Ein Marshallplan gegen Armut, Hunger, Flucht und Verödung

Vechelde  Peiner des Jahres – unsere Leser nominieren den Vechelder Nasir El Bassam.

Professor Nasir El Bassam denkt global, er reist global. Aber liebend gern handelt er lokal. Der gebürtige Iraker ist in der Region führender Experte bei Fragen rund um die Themen erneuerbare Energien und die Energiewende. Die Überzeugung des 79-Jährigen: „Der Bürger vor Ort kann die Energiewende vorantreiben.“ In der Gemeinde Vechelde war er bereits mehrfach Mitveranstalter des Forum zur Energiewende. Dort trat der weltweit anerkannte Fachmann in Sachen regenerativer Energie (Sonne, Wind, Wasser, Biomasse) häufig als Vortragender auf.

El Bassam gründete das „Internationale Forschungszentrum für erneuerbare Energie“ (IFEED), das er 20 Jahre lang ehrenamtlich leitete und dessen Ehrenvorsitzender und wissenschaftlicher Berater er heute ist.

Er war die treibende Kraft hinter dem Projekt der Integrierten- Energie-Siedlung in Wierthe. Das Ziel: „Die Verbesserung der Lebensgrundlagen auf dem Lande“. Dazu stehen vollständig ausgearbeitete Planungs- und Umsetzungsdokumente bereit. Ihre besondere Stärke liegt in der spezifischen Berücksichtigung der jeweiligen wirtschaftlichen sowie ökologischen und sozialen Bedingungen vor Ort.

Auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik Wierthe, der jetzigen Firma Ziegeler, entstand ein Modell dieses Marshallplans gegen Armut, Hunger, Flucht, Völkerwanderung und Vertreibung in den Entwicklungsländern sowie gegen Verfall und Verödung dörflicher Strukturen weltweit.

Hier werden Energie, Gewerbe, Ausbildung, Nahrungsmittelanbau, Tierhaltung und klimarelevante Aspekte integriert. Das Projekt in Wierthe ist inzwischen landes- und weltweit ein Begriff.

Vechelde ist seit 45 Jahren die Heimat El Bassams. Bis zu seinem Ruhestand arbeitete er mehr als drei Jahrzehnte an der Bundesforschungsanstalt FAL in Braunschweig und verantwortete dort unterschiedliche Bereiche, zuletzt Biomasse als Energiequelle.

Weitere ehrenamtliche Tätigkeiten El Bassams in der Region: Er war Umweltbeauftragter der Gemeinde Vechelde, Mitglied des Gemeinderats und Mitbegründer des Fördervereins Klimaschutzagentur Hildesheim-Peine, zu dessen zweitem Vorsitzenden er 2016 gewählt wurde.

Sein Anliegen ist die Energiewende, weshalb er einen bewegten Ruhestand führt, der ihn auch als Vorstandsmitglied im Weltrat für erneuerbare Energien zu Vorträgen in aller Welt veranlasst.

Bleibt Zeit für Hobbys? El Bassam zögert kurz, er überlegt: „Geschichte und Musik, ich befasse mich gern mit Geschichte. Konkret kümmere ich mich um die deutsche Historie und den Islam, seine Geschichte und sein heutiges Bild. „Ich bemühe mich um Völkerverständigung und ein Leben in Würde und Frieden. Die Erde darf nicht so behandelt werden, als würde sie keinem oder nur privilegierten Gruppen und Ländern gehören.“

Der 79-Jährige ist mehrfacher wissenschaftlicher Buchautor, unter anderem schrieb El Bassam am „Weltwirtschaftsatlas der Erde“, Teil 1 und 2, des Westermann-Verlages mit.

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