Zusammen feiern ja – aber nicht vereinen

Wendeburg  Die Vereine der Ortsteile Wendezelle, Zweidorf und Wendeburg wollen eigenständig bleiben.

Ein Leser aus Wendeburg fragt:

Die Ortsteile Zweidorf, Wendeburg und Wendezelle bilden seit fast 50 Jahren eine kommunale Einheit. Aber immer noch gibt es die Vereine zwei- und dreifach. Wäre es nicht an der Zeit für Fusionen, für Großvereine?

Die Antwort recherchierte Bettina Stenftenagel

Der Kernort Wendeburg sei „etwas speziell“. „Es gibt nahezu von jeglichen Vereinen drei Stück – sei es nun der Schützenverein, die Jäger oder die Junggesellschaften. Es gibt ja auch noch drei Volksfeste. Für die Ortsteile Zweidorf, Wendezelle und Wendeburg jeweils eins“, schreibt der Leser in unserem Portal Idee 38.

„Die Feuerwehren machten vor ein paar Jahren den Schritt“, erinnert er und fragt: „Warum tun die Sportvereine TSV Zweidorf/Wendeburg und TSV Wendezelle nicht selbiges, um eine zukunftsfähige Sportförderung für die Gemeinde zu gewährleisten?“ Vieles sei doch nur Gewohnheit, so die Auffassung des Lesers weiter. „Ob nun grün-weiß, Blau-Weiß oder Schwarz-Weiß. Die Übungsleiter, Materialien und das Know-How sollten gebündelt werden. Wenn nämlich Galionsfiguren aussterben, wird es auf lange Sicht keinen Landesliga-Handball oder Bezirksliga-Fußball mehr geben. Sponsoren, die lange aus Gewohnheit unterstützten, werden weniger. Konzeption statt Klüngel ist gefragt.“

Die Sportvereine TSV Wendeburg und TSV Zweidorf sind seit 1. Januar 2016 ein Verein. Er zählt 530 Mitglieder. „Es war ein richtiger Schritt in die Zukunft“, sagt Vorsitzender Harald Lange. „Wir haben eine Anlage mehr, mehr Spielraum und mehr Mitgliederbeiträge“, listet er auf. „Aber auch mehr Arbeit“, räumt er ein.

Ende Mai vergangenen Jahres stellte der „neue“ Verein TSV 1896 Zweidorf-Wendeburg sich der Öffentlichkeit vor. Damals stellte der Vorsitzende fest: „Die Gesellschaft verändert sich und Vereine müssen das auch tun.“

Aus drei Sportvereinen wurden also zwei. Wie stehen die Zeichen für eine weitere Fusion? „Vor zehn Jahren gab es Diskussionen darüber. Anlass war die Jugendspielgemeinschaft mit Wendeburg“, sagt Jürgen Hornig, Vorsitzender des rund 1000 Mitglieder zählenden TSV Wendezelle. Der Gedanke sei jedoch verworfen worden und auch aktuell werde kein Anlass gesehen. Der TSV Wendezelle habe keine Nöte, erklärt er. Und: „Wir haben unterschiedliche Angebote und machen uns keine Konkurrenz“, sagt Hornig, „abgesehen von den Hallenzeiten“. Zu bedenken gibt er dies: „Ein Verein mit dann rund 1500 Mitgliedern wäre zu groß, um ihn noch mit ehrenamtlichen Kräften zu führen.“ Hornig räumt zur Fusionsfrage aber ein: „In einigen Jahren mag das anders aussehen“, sagt Hornig.

Die Chöre – Frauenchor Zweidorf, Männergesangverein Zweidorf und Gemischter Chor Wendezelle – bilden seit dem vergangenen Jahr eine Singgemeinschaft. Mit rund 45 Sängerinnen und Sängern ist sie stimmgewaltig, was jeder Chor für sich nicht mehr war. „Wir haben eine tolle Gemeinschaft“, sagt Bettina Marschall, Vorsitzende des Gemischten Chores Wendezelle. Dass die drei Gesangvereine sich aber zu einem einzigen Verein zusammenschließen, „das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Bettina Marschall. Zu sehr sei in den Köpfen noch das „Denken in Ortsteilen“.

Wäre ein großes Volksfest im Kernort nicht besser als drei kleine? Diese Frage will Bürgermeister Gerd Albrecht in einem Gespräch mit den Vorsitzenden der drei Traditionsgemeinschaften ansprechen. Beim Weihnachtsmarkt arbeiten die drei „Tradis“ seit einigen Jahren bereits erfolgreich zusammen. Warum also nicht bei einem großen Volksfest?

