Die Apotheke – Ort der Gemeinschaft

Wendeburg  Gespräche als Medizin: In der Wendeburg Apotheke nimmt sich Inhaberin Anne-Kathrin Rollko Zeit für die Sorgen ihrer Kunden.

Anne-Kathrin Rollko (links), Inhaberin der Wendeburger Apotheke, ist mit Leib und Seele im Einsatz.

Anne-Kathrin Rollko (links), Inhaberin der Wendeburger Apotheke, ist mit Leib und Seele im Einsatz.

Foto: Nina Schacht

Beim Betreten der Apotheke klingelt eine Glocke an der Tür. Dann begrüßt Inhaberin Anne-Kathrin Rollko ihre Kunden – fast immer mit Namen. In der Wendeburg Apotheke kennen sich die Menschen untereinander. Kaum einer gibt sein Rezept stumm ab und verschwindet rasch wieder. Stattdessen stehen persönliche Beziehungen im Mittelpunkt und die Zeit für einen Plausch.

„Manche Kunden schütten ihr Herz bei mir aus“, sagt Anne-Kathrin Rollko. Dabei trifft die Bezeichnung „Kunden“ nicht auf die Beziehung die Menschen zu, die in ihre Apotheke kommen. „Das ist schon eine familiäre Atmosphäre bei uns.“ Sie kennt viele Geschichten und die Schicksale dahinter. „Wenn Menschen einen Angehörigen verloren haben, erzählen sie mir davon.“ Sie versuche dann, Trost zu spenden. „Manchmal hilft Zuhören dann mehr als ein Medikament.“

Doch natürlich interessiert sich die Apothekerin auch für die medizinische Seite ihres Berufes. „Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Naturwissenschaften“, sagt sie. Und mit einem Zahnarzt als Vater und einem Onkel, der auch Apotheker ist, sei sie mit diesem Beruf schon sehr vertraut gewesen. Schon im Alter von zwölf Jahren wusste sie, dass sie Apothekerin werden möchte.

Im Jahr 2008 Jahren übernahm Rollko die Apotheke an der Peiner Straße. „In meiner Dorf-Apotheke fühle ich mich sehr wohl“, sagt sie. Und die Inhaberin weiß, wovon sie spricht. Drei Jahre lang arbeitete sie in Oldenburg. „Die Anonymität der Stadt ist nicht schön“, erinnert sie sich. Da stehe oft der Verkauf eines Medikaments im Vordergrund, und nicht die persönliche Ebene. „Hier in Wendeburg kenne ich die Krankheitsgeschichten der Menschen.“ So könne sie auch gezielter auf Wechselwirkungen hinweisen.

Im Gespräch mit den Kunden erfahre sie auch, dass so manches Medikament eben nicht optimal zum Krankheitsbild passe. „Ein falsches Herzmedikament kann Husten verursachen.“ Wer davon geplagt ist, sei dankbar für eine Beratung. „Die Menschen geben mir viel zurück.“

Das sei auch ein klarer Vorteil gegenüber dem Bestellen von Medikamenten im Internet. „Eine Beratung findet dort nicht statt“, sagt sie. Und die persönliche Ebene fehlt ganz. Weiterer Pluspunkt gegenüber dem Onlinehandel: dringend benötigte Medikamente können von einer ortsansässigen Apotheke schneller nach Hause geliefert werden.

Aktuelles Gesprächsthema in der Apotheke ist Amelie, fünf Monate alt. Die Tochter der Inhaberin wächst quasi in der Apotheke auf. Alle fünf Mitarbeiter unterstützen die Mutter. Und bevor die Wendeburger ihr Rezept auf den Tresen legen, werfen sie einen Blick in den Kinderwagen. Eine Kundin brachte zur Geburt der Tochter selbst gestrickte Socken mit.

Manchmal bedient die Inhaberin mit ihrer Tochter auf dem Arm. „Es ist ein gutes Gefühl, dass alle hier Rücksicht nehmen“, sagt sie. Auch wenn es mal länger dauert, bis die Apothekerin ihre Tochter in den Kinderwagen gelegt hat. „Die Zeit auf dem Dorf ist entschleunigt.“ Ein weiterer Vorteil gegenüber der Großstadt. Und: In der Wendeburg Apotheke kann die Mutter ihre Familie und Beruf unter einen Hut bringen. „Wir wohnen über der Apotheke, so sind selbst Notdienste und ein Baby zu meistern.“

Die Bedenken, ihrem Kind und der Arbeit nicht gerecht zu werden, haben sich nicht bestätigt. „Man weiß ja vorher nicht, was auf einen zukommt.“ Kurz nach der Geburt fing sie wieder an zu arbeiten. „Ich bin gerne in meiner Apotheke und will beides sein: Mutter und Apothekerin.“ Und irgendwie klappt es, sagt sie und lächelt, auch wenn es mitunter stressig ist. Ihre Mitarbeiterin ruft aus dem Nebenzimmer zu: „Zusammen schaffen wir das schon.“ Gemeinschaft – das scheint das Geheimrezept zu sein.

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