Ortsvorsteher Hasso Becker kennt Fürstenau aus dem Effeff

Fürstenau  Der IT-Techniker setzt bei der 300-Jahr-Feier in diesem Jahr auf die Mithilfe der Dorfgemeinschaft.

Mit Leib und Seele Fürstenauer: der neue Ortsvorsteher Hasso Becker in seinem Wohnzimmer mit zwei Ortschroniken und dem Ortschaftswappen.

Mit Leib und Seele Fürstenauer: der neue Ortsvorsteher Hasso Becker in seinem Wohnzimmer mit zwei Ortschroniken und dem Ortschaftswappen.

Foto: Harald Meyer

. In Fürstenau ist er das „Gesicht“ der Feuerwehr: Seit 27 Jahren ist Hasso Becker Mitglied der Ortswehr in seinem Heimatdorf, jahrelang ist er Ortsbrandmeister in Fürstenau gewesen, zurzeit ist er stellvertretender Ortsbrandmeister der fusionierten Feuerwehr Sierße/Fürstenau. Nun allerdings betritt der IT-Techniker Neuland: Hasso Becker ist der neue Ortsvorsteher in Fürstenau, nachdem Martin Knoche – sein Nachbar – diesen ehrenamtlichen Posten abgegeben hat. Im Interview mit unserer Zeitung verrät Becker, warum er sich damit als Parteiloser in die Kommunalpolitik begeben hat und welche Themen in Fürstenau anstehen – mit rund 90 Einwohner die kleinste Ortschaft in der Gemeinde Vechelde.

Herr Becker, Sie sind gerade von einem dreitägigen Besuch der Großstadt Hamburg zurückgekommen in das kleine beschauliche Fürstenau. Wie hat es Ihnen in Hamburg gefallen?

Sehr gut. Aber zwei, drei Tage in Großstädten wie Hamburg oder Berlin reichen mir. Ich möchte in Großstädten nicht leben.

Deshalb leben Sie in Fürstenau. Was hat Sie dazu bewogen, das Amt des Ortsvorstehers in ihrem Heimatdorf zu übernehmen, also den Schritt in die Kommunalpolitik zu wagen?

Eigentlich habe ich dieses Amt gar nicht übernehmen wollen, denn ich gehöre zu denjenigen, die sagen, die Posten sollten auf möglichst viele verschiedene Personen verteilt werden – und ich bin ja bereits stellvertretender Ortsbrandmeister. Aber dann haben mich der Vechelder Bürgermeister Ralf Werner und die frühere Fürstenauer Ortsvorsteherin Marieluise Dambroth mehrmals gebeten, Ortsvorsteher zu werden – auch andere sind gefragt worden, aber sie haben abgesagt. Ich bin gebürtiger Fürstenauer, und was hier in unserem Dorf passiert, geht mir nahe: Ich wollte nicht, dass andere über Fürstenau bestimmen – ein bisschen Eigenständigkeit sollten wir schon behalten, daher bin ich nun doch Ortsvorsteher geworden.

Einstimmig hat der Vechelder Gemeinderat Sie zum Ortsvorsteher bestimmt, Bürgermeister Ralf Werner hat Sie ernannt: Willkommen, Herr Becker, in der Kommunalpolitik!

Ich bin parteilos, und das, was ich hier als Ortsvorsteher zu tun habe, mache ich nicht als Politiker oder gar Parteipolitiker, sondern für alle Bürger in Fürstenau.

Haben Sie ein Vorbild in der Politik?

Nein, das kann ich nicht sagen.

Ihr Amtsantritt als Ortsvorsteher kommt zu einem sehr passenden Zeitpunkt: In diesem Jahr steht die 300-Jahr-Feier in Fürstenau an. Was planen Sie dazu an Veranstaltungen im Ort?

Vorweg gesagt: Das heutige Fürstenau gibt es schon länger als 300 Jahre, aber offiziell ist das Jahr 1719 eben die Geburtsstunde. Bei der Jubiläumsfeier bin ich auf die Dorfgemeinschaft angewiesen: Wir haben uns bereits einmal zu dem Thema getroffen, da sind auch einige Fürstenauer gekommen. Ein Kinderfest, eine Andacht und ein Scheunenfest bei Eschemann sind in diesem Jahr geplant – ich weiß nicht, ob wir auch einen Dorfflohmarkt veranstalten.

Das heißt: Die Dorfgemeinschaft ist intakt, die Fürstenauer ziehen mit?

Es sind zwar zumeist immer dieselben, die bei Aktivitäten mitmachen. Aber insgesamt lässt sich wohl sagen: Bei rund 90 Bewohnern wie in Fürstenau ist der dörfliche Zusammenhalt doch besser als in größeren Ortschaften – bei uns kennt hier doch jeder fast jeden.

Fürstenau gilt als „Perle der Gemeinde Vechelde“ – was macht das Leben hier aus?

Wir sind hier geprägt durch das nahe Fürstenauer Holz (Landschaftsschutzgebiet): Wir sehen hier oft Wildtiere wie Rehe und Wildschweine. Im vergangenen Jahr hatte ich im Garten noch fünf Hühner: Drei sind jetzt aber weg, die hat der Fuchs geholt.

Das klingt alles idyllisch, fast schon paradiesisch. Dennoch wird auch Fürstenau noch Wünsche haben, oder?

Ja, wir hätten gerne noch ein paar Wohnbaugrundstücke – von einem Baugebiet mit 10,15 Bauplätzen will ich nicht reden, das würde gar nicht zu Fürstenau passen. Aber ein paar Bauplätze wären gut, damit unser Dorf langsam wachsen kann. Im Übrigen freuen wir uns, dass die Telekom auch bei uns in Fürstenau flächendeckend für superschnelles Internet sorgt – ich hoffe, es kommt dazu möglichst schnell: Wir haben zwar schon jetzt schnelles Internet, aber das gelangt nicht in jedes Wohnhaus im Dorf und ist auch teuer.

In Fürstenau beschweren sie sich auch immer wieder über die Raserei auf der Ortsdurchfahrt, wie sehen Sie das?

Gefühlt haben wir den Eindruck, dass auf der Ortsdurchfahrt – 50 Stundenkilometer sind erlaubt – gerast wird. Ich bin aber überzeugt: Wer dort mit 70 Stundenkilometern durch Fürstenau brettert, der landet bei uns im Dorf irgendwo im Garten.

Hasso Becker arbeitet als IT-Techniker bei einer Landesbehörde in Braunschweig; er ist gebürtiger Fürstenauer, verheiratet und Vater einer Tochter. Als Hobbys nennt er Boot- und Motorradfahren, Computer/Elektronik und seinen Garten. „Im Keller habe ich noch eine Eisenbahn, die ich längst hätte aufstellen wollen“, ergänzt der 55-Jährige. Auf Vorschlag der SPD hat der Gemeinderat Becker einstimmig zum Ortsvorsteher bestimmt, er ersetzt dort quasi den Ortsrat/Ortsbürgermeister: Die SPD hat bei der letzten Kommunalwahl 2016 (Gemeinderatswahl) die meisten Stimmen in Fürstenau geholt, daher hatte sie das Vorschlagsrecht. Beckers Amtszeit als Ortsvorsteher dauert bis zum 31. Oktober 2021. Zur Vorbereitung der 300-Jahr-Feier in 2019 findet am Donnerstag, 10. Januar, ab 19 Uhr im Feuerwehrhaus ein Treffen mit allen Fürstenauern statt.

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