“ aufgesetzt. Steinhoff fällt in ihren Beratungen selbst immer wieder auf, dass es für Frauen „Fallen“ gebe, die dafür sorgten, dass sie finanziell schlecht oder zumindest schlechter als der Partner dastehen. Da sei zum einen die Scheidung, die aus finanzieller Sicht für die Frauen meist schlechter ausgingen.

Frauen schieben finanzielle Vorsorge vor sich her

Frauen ergriffen außerdem deutlich häufiger als Männer Berufe, die schlechter bezahlt sind. „Sie bekommen außerdem die Kinder und damit geht oft ein Karriereknick einher“, sagt Steinhoff. Denn noch immer seien es die Frauen, die dann in Teilzeit arbeiten gingen und sich ansonsten um die Kinder kümmerten, oder sogar ihren Beruf ganz aufgäben. „Dadurch kommen sie auf insgesamt weniger Berufs- und damit Beitragsjahre in der Rentenversicherung“, erklärt Steinhoff nüchtern die Konsequenz. Die Pflege von Angehörigen sei eine weitere „Falle“, denn auch die übernehmen vor allem Frauen. „Fünftens leben Frauen länger“, sagt sie. „Aber die Frage ist, wovon?“ Viele Frauen würden es vor sich herschieben, sich um die eigene finanzielle Absicherung zu kümmern, obwohl sie doch eigentlich wüssten, dass das nötig sei.

Susi Schmidt, 29, ist Filialleiterin bei der Braunschweigischen Landessparkasse. Auch sie berichtet, dass sich die meisten Frauen zu wenig mit ihren Finanzen auseinandersetzen würden. „Wir alle wissen vom Gender Pay Gap, tun aber zu wenig“, sagt Schmidt. Gerade eine Scheidung sei für Frauen „so ein Wachwerd-Moment“. Dann merkten sie, dass sie weniger finanzielle Rücklagen hätten, als gedacht.

Kundenberaterin: Mischung ist wichtig

Damit Frauen früher anfangen vorzusorgen, hat die Landessparkasse mit einer Werbekampagne den Fokus auf die Altersvorsorge von Frauen gelenkt. „In der Beratung machen wir erst einmal eine Bestandsaufnahme: Was ist überhaupt schon da an Altersvorsorge?“, erklärt Schmidt. Das sei fast immer die gesetzliche Rentenversicherung. Gemeinsam schaue man dann, ob für die Kundin noch eine staatliche Förderung wie die Riester-Rente sinnvoll ist, eine private Rentenversicherung oder die Investition in Aktien und Fonds. „Die Mischung ist wichtig“, sagt Schmidt.

Die Volksbank Harz geht mit dem „Frauen-Banking“ über diese klassische Beratung hinaus. Steinhoff geht es dabei ums Netzwerken, ums Informieren – aber auch darum, Kundinnen an die Bank zu binden. Sie glaubt, dass Frauen eine andere Form der Beratung schätzen und dann umso loyalere Kunden sind. Das Format „Frauen-Banking“ ist laut Steinhoff erfolgreich. „Wir können uns gar nicht retten vor Teilnehmerinnen“, sagt die 57-Jährige – „normalerweise“. Wegen der Corona-Pandemie konnte in diesem Jahr keine Veranstaltung stattfinden, auch für 2021 ist wegen des Virus noch keine geplant. „Ideen haben wir aber genug“, sagt Steinhoff.

Das Ziel der Bank ist nach ihren Angaben, auf diesen Treffen „locker“ mit Kundinnen ins Gespräch zu kommen. Auf einer Veranstaltung berichtete laut Steinhoff etwa eine Rechtsanwältin über das Thema Familienrecht, Ehe und Scheidung und beantwortete Fragen. Auf einer anderen Veranstaltungen stellten sich drei Gründerinnen vor, die je eine Boutique, ein Kosmetikstudio sowie eine Konditorei führten. „Interessierte Kundinnen erhalten dann Informationen aus erster Hand zu den Themen des Gründens oder der Geschäftsübernahme: Worauf muss ich achten? Wo können Schwierigkeiten lauern?“.

Finanzheldinnen & Co.

Die besagten Unternehmerinnen stellten dort auch ihre Produkte und Services vor, die Konditorin servierte etwa Pralinen mit einem Volksbank-Logo, die Boutique-Inhaberin organisierte eine Modenschau und die Kosmetikerin legte zwei Bank-Mitarbeiterinnen kurzerhand ein Abend-Make-Up auf.

Man versuche immer, eine gute Mischung hinzubekommen, sagt Steinhoff. Und auch zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Denn natürlich mache das Format auch Werbung für die eigenen Firmenkunden. Steinhoff betont, dass über allem aber ein Ziel stehe: „Frauen sollen für sich sorgen können.“

Lamping von der Verbraucherzentrale plädiert dafür, sich unabhängig beraten zu lassen, eine ausschließliche Beratung durch die eigene Hausbank sieht sie kritisch. „Grundsätzlich ist es erst einmal schön, wenn die Banken auf das Thema aufmerksam machen. Aber eine Bank ist kein unabhängiges Beratungsinstitut, sie verkauft die eigenen Produkte“, warnt sie. Der Kunde sei eben ein Kunde. Lamping: „Vor 30 Jahren war es für Banken noch nicht interessant, sich mit Frauen zu beschäftigen, heute schon.“ Die „Frau von heute“ sei aber kritischer, berichtet Lamping aus ihrer eigenen Beratungs-Praxis. „Der erste Weg führt sie nicht mehr unbedingt zu ihrer Bank.“ Junge Frauen informierten sich im Web.

Dort ist die Fülle an Informationen groß: Die Finanzheldinnen, Madame Moneypenny oder der Blog Fortunalista sind nur einige Portale, auf denen Frauen andere Frauen über die Themen Geld und Anlagen informieren. „Erst einmal ist das super. Ich finde es toll, dass Frauen sich für das Thema Finanzen öffnen“, sagt Lamping dazu. Sie rät aber dennoch dazu, auch diese Portale kritisch zu hinterfragen. „Welches Wissen steckt dahinter? Wird für eine Bank oder für ein Produkt Werbung gemacht?“. Eine Ergänzung zur Online-Lektüre seien Zeitschriften, wie etwa „Finanztest“ der unabhängigen Stiftung Warentest. Sich breit zu informieren, sei der beste Weg, meint Lamping – das schließe auch, aber nicht nur, Banken mit ein.

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