Grüne kritisieren „Ausverkauf der Gynäkologie“ in Peine

Peine.  Die Grünen fordern: „Eine wohnortnahe gynäkologische Versorgung der Frauen ist zwingend notwendig.“ Die AKH-Gruppe widerspricht den Darstellungen.

Mittlerweile geschlossen – die Abteilung Frauenheilkunde im Klinikum Peine.

Mittlerweile geschlossen – die Abteilung Frauenheilkunde im Klinikum Peine.

Foto: Henrik Bode, Archiv

Das Sanierungsgutachten für den finanziell angeschlagenen Klinikverbund AKH Gruppe Celle, zu dem das Klinikum Peine, steht zwar noch aus, aber erste Maßnahmen sind bereits vollzogen – so die Schließung der Frauenheilkunde in Peine. Ursprünglich zur Jahresmitte angekündigt, zog die AKH Gruppe dann den Schließungstermin auf Mitte April vor. Erst vorigen Samstag hatten in Peine Mütter, Hebammen und die Gewerkschaft Verdi auf der Straße gegen die Schließung protestiert. Die Forderung: Die gynäkologische Abteilung des Peiner Klinikums muss wiedereröffnet werden, die Versorgungslage rund um gynäkologische Anliegen sichergestellt und der Klinikstandort Peine erhalten werden.

Nun schlagen der Kreisverband und die Kreistagsfraktion der Grünen in Peine mit „außerordentlicher Enttäuschung“ Alarm: „Nach neuesten Informationen werden bereits Instrumente und Einrichtungsgegenstände der kürzlich geschlossenen Gynäkologie im Klinikum verkauft beziehungsweise abgegeben.“ Das angekündigte Gutachten sei noch nicht vorgestellt worden, aber schon jetzt würden schon Tatsachen geschaffen werden.

„Eine wohnortnahe gynäkologische Versorgung der Frauen ist zwingend notwendig in unserem Landkreis. Lange Fahrtzeiten nach Braunschweig, Hildesheim oder Salzgitter sind nicht hinnehmbar und für viele Frauen ohne eigenes Auto in notfallähnlichen Situationen nicht leistbar.“ erklärt Stefanie Weigand, Sprecherin des Kreisverbands.

„Erst die ,handstreichartige’ Schließung der Gynäkologie, dann die Ankündigung der Klinikleitung Anfang Mai in der Presse, man prüfe zwar Büros in der bisherigen Gynäkologie einzurichten, noch sei aber nichts entschieden und man bleibe offen für alternative Lösungen“, sagt Doris Meyermann, Abgeordnete im Kreistag und Mitglied im Ausschuss für Gleichstellung, Arbeit und Soziales. „Mein Vertrauen in die Klinikleitung, transparent und gemeinsam an Lösungen für eine gute Gesundheitsversorgung im Landkreis zu arbeiten, ist massiv gestört.“

Die Grünen fordern den sofortigen Stopp des „Ausverkaufs der Gynäkologie“. Heiko Sachtleben, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Peiner Kreistag: „Wir müssen uns fragen, ob bereits weitere Tatsachen geschaffen wurden oder werden. Wie sollen wir vertrauensvoll zusammenarbeiten, wenn bereits jetzt, ohne das gemeinsam ein Konzept zum Erhalt des Klinikums Peine erstellt wurde, so über unsere Köpfe hinweg zukunftsweisende Entscheidungen getroffen werden?“

AKH-Sprecher Ralf Kuchenbuch indes widerspricht der Darstellung der Grünen vehement. Es werde noch nichts verkauft. Allerdings gebe es entsprechende Anfragen. Einige Gerätschaften würden zur Klinik in Celle überführt werden. Kuchenbuch erklärte, dass die Schließung der Frauenheilkunde nicht mit dem Gutachten vermengt werden dürfe. Er wiederholte, dass diese Schließung aufgrund jährlicher Verluste von rund 850.000 Euro nun eine zwangsläufige Konsequenz gewesen sei (wir berichteten).

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