Corona trifft auch das Jugendzentrum „Bahnhof“ in Broistedt

Broistedt.  Es gibt Absagen, aber auch Aktionen, die in diesen Tagen möglich sind. Spiele können ausgeliehen werden, digitale Rallyes kommen bald.

Corona schränkt auch das Jugendzentrum "Bahnhof" in Broistedt ein. Einige Aktionen und Fahrten mussten abgesagt werden. Aber es können – unter Auflagen – diverse Spiele ausgeliehen werden.

Corona schränkt auch das Jugendzentrum "Bahnhof" in Broistedt ein. Einige Aktionen und Fahrten mussten abgesagt werden. Aber es können – unter Auflagen – diverse Spiele ausgeliehen werden.

Foto: Gemeinde Lengede

Viele dürfen in dieser von Corona geprägten Zeit wieder öffnen, die Jugendzentren bleiben allerdings dicht oder haben sehr strenge Auflagen bekommen. Das gilt auch für den „Bahnhof“ in Broistedt. Dessen Leiter Michael Nagel hat sich mit seiner Mannschaft dennoch einiges überlegt für die Jugendlichen. Und er hofft, dass diese nach all den Wochen daheim vielleicht sogar (mal) genug haben vom Daddeln und Chatten an Computern, Spielkonsolen und Mobiltelefonen.

Die beliebten Fahrten des „Bahnhofs“, nach Eltze und nach Sardinien, sind allerdings längst abgesagt worden. Die Teilnehmer bekommen ihr Geld zurück, sagt Michael Nagel im Gespräch mit unserer Zeitung. Eine weitere oder neue Planung für Reisen oder Ausflüge sei derzeit nicht verlässlich möglich.

Seit Mitte März ist auch der „Bahnhof“ in Broistedt geschlossen. Unter Auflagen soll es bald wieder losgehen, zumindest draußen am Jugendzentrum und auch digital, kündigt der Leiter an. Man habe bereits quasi ein digitales Jugendzentrum im Netz aufgebaut. „Wir testen das gerade mit unseren Ehrenamtlichen“, sagt Michael Nagel.

Ganztagsschulen verändern Nutzungsverhalten

Wegen der inzwischen fast überall üblichen Ganztagsschulen ist es nicht mehr so wie früher, dass die Jugendlichen am späten Mittag während der ganzen Woche mal einfach so im Jugendzentrum vorbeischauen. „Der Freitag ist nun ein wichtiger Tag für uns“, sagt der Broistedter Jugendpfleger. Das an diesem Tag sonst im Haus übliche Quiz oder die einfache Kaffeerunde fänden nun digital per Videochat statt.

Bald digitale Rallyes und Spaziergänge durch Lengede

Außerdem soll es demnächst für die Jugendlichen Rallyes und Spaziergänge in der Gemeinde Lengede als Onlineangebot im Internet geben. An den Details wird noch gearbeitet. Wichtig ist für Michael Nagel: „Das soll auch nachhaltig sein“, also auch nach Corona zu den Angeboten des Jugendzentrums in Broistedt gehören.

Aber derzeit ist das weiterhin geschlossen. Besteht die Sorge, dass sich die Jugendlichen daran gewöhnen, nicht mehr vor Ort zu sein. „Nein“, sagt Michael Nagel sofort. Es bestehe weiterhin viel Kontakt mit den Eltern und „mit unseren Kids“. Der Jugendpfleger glaubt und hofft zudem, dass die Jugendlichen womöglich sogar die Nase etwas voll haben von den schier unendlich möglichen Digitalsausen mit Games und Chats in den vergangenen Wochen. „Die sind doch froh, wenn die wieder rauskommen. Ich sehe schon viele wieder draußen, sie sitzen zusammen und reden.“ Und das auch mal ohne Mobiltelefon in der Hand offensichtlich.

Neue und bekannte Spiele können in Broistedt ausgeliehen werden

Die Gemeinde Lengede, die für den „Bahnhof“ zuständig ist, teilte zudem mit, dass der Spieleverleih aktuell neu organisiert und ab sofort möglich sei. „Einige Geräte sind neu in der Ausleihe. So gibt es Dartscheiben mit Ständern für draußen, eine Jonglierkiste und Material zum Discgolfspielen im eigenen Garten. Natürlich sind auch die gerne gebuchten Klassiker im Verleih: Puzzletürme, Schwungtuch, Entenangeln und Jaccolo“, heißt es in der Mitteilung der Gemeinde. Dazu könnten beliebte Outdoorspiele wie Kubb, Bouchie oder Crossboule ausgeliehen werden, oder auch zahlreiche Brettspiele.

Auf der Internetseite www.kids-in-lengede.de werde es demnächst einen Ausleihkatalog geben. Während der Einschränkungen wegen Corona gebe es besondere Hygieneauflagen für die Ausleihe. Die gebe es mit der Ausgabe der Spiele am Jugendzentrum in Broistedt.

Keine Kurzarbeit oder Entlassungen im „Bahnhof“

Mit seiner Mannschaft habe er trotz der Dauerschließung der vergangenen Wochen durchgehend zu tun gehabt, betont Michael Nagel. Deswegen habe es bei den Angestellten im Bahnhof auch keine Kurzarbeit oder gar Entlassungen gegeben.

Landesjugendring kritisiert Corona-Auflagen für Jugendzentren

Der Landesjugendring Niedersachsen teilte am Freitagabend noch seine Enttäuschung mit, dass gerade Jugendzentren immer noch nur eingeschränkt arbeiten könnten, während es für andere schon diverse Öffnungen gebe.

„Unsere Jugendleiter und Jugendleiterinnen sind es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen und auf Kinder und Jugendliche aufzupassen. Vor der Corona-Pandemie haben sie regelmäßig Gruppenstunden geleitet und Ferienfreizeiten geteamt ohne das Hauptamtliche dabei waren – nun sollen Angebote der Jugendarbeit nur möglich sein, wenn pädagogische Fachkräfte die Angebote beaufsichtigen?“, fragt Jens Risse aus dem Vorstand des Landesjugendrings Niedersachsen e.V. in der Pressemitteilung, „nach einem Blick in die aktuelle Verordnung des Landes Niedersachsen ‘über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus’“.

Inhaber der Juleica-Lizenz ausgebremst

Danach seien bis auf weiteres gruppenbezogene und offene Angebote der Jugendarbeit nur dann erlaubt, wenn die von Fachkräften beaufsichtigt werden. Für den Bereich der Jugendarbeit bedeute dies, dass alle Angebote der Jugendgruppen weiterhin de facto verboten seien. Denn: „In den Mitgliedsverbänden des Landesjugendrings sind etwa 18.000 gut qualifizierte ehrenamtliche Juleica-Inhaber aktiv, es gibt aber nur knapp 50 durch das Land finanzierte pädagogische Fachkräfte. Eine Wiederaufnahme dieser Angebote wird unter diesen Vorzeichen daher nicht möglich sein.“

Dies sei sowohl für die Kinder und Jugendlichen, die gerne an den Angeboten teilnehmen möchten, als auch für die Jugendleiter und Jugendleiterinnen eine große Enttäuschung. Der Vorstand des Landesjugendrings habe sich daher mit einem Brief an Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Jugendministerin Carola Reimann gewandt und die kurzfristige Änderung der Verordnung gefordert.

Kinder- und Jugendzentrum „Bahnhof“ in Broistedt: Am Bahnhof 40, Broistedt, , E-Mail info@kids-in-lengede.de, Leitung: Michael Nagel, .

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