EU muss sich wappnen

„Doch die EU muss dafür gewappnet sein, dass die Zahl der Erkrankten steigt, auch weil man zu wenig weiß.“

Die Nachrichten aus Asien über die Entwicklung der Coronaseuche sind beunruhigend. Das Virus hat sich mit einer Geschwindigkeit ausgebreitet, die die Gefahr einer weltweiten Pandemie von Tag zu Tag größer werden lässt. Kann die Seuche noch rechtzeitig eingedämmt werden?

Ja, aber die Chancen sinken. In einer fortgeschrittenen globalisierten Welt reisen eben auch Krankheitserreger rund um den Globus. Die chinesischen Behörden haben zwar mit drakonischen Maßnahmen, mit der Quarantäne für viele Millionen Menschen, das Tempo der Ausbreitung jenseits der Landesgrenzen bremsen können – aber die Lage haben sie nicht im Griff. Es bleibt ein tragisches Versäumnis, dass chinesische Funktionäre am Anfang lange versuchten, den Seuchenausbruch zu vertuschen; so ging viel Zeit verloren.

Die Folgen sind weltweit spürbar, weil China global eine so wichtige Rolle spielt. Schon warnt die EU-Kommission vor Risiken für das Wachstum in Europa. Und als die EU-Gesundheitsminister am Donnerstag in Brüssel zu einem Krisentreffen zusammenkamen, unterließen sie erfreulicherweise alle Beschwichtigungsversuche.

Stattdessen ist klar: Die Vorbereitungen für eine Verschlechterung der Lage in Europa laufen längst, von der Krankenhaus-Notfallplanung bis zum Aufstocken der Schutzausrüstung. Noch steht Europa gut da. Doch die EU muss dafür gewappnet sein, dass die Zahl der Erkrankten deutlich steigt, auch weil man zu wenig über das Virus weiß. Nein, Anlass zur Panik besteht deshalb nicht. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bleibt für die Bürger gering, tödliche Verläufe sind relativ selten. Aber ja, man darf besorgt sein. Wenn das Virus einmal in Deutschland zirkulieren sollte, sind die Schutzmöglichkeiten überschaubar, solange kein Impfstoff zur Verfügung steht.

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