Osterloh: VW kann strengere CO2-Grenzwerte einhalten

Wolfsburg.  Das Angebot an E-Modellen reiche aus, um Strafen zu verhindern. Allerdings hätten viele Kunden noch vorbehalte.

Die Industrie dürfe bei dem Umbau zur E-Mobilität nicht allein gelassen werden, forderte Osterloh.

Die Industrie dürfe bei dem Umbau zur E-Mobilität nicht allein gelassen werden, forderte Osterloh.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Wie kein anderer der klassischen Autobauer setzt VW auf den Ausbau der Elektro-Mobilität. Allerdings müssen noch einige Voraussetzungen erfüllt werden, damit die Strategie aufgeht. Das betonten VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und seine Stellvertreterin Daniela Cavallo am Freitag in Wolfsburg. Ihre Stichworte lauteten: staatliche Unterstützung, Qualifizierung der Mitarbeiter, Beschäftigungssicherung sowie Aufbau der eigenen Software-Kompetenz.

Ab nächstem Jahr dürfen Autos im Schnitt nur 95 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen. Wird diese Grenze überschritten, drohen Strafzahlungen. Auf VW könnten theoretisch Milliarden zukommen. Mit der Entwicklung von Elektro-Fahrzeugen und Investitionen in den Ausbau der Lade-Infrastruktur leiste VW einen großen Beitrag, um die strenger werdenden CO2-Vorgaben zu erfüllen, sagte Osterloh. Bis 2024 will VW 33 Milliarden Euro in die E-Mobilität investieren.

Allerdings gebe es bei den Kunden noch große Vorbehalte gegenüber der E-Mobilität. Nach Angaben des Betriebsratschefs, der sich auf eine Umfrage bezog, erwägt zwar etwa jeder zweite potenzielle Autokäufer den Erwerb eines E-Autos. Nur 3 Prozent würden sich aber am Ende für einen Stromer entscheiden. Als Haupthindernis werde die lückenhafte Lade-Infrastruktur genannt.

Die Industrie dürfe bei dem Umbau zur E-Mobilität nicht allein gelassen werden, forderte Osterloh. „Jetzt von den Fahrzeugherstellern zu verlangen, baut noch mal schnell die Lade-Infrastruktur auf, das finde ich schon spannend.“ Er kritisierte, dass die Stromnetze in Süd- und Südost-Europa nicht für die Belastungen durch die E-Mobilität ausgelegt seien. Mit Blick auf staatliche Unterstützung sprach sich Osterloh für Kaufanreize für E-Autos aus und für eine Unterstützung bei der Qualifizierung von Mitarbeitern. Außerdem müssten die Entscheidungen der Politik für die Hersteller verlässlich sein.

Der Betriebsratschef machte auch deutlich, dass er an den Erfolg der E-Mobilität trotz aller Sorgen glaube. Wenn die Hindernisse beseitigt würden, sei VW durch sein Angebot an Elektro-Fahrzeugen in der Lage, drohende Strafzahlungen für das Überschreiten der CO2-Grenzwerte zu verhindern. Dazu „müssten die Kunden das Volumen Elektroautos kaufen, das wir zur Verfügung stellen“.

Der Betriebsratschef richtete den Blick auch nach innen, wo ebenfalls noch Hindernisse für den Erfolg der E-Mobilität zu finden seien. Als Beispiel nannte er die Entwicklung der Fahrzeug-Software, die als Verkaufsargument immer wichtiger werde. Osterloh und Cavallo unterstrichen, dass VW das Tempo beim Aufbau einer eigenen Software-Kompetenz erhöhen müsse.

Der Eigenentwicklungsanteil zwischen 2 und 8 Prozent sei zu gering. Die konzernweite Bündelung der Software-Kompetenz in der Gesellschaft „Car.Software Org“ sei zwar richtig, allerdings müsse sie gut vorbereitet und organisiert sein, um die Bereitschaft der Mitarbeiter für einen Wechsel zu erhöhen. In die Gesellschaft sollen Mitarbeiter von VW, Audi und Porsche wechseln, zudem will VW Fachleute von außen holen. Ab 2025 sollen in der Gesellschaft 10.000 Software-Experten arbeiten. Nach Angaben Osterlohs muss VW bessere Einkommen und Arbeitsbedingungen bieten, um die besten Fachkräfte zu gewinnen. „Der Haustarif reicht da nicht.“

Cavallo wies auf die Notwendigkeit einer eigenen Batteriezell-Fertigung von Volkswagen hin. Nur so lasse sich die Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern verhindern. Außerdem biete die eigene Zellfertigung die Möglichkeit, Beschäftigung zu sichern und Ersatzarbeitsplätze aufzubauen. Das sei umso wichtiger, weil der Umbau zur E-Mobilität sowie die Digitalisierung in Produktion und Verwaltung Arbeitsplätze kosten werde.

Cavallo sagte, dass sich der Betriebsrat für eine weitere Batteriefabrik in Deutschland einsetze. „Wir können uns Emden sehr gut vorstellen.“ Eine Entscheidung sei aber nicht gefallen. In Emden sollen in Zukunft E-Autos produziert werden. Zunächst wird in Salzgitter eine eigene Fertigung von Batteriezellen aufgebaut.

Mit Blick auf die im Frühjahr beginnende Tarifrunde bei VW sagte Cavallo, dass die Erwartung der Mitarbeiter groß sei, am jüngsten Erfolg des Autobauers beteiligt zu werden. Parallel dazu werde derzeit über weitergehende Forderungen beraten. Dazu gehörten zum Beispiel Zusatzleistungen für Mitglieder der IG Metall.

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