„In der Ortschaft Wendeburg wird die alte Tradition von zum Beispiel drei Festen, Volksfest Zweidorf, Schützenfest Wendezelle und Oktoberfest Wendeburg, halt gepflegt“, sagt Ortsbürgermeister Sigurt Grobe. „Das ist in der Sache zu begrüßen. Es darf nicht Angelegenheit der Politik sein, sich dort einzubringen. Auch ist es offensichtlich nicht zum Nachteil des Ortes. Große Teile der Bevölkerung ziehen hier auch mit, das kann man beobachten.“

Grobe weiter: „Die zwei Sportvereine haben, bis auf Fußball, unterschiedliche Angebote. Die drei Traditionsgemeinschaften organisieren zusammen in einer guten Art und Weise den Wendeburger Weihnachtsmarkt. Dass wir im Kernort so traditionsbewusst unsere Feste feiern, unser Sportangebot regeln, sollte man einfach positiv akzeptieren. Wenn die es nicht mehr möchten, dann werden sie es auch in die entsprechende Richtung vermitteln.“ Die Größe eines Festes sei für Fröhlichkeit nicht entscheidend.

Dass die Zusammenarbeit beim Weihnachtsmarkt gut funktioniere, das bedeutet nicht, dass auf Dauer zusammengelegte Traditionsgemeinschaften unbedingt auch ein besseres gemeinsames Schützenfest veranstalten können, sagt Detlef Marschall, Vorsitzender der Traditionsgemeinschaft Wendezelle.

Alle drei Traditionsgemeinschaften seien relativ junge Vereine. Wendezelle wurde 2008 gegründet. „Auch zu diesem Zeitpunkt gab es bereits Überlegungen von Vereinen mit anderen zu fusionieren.“ Aber jeder der drei Ortsteile habe seine eigene Geschichte und Tradition, auf die die Bewohner stolz seien. Lediglich die bauliche „Einheit“ lasse einen Ort vermuten.

Zweidorf feiere ein tolles Volksfest im Zelt, Wendeburg habe mit seinem „Oktoberfest“ den größten Zulauf, die Wendeburger Traditionsgemeinschaft veranstalte mit großem Erfolg auch den Tanz in den Mai, listet Marschall auf. „Wir Wendezeller feiern ein kleines aber feines Schützenfest.“ Gerade das diesjährige habe nach Jahren geringer werdender Teilnehmerzahlen einen zunehmenden großen Zuspruch erfahren. Fazit: „Alle Orte feiern ihre Feste. Und alle diese Feste werden auch von Bewohnern der Nachbarortsteile besucht.“

Der Gesamtort Wendeburg sei inzwischen zu groß und zu anonym, als dass sich die Menschen damit identifizieren könnten. Marschall: „Viele Neubürger der einzelnen Ortsteile tun sich ja bereits seit Jahren schwer damit, sich ins Kultur- und Vereinsleben des jeweiligen Ortes einzubringen.“ Ob Schützenfeste in der bisherigen Form noch zeitgemäß sind, müsse hinterfragt werden.„Aber solange die Beteiligung noch vorhanden ist, gibt es aus meiner Sicht keine Veranlassung über eine Zusammenlegung zu diskutieren. Ich glaube auch nicht, dass eine Zusammenlegung der Traditionsgemeinschaften das Gesamt-Wendeburger Gemeinschaftsleben fördern würde. Wenn es aber tatsächlich so kommen sollte, dass die einzelnen örtlichen Feste nicht mehr allein lebensfähig oder finanzierbar sind, könnte über ein gemeinsames Volks-/Schützenfest nachgedacht werden. Bisher können nach meiner Kenntnis aber alle drei Traditionsgemeinschaften mit dem jetzigen Stand gut leben.“

Felix Mecke, Vorsitzender der Traditionsgemeinschaft 850 Jahre Zweidorf erklärt: „Wir haben ein gut funktionierendes Volksfest, welches auch finanziell auf gesunden Füßen steht. Bei den anderen Vereinen oder Institutionen, die sich zusammengeschlossen haben, waren es Zwangs-Ehen, aus unterschiedlichen Gründen. Natürlich muss man immer die Entwicklung im Auge behalten. Zurzeit sehen wir jedoch keine Notwendigkeit uns unseres Volksfestes zu entledigen.“

